Formel E

Formel E in London: Wehrlein & Buemi geraten aneinander, Porsche versinkt im Mittelmaß

Svenja König

Svenja König

Pascal-Wehrlein-Buemi-discussion-London

Seit dem furiosen Doppelsieg von Mexiko schafft es das Formel-E-Team von Porsche nicht mehr, alle Puzzleteile zusammenzusetzen. Zuerst erlebte das Team technische Probleme in Monaco und Marrakesch, Pace-Probleme in Berlin und zuletzt das Qualifying-Debakel von New York. Beim London E-Prix haderte die Mannschaft aus Stuttgart vor allem mit der Qualifying-Pace und Kollisionen im Rennen. Insbesondere zwischen Pascal Wehrlein und Sebastien Buemi dürften nach dem Sonntagsrennen einige harte Worte gefallen sein.

Im zweiten Lauf des Wochenendes hatte sich Pascal Wehrlein von der zwölften Startposition bis auf Position 7 und somit in den Kampf um die Punkte vorgearbeitet. Über weite Teile des Rennens kämpfte er mit Nissan-Pilot Sebastien Buemi, später auch mit Sergio Sette Camara um die letzten Punkte. Schon während des Rennens beschwerte sich Wehrlein mehrfach über "Moving under Breaking" durch Buemi.

Zur engsten Situation kam es zwölf Minuten vor Schluss beim Anbremsen in Kurve 1. Buemi machte spät die Tür zu, und Wehrlein musste stark bremsen, um eine Kollision zu vermeiden. Daraufhin drehte sich auch Edoardo Mortara in der Auslaufzone, der auf den dahinterliegenden Sam Bird aufgelaufen war. Nach dem Rennen seien Wehrlein und Buemi gemeinsam durch den Parc Ferme gelaufen und hätten hitzig diskutiert, berichtet 'The Race'. Jim Wright (kaufmännischer Leiter von Andretti), Antonio Felix da Costa und Robin Frijns hätten dazwischengehen müssen, um zu schlichten.

Buemi: "Er hat das Meiste falsch gemacht"

"Nach dem Rennen sind wir zur Waage gegangen, und ich habe ihm gesagt, dass es sehr gefährlich ist, beim Bremsen die Linie zu wechseln, und dass ich beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr in der Lage bin, einen Unfall zu vermeiden, wenn er so weiterfährt", erklärt Wehrlein bei den Kollegen. "Ich weiß nicht, was dann passiert ist, aber er wirkte richtig provoziert und kam mir ganz nah ans Gesicht und sagte mir, ich solle wiederholen, was ich gesagt habe. Wir hatten eine kurze Diskussion. Es war nichts Besonderes. Ich denke, dass die Emotionen nach dem Rennen einfach groß sind."

Nach dem Rennen wurden allerdings zwei Untersuchungen in diesem Zusammenhang von den Kommissaren durchgeführt. Zum einen wurde die Beinahe-Kollision dahingehend untersucht, ob Buemi Wehrlein ausreichend Platz gelassen hatte. Zum anderen aber auch Pascal Wehrlein für das sogenannte "Moving under Breaking", was er dem Schweizer in Nissan-Diensten vorwarf. Dass die Schuld eher beim Deutschen liege, deutete Buemi nach dem Rennen bei 'The Race' an: "Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe. Und ich glaube, dass er das Meiste falsch gemacht hat, denn am Ende wurde auch er untersucht." Strafen wurden in beiden Fällen nicht ausgesprochen.

Wehrlein: "Deutlich unsere Schwachpunkte gesehen"

Davon abgesehen unterstrich Porsche beim London E-Prix erneut, dass das Team in der zweiten Saisonhälfte den Anschluss an die Topteams verloren hat. In den 14 bisherigen Rennen sammelte das deutsche Team 128 Punkte - 106 davon im ersten Abschnitt der Saison. In den letzten sieben Rennen - also der zweiten Saisonhälfte, beginnend mit dem zweiten Berlin-Rennen - kamen nur noch 22 Punkte dazu. In der "Rückrunde" sammelten Envision, Andretti und sogar Nissan mehr Punkte als das Team rund um Pascal Wehrlein und Andre Lotterer.

Auch wenn einige Qualifying-Fauxpas und technische Probleme die Ergebnisse beeinflussten, hatte Porsche schlussendlich nicht die Pace - weder auf eine Runde noch auf eine ganze Renndistanz -, um in die vorderen Punkteränge zu fahren. In London fehlte es Wehrlein an Performance im Qualifying, sodass er beide Rennen außerhalb der ersten Zehn beginnen musste. Allerdings konnte er sich im Rennen immer nach vorn arbeiten und in beiden Rennen wenigstens einen Punkt mitnehmen.

"Auf dieser Strecke hat man deutlich unsere Schwachpunkte gesehen", berichtet Wehrlein nach dem Wochenende. "Es war für uns nicht einfach zu überholen, und das hat unser ganzes Rennen beeinflusst. Wir müssen in gewissen Bereichen besser werden, dann sind auch wieder bessere Resultate möglich. An diesem Wochenende war nicht mehr drin. Doch wir wissen, was wir für die Zukunft besser machen müssen. Immerhin konnte ich am Samstag acht Plätze aufholen. So gesehen war es ein gutes Rennen, aber natürlich nicht das, was wir von uns erwarten."

"Hatten nicht genügend Pace im Vergleich zur Konkurrenz"

Andre Lotterer hatte größere Probleme auf die gesamte Renndistanz gesehen. Nach Startplatz 8 am Samstag fiel er nach einem Fehler bei der Attack-Mode-Aktivierung und Zweikämpfe im Mittelfeld aus den Punkten. Der gebürtige Duisburger geht davon aus, dass er auch im Qualifying zum zweiten Rennen die Pace gehabt hätte, um die Duellphase zu erreichen. Er leistete sich allerdings einen Mauerkontakt und musste das Rennen aus der letzten Reihe beginnen. Auch im zweiten Rennen stand für ihn Platz 12 zu Buche.

"Wir hatten nicht genügend Pace im Vergleich zur Konkurrenz. Über eine Runde sind wir nicht schlecht, doch über die Distanz sind wir nicht schnell genug. Für uns war London ein schwieriges Wochenende. Wir werden jetzt analysieren, was wir für Seoul besser machen können", fasst Lotterer sein Rennwochenende zusammen.

Das Team hat noch knapp anderthalb Wochen Zeit, um sich auf das Saisonfinale in Seoul vorzubereiten - eine Strecke, bei der kein Rennstall auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Das Saisonfinale findet vom 13. bis 14. August in Südkorea statt.

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1 Kommentare

Hannes ·

Ich finde unverschämt, wie buemi reagiert. Meiner Meinung nach hat buemi klar beim bremsen die Tür zugemacht was mindestens eine Warnung geben müsste. Und danach bei Pascal die Schuld zu sehen... Ich weiß ja nicht

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