Formel E

Ticktum bringt Nio 333 Sieg über Mahindra in Formel-E-Team-WM & bleibt 2024: "Andere sehen mich vielleicht als Risiko"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Dan-Ticktum-Nio-333-London-E-Prix

Nach einem monatelangen Kampf hat sich Nio 333 in der Teamwertung der Formel E gegen Mahindra Racing durchgesetzt. Nur ein Punkt machte am Ende den Unterschied zwischen den beiden in Großbritannien beheimateten Mannschaften aus. Während sich bei Nio 333 nach der Saison Erleichterung breitmacht, richtet Mahindra den Blick schon auf das kommende Jahr.

Jahrelang war Nio 333 das Hinterbänkler-Team der Formel E. Abgeschlagen kämpfte der chinesisch-britische Rennstall bestenfalls um Positionen innerhalb der Top 15, Punkteergebnisse waren kaum realistisch. Umso größer war die Erleichterung am Sonntagabend in London: Dank zweier Top-10-Ergebnisse von Dan Ticktum bugsierte sich die Mannschaft in der Formel-E-Teamwertung vorbei an Mahindra Racing. Am Ende stand es 42:41 zugunsten von Nio 333 - Platz 9 in der Gesamtwertung!

"Persönlich kann ich mich nicht wirklich über einen neunten Platz freuen. Aber zu sehen, was das für das Team bedeutet, war sehr besonders", sagt Ticktum nach dem E-Prix gegenüber e-Formel.de. "Es bedeutet ihnen sehr viel, und es freut mich, ihnen das gegeben zu haben. Das gibt uns eine schöne Dosis Positivität nach einem sonst eher frustrierenden Jahr. Das zeigen ja auch meine Funksprüche: Zeitweise war es frustrierend."

Ticktum bestätigt Nio-333-Vertrag für Saison 2024

Ticktum spielt dabei unter anderem auch auf eine Szene im Rahmen des Jakarta E-Prix an, als er wie ein Rohrspatz über sein Antriebspaket und Rennteam schimpfte. Die Schimpftiraden machten sich auch auf dem Fahrermarkt für Ticktum bemerkbar. "Andere sehen mich vielleicht als Risiko. Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb ich kein Angebot von anderen Teams bekam. Aber mein Team kennt mich und weiß, wie frustrierend das ist, weil es für sie genauso frustrierend ist und sie mich verstehen. Aber ich muss mich besser kontrollieren, wenn ich im nächsten Jahr wieder dabei bin", bestätigt er seinen Vertrag für 2024. Auch mit Nio 333? Ticktum: "Ja, auch mit Nio."

Den Frust über die Ineffizienz des Nio 333 teilt Sergio Sette Camara. Der Brasilianer ist jedoch erleichtert, den Wettstreit mit Mahindra zugunsten von Nio 333 mitentschieden zu haben. "Ich wünschte, es wäre mit einem sichereren Vorsprung gewesen", sagt er e-Formel.de. "Die Disqualifizierung gestern war wie ein Eimer mit kaltem Wasser. So wie ich es sehe, war das unfair, aber das Team hat heute die Revanche geschafft und Mahindra geschlagen. Für viele Menschen bedeutet das vielleicht nicht viel, Neunter statt Zehnter zu werden. Aber für das Team bedeutet es emotional eine Menge. Es bedeutet auch, dass wir Schritte in die richtige Richtung machen."

Mahindra "super enttäuscht", richtet Blick aber bereits in Zukunft

Bei Mahindra hingegen herrscht nach dem London-Finale Katerstimmung. "In den ersten zehn Minuten war ich super enttäuscht", sagt Teamboss Frederic Bertrand zu e-Formel.de. "Aber länger dauerte das auch nicht an. Ich könnte mich auch über P9 nicht freuen. Mich macht es vor allem für die Jungs (in der Garage) traurig, weil das auch eines unserer Ziele für das Wochenende war. Heute haben sie (Nio 333) bessere Arbeit als wir gemacht, gestern waren wir besser. Ein kleiner Punkt macht einen großen Unterschied aus. Aber das Wichtige ist, dass wir sie und viele andere im nächsten Jahr schlagen."

Für 2024 sei Bertrand "realistisch optimistisch", wie er selbst sagt. "Wir haben viele Schwächen und wissen, wo sie liegen. Das hilft uns, einige Quick-Wins zu verbuchen. Wir brauchen nur Zeit, die wir während der Saison dafür nicht hatten. Jetzt warten vier, fünf fokussierte Monate auf uns, in denen wir uns vorbereiten. Im Oktober geht es mit dem Test los, und dann sehen wir, wo wir stehen. In der Zwischenzeit bereiten wir uns auf Saison 10 vor und strukturieren das Team um, sodass wir den Optimismus in Realität verwandeln können."

Der Herbsttest im Oktober findet wie üblich in Valencia (Spanien) statt. Angesetzt dafür ist die Woche vom 23. bis 26. Oktober 2023. Für die Teams und Fahrer ist die Zeit wichtig, um sich auf die Saison 2024 vorzubereiten - und um einen Plan zu schmieden, ihre Gegner in der Teamwertung wieder zu überbieten.

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