Formel E

Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffe stark reduziert: Formel E veröffentlicht Nachhaltigkeitsbericht für Saison 2023

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

"Rennsport für eine bessere Zukunft" - Mit diesem Titel überschreibt die Formel E ihren Nachhaltigkeitsbericht für die Saison 2023. In dem vor kurzem veröffentlichten Report präsentierte die Elektroserie neue Daten zu ihrem Einfluss auf das Klima und zu ihren Bestrebungen, sozial und wirtschaftlich nachhaltig zu handeln. Auch wenn die Emissionen im Vergleich zum Vorjahr stiegen, sieht die Rennserie sich auf einem guten Weg.

Die Formel E orientierte sich 2023 als erste globale Sportorganisation an der PAS 2060, der internationalen Spezifikation für den Nachweis der Kohlenstoffneutralität. Der Zweck dieser Angleichung war es, genaue und glaubwürdige Aussagen über den Klimaneutralitätsstatus der Rennserie zu ermöglichen.

"Durch die Anpassung an den international anerkannten Standard für Kohlenstoffneutralität, PAS 2060, stärkt die Formel E ihre führende Position im globalen Spitzensport und in der Nachhaltigkeit", sagt Julia Palle, Nachhaltigkeitsdirektorin der Rennserie.

"Als Organisation haben wir uns stets an die höchsten Standards gehalten, wenn es um die Messung, Reduzierung und Festlegung unserer Emissionen geht, und dieser neue Standard bekräftigt diese Verpflichtung. Er stellt sicher, dass wir mit dem weiteren Ausbau unserer Meisterschaft auch sicherstellen können, dass die Reduzierung unserer Emissionen um 45 % bis 2030 nachhaltig, genau und in höchstem Maße zertifiziert ist."

Die Klimabilanz der Formel E wird seit der Saison 2014/15 von der Firma Quantis überwacht. In der Saison 2023 verursachte die Serie laut Zahlen des Unternehmens einen Ausstoß von 32.600 Tonnen CO2-äquivalenten Treibhausgasen, die mit dem Handel von Klimazertifikaten und weiteren Maßnahmen vollständig ausgeglichen wurden ("Netto-Null"). In der Vorsaison 2022 lag dieser Wert noch bei 22.700 Tonnen.

Die CO2e-Maßeinheit macht die Klimaauswirkungen verschiedener Emissionen miteinander vergleichbar, darunter Stickoxide, Wasserdampf, Schwefeldioxide oder Rußpartikel. Eine Tonne Methan ist beispielsweise rund 25-mal klimaschädlicher als eine Tonne CO2. Sie würde in der Formel-E-Statistik folglich rund 25 Tonnen CO2e entsprechen.

Im Vergleich: Die Emissionen der Formel E seit Saison 5

Weniger Emissionen pro Rennen als in Saison 5

Maßgeblich für die deutlich höheren Emissionswerte im Vergleich zum Vorjahr dürfte die nach der Pandemie stetig steigende Anzahl an Überseerennen sein. Fanden 2021 nur drei Veranstaltungen und 2022 nur sechs Events außerhalb Europas statt, stieg diese Anzahl 2023 auf sieben. Bestärkt wird der Effekt der zusätzlichen Rennen durch die häufig kritisierten Reiserouten, wie etwa in der zweiten Saisonhälfte, als die Fahrzeuge binnen gut zwei Monaten von Monaco nach Rom verschifft wurden - mit Zwischenstationen in Indonesien und an der Westküste der USA.

Für die Formel E sind die Werte aus ihrer neunten Saison dennoch ein Erfolg: Bis 2030 will sie ihre Emissionen im Vergleich zu Saison 5 (2019/20) um 45 Prozent reduzieren. Damals verursachte die Serie im Schnitt 3.433 Tonnen CO2e pro Rennen. Im Vergleich dazu konnte sie diesen Wert im letzten Jahr um rund 41 Prozent reduzieren (2023: 2.040 t CO2e pro Rennen). Bereits nah dran an der 45-Prozent-Marke, allerdings gab es damals auch nur 13 statt 16 Rennen.

Die Zahlen unterscheiden sich jedoch teilweise deutlich von denen, die in der Vergangenheit kommuniziert wurden. Als Erklärung gibt die Formel E im Nachhaltigkeitsbericht an: "Die für Saison 8 berichteten Emissionen unterscheiden sich vom Nachhaltigkeitsbericht der Saison 8 aufgrund aufgrund einer Änderung der Methodik, um verbesserte Daten und Ressourcen zu berücksichtigen." Aufgrund dessen ist auch eine Vergleichbarkeit mit der Gen1-Ära nicht mehr gegeben: Die Formel E rechnet nur die Zahlen ab Saison 5 auf die neue Methodik um.

Abermals machte dabei die Fracht einen Großteil der Emissionen aus, allen voran der Lufttransport. Laut Angaben von Quantis sind 59 Prozent aller Emissionen auf den Transport der Fahrzeuge und des Boxengassenequipments zurückzuführen. Geschäftsreisen des Formel-E-Personals machten 17 Prozent der Emissionen aus, 13 Prozent die "Race Operations" (Infrastruktur, Streckenbau, Energie zum Laden der Fahrzeuge).

Emissionen nach Verursacher

Fossile Brennstoffe deckten nur zehn Prozent des Energiebedarfs

Erneut gewährte die Formel E in einem Nachhaltigkeitsbericht auch einen Einblick in die Art und Weise, wie die Energie für ihre Rennen generiert wird. Insgesamt benötigte die Serie in ihrer Saison 4.569 MWh Energie für alle Prozesse auf und abseits der Strecke (269 MWh pro Rennen, inklusive Testtage).

Der Großteil davon wurde aus nachhaltigen Quellen wie hydriertem Pflanzenöl gewonnen. Rund zehn Prozent des Energiebedarfs wurde durch fossile Brennstoffe wie Erdgas oder Diesel gedeckt, eine deutliche Verringerung zum Vorjahr, wo dieser Anteil noch ein Drittel betrug. Erdgas wird dabei zum Beheizen des Formel-E-Hauptquartiers in London verwendet, Diesel als Ersatz an der Rennstrecke, wenn weder Ökostrom aus dem lokalen Stromnetz noch hydriertes Pflanzenöl zur Verfügung stehen.

Erstmals schlüsselt die Formel E auf, wie die Zuschauer:innen zu den Rennen gelangt sind. Die Daten wurden durch einen nachträglich versendeten Online-Fragebogen an alle Ticketkäufer:innen erhoben. Insbesondere bei den Europa-Rennen in London (73 Prozent), Berlin (62 Prozent) und Rom (51 Prozent) nutzte die Mehrheit der Besucher:innen öffentliche Transportmittel. In Kapstadt waren große Teile der Tribünen von Menschen besetzt, die den Kurs fußläufig erreichten. Der Anteil der Zuschauer:innen, die zur Anreise Flugreisen in Anspruch genommen haben, liegt zwischen null (Valencia) und sechs Prozent (Diriyah).

Übersicht: Anteil der von Zuschauer:innen benutzten Verkehrsmittel

Lauf Ort Auto (%) ÖPNV (%) Fahrrad (%) zu Fuß (%) Flugzeug (%) Internat. Zuschauer (%)
0 Valencia 75 3 9 2 0 0
1 Mexiko-Stadt 60 35 0 4 1 1
2+3 Diriyah 61 28 1 8 6 6
4 Hyderabad*           5
5 Kapstadt 43 18 0 40 3 3
6 Sao Paulo 65 27 0 3 1 1
7+8 Berlin 66 62 1 3 1 1
9 Monaco 25 36 7 23 4 19
10+11 Jakarta 39 35 0 5 4 3
12 Portland 69 21 2 2 4 2
13+14 Rom 36 51 1 7 6 13
15+16 London 17 73 0 4 5 5

*: In Hyderabad wurde von Seiten des Veranstalters kein Fragebogen an die Besucher:innen versendet.

 

56.000 Liter Wasser an Nachfüllstationen getankt

Um die Verwendung von Einwegplastik an den Rennorten zu reduzieren, standen den Besuchern bei acht der elf Rennorte Nachfüllstationen zur Verfügung, wo Trinkwasser in Mehrweggefäße abgefüllt werden konnte. Insgesamt rund 56.000 Liter Wasser zapften die Formel-E-Fans auf diese Art und Weise, weshalb mehr als 150.000 Einwegflaschen zu je 330 ml eingespart werden konnten. Seit der Einführung der Nachfüllstationen in Saison 5 konnten gar insgesamt mehr als 585.000 Flaschen eingespart werden.

Die größte Wasserentnahme gab es erwartungsgemäß bei den beiden Hitze-Rennen in Jakarta (16.000 Liter) und Rom (9.000 Liter), wohingegen in Monaco nur 844 und in London lediglich 659 Liter gezapft wurden.

Übersicht: Wasserentnahme an "Hydration Stations" 2023

Lauf Ort Wasserentnahme (l)
1 Mexiko-Stadt 8.200
2+3 Diriyya  
4 Hyderabad  
5 Kapstadt 8.000
6 Sao Paulo  
7+8 Berlin 6.377
9 Monaco 844
10+11 Jakarta 16.000
12 Portland 6.814
13+14 Rom 9.000
15+16 London 659
GESAMT   55.894

 

Fokus auch auf soziale & wirtschaftliche Nachhaltigkeit

Neben dem Blick auf die Ökologie, für die die Formel E in der abgelaufenen Saison abermals einige Auszeichnungen gewann, legte die Meisterschaft auch einen Fokus auf soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. So wurden mehr als 110.000 Euro für lokale Engagements in den Austragungsorten ausgegeben. Bei der "FIA Girls on Track"-Initiative etwa nahmen 1.080 Mädchen an Workshops zum Motorsport teil, von denen 98 Prozent in einer Befragung anschließend angaben, dass sie von dem Programm begeistert waren.

Den vollständigen Nachhaltigkeitsbericht kannst du dir auf der offiziellen Webseite der Formel E in englischer Sprache herunterladen.

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