Formel E

"Enormer & unfairer Vorteil" - DS Penske erhält nach Datenscanner-Affäre horrende Strafen vor Formel-E-Rennen in Portland

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Paukenschlag beim Portland E-Prix: Unmittelbar vor dem Start des Formel-E-Qualifyings am Samstag gaben die Rennkommissar:innen der FIA bekannt, dass Stoffel Vandoorne und Jean-Eric Vergne das Rennen aus der Boxengasse starten müssen. Zusätzlich erhielt DS Penske eine satte Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro. Der Grund ist ein Fehlverhalten des Teams, wie es die Rennserie zuvor wohl noch nie erlebt hat.

Was ist passiert?

Samstagmorgen in Portland: Laurent Arnaud, der Technische Delegierte der FIA, informiert die Rennkommissar:innen über einen Vorfall, der in der Boxengasse beobachtet wurde. Mitarbeiter von DS Penske hatten einen RFID-Scanner (Radio Frequency Identification) zur kontaktlosen Datenauslesung in der Boxengasseneinfahrt installiert. Mit diesem war es möglich, in Echtzeit Daten aller Fahrzeuge auszulesen, die in die Boxengasse fuhren.

Dadurch wusste DS Penske stets, welcher Fahrer gerade welchen Reifensatz verwendete. Die Auswertung dieser Daten in Verbindung mit den Rundenzeiten sowie der Anzahl der Runden, die ein Fahrer mit dem Reifensatz zurückgelegt hatte, erlaubte es dem Team, beispielsweise Rückschlüsse auf den Reifenverschleiß der Konkurrenten zu ziehen.

In einer geänderten Version des offiziellen Dokumentes strichen die Rennkommissar:innen allerdings den Hinweis auf die Reifen: Es wird daher vermutet, dass neben den Reifeninformationen womöglich auch andere Daten der Fahrzeuge durch die RFID-Scanner ausgelesen werden konnten.

Welche Strafe wurde ausgesprochen?

Die Rennkommissar:innen sprachen eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro aus - eine der höchsten in der Geschichte der Formel E. Zusätzlich müssen die beiden Fahrer des Teams, Stoffel Vandoorne und Jean-Eric Vergne, das Rennen aus der Boxengasse aufnehmen. Sie verloren somit ihre guten Startpositionen: Platz 6 für Vergne, Platz 10 für Vandoorne.

Gegen welche Regeln wurde verstoßen?

Die Rennkommissar:innen prüften den Vorfall und stellten dabei die Verletzung mehrerer Regeln fest: Artikel 8.9 des Technischen Reglements, Artikel 23.11 und 30.25 des Sportlichen Regelwerks sowie Artikel 12.2.1.l des Internationalen Sportgesetzes des Automobil-Weltverbandes FIA. Ersterer untersagt den Teams die Verwendung von Telemetrie jeder Art, die nicht unter der direkten Kontrolle der FIA steht. Telemetrie ist die automatisierte Messung und Übertragung von Daten aus entfernten Quellen.

Nach Artikel 23.11 des Sportlichen Reglements dürfen die Teams nur Equipment in der Boxengasse verwenden, das zur Kühlung der Fahrzeuge oder zur Veränderung des Komforts des Fahrers dient, oder das beim Reifenwechsel verwendet wird. Artikel 30.25 verbietet den Teams sogar ausdrücklich, dass Equipment in der Boxengasse, an der Strecke oder in der Umgebung (Mauern, Zäune oder TecPro-Barrieren) installiert werden darf.

Artikel 12.2.1.l des International Sporting Codes definiert schließlich einen grundsätzlichen Regelverstoß im Motorsport: "Jeder Verstoß gegen die Grundsätze der Fairness im Wettbewerb, unsportliches Verhalten oder der Versuch, das Ergebnis eines Wettbewerbs in einer Weise zu beeinflussen, die der sportlichen Ethik zuwiderläuft."

Wie wurde die Strafe begründet?

Die Rennkommissar:innen gaben gleich zwei Begründungen für die harsche Strafe an. Erstens: Es sei den Team grundsätzlich untersagt, Ausrüstung in der Boxengasse zu installieren oder zu platzieren. Zweitens verschaffe das Sammeln von Daten auf diese Weise dem Team sehr viele Informationen, was einen enormen und unfairen Vorteil darstelle. In Anbetracht aller Umstände waren die Kommissar:innen der Meinung, dass die verhängte Strafe angemessen sei.

Wie reagierte das Fahrerlager auf diesen Vorfall?

Aus dem Umfeld des Teams wurde nach Informationen von e-Formel.de verlautet, man habe lediglich Informationen über die Reifen sammeln und keinen Leistungsvorteil erzielen wollen. Außerdem habe es eine unterschiedliche Auslegung darüber gegeben, was erlaubt sei und was nicht.

Laut den Kollegen von The Race erklärten zwei hochrangige Team-Offizielle von Konkurrenten, die nicht namentlich genannt werden wollten, dass sie die Strafe für milde hielten. Einer bezeichnete das Vergehen von DS Penske gar als "durch und durch betrügerisch".

Jean-Eric Vergne: "So viele unfaire Kommentare gelesen"

Jean-Eric Vergne hingegen verteidigte sein Team bei Twitter: "Ich habe so viele unfaire Kommentare über die Entscheidung gelesen, die dazu führte, dass wir beim Rennen in Portland als Letzte starten müssen."

"'Mein Team hat RFID-Scanner in der Boxengasseneinfahrt installiert, die Echtzeitdaten von allen Autos erfassen konnten' - das ist komplett falsch, denn mit diesem System lesen wir lediglich die Seriennummer der Reifen aus, damit wir wissen, welche Reifen von anderen verwendet werden. (Das ist) etwas, das jedes Team tun kann (und sicherlich auch tut), indem es Fotos macht. In allen anderen Kategorien ist diese Information in irgendeiner Weise gegeben", so Vergne weiter.

"Aber wir hatten nie Zugang zu irgendwelchen Live-Daten von anderen Teams", behauptet der Franzose. "Wir hatten nie Druck, Temperaturen oder irgendetwas anderes.
Ich stehe zu meinem Team. Wir akzeptieren die Entscheidung, da es nicht erlaubt war, dieses Equipment dort überhaupt zu verwenden."

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