Formel E

"Entwicklungsfreiheit am gesamten Auto": Audi erklärt Formel-E-Aus & neues Rallye-Dakar-Projekt

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Unmittelbar nach den Vorsaison-Testfahrten 2020 ließ Audi die "Bombe" platzen: Das Formel-E-Jahr 2021 wird das vorerst letzte für die Ingolstädter. Statt einem Einsatz in der Elektrorennserie will Audi künftig mit einem eigenen Team in der Rallye Dakar antreten. Sportchef Julius Seebach hat eine einfache Erklärung für das "Commitment" zu einem neuen Projekt: die begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten der Formel E.

Derzeit können Herstellerteams in der elektrischen Rennserie lediglich ihre eigenen Antriebsstränge entwerfen, bestehend aus Motor, Getriebe und Inverter. Auch an der Hinterradaufhängung sowie an der Software dürfen die Konstrukteure Anpassungen vornehmen. Fast alle anderen Fahrzeugteile müssen per Reglement jedoch einheitlich von allen Rennställen eingesetzt werden.

Die Entwicklungsbeschränkungen gelten seit der ersten Formel-E-Saison (2014/15) und sollen dabei helfen, die Ausgaben der Teams zu kontrollieren. Statt der kostspieligen Entwicklung kleiner Luftleitbleche oder einfallsreicher Diffusor-Lösungen müssen alle Formel-E-Rennställe einheitliche Karosserien von Spark einsetzen. Auch die Batterie ist bei allen Teams ein Einheitsbauteil, die nutzbare Energie ist auf 52 kWh begrenzt.

Besonders die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten bei den Akkumulatoren scheinen zu den Hauptgründen für die Ausstiegsankündigung von Audi zu zählen. "Ich will es so sagen: Der Schlüssel zum Erfolg in Dakar ist es, ein effizientes Auto für jede Stage zu bauen. In diesem Konzept ist nicht nur die Batterie wichtig, sondern auch der Energiewandler", erläutert Julius Seebach, Geschäftsführer von Audi Sport, bei 'Autosport'.

"Die Regeln in der Rallye Dakar sind so flexibel, dass wir das ganze Auto entwickeln können. Das Reglement in anderen Serien, zum Beispiel in der Formel E, ist nicht so offen wie das der Dakar."

Formel-E-Motoren für die Rallye Dakar

Andreas Roos, der bei Audi kürzlich die Projektleitung für werksseitige Motorsportengagements übernommen hat, pflichtet Seebach bei: "Wir haben uns für die Dakar entschieden, weil sie uns die Möglichkeit gibt, alle Teile des Antriebs im eigenen Haus zu entwerfen. Dazu zählt auch die Hochspannungsbatterie, die von Audi entwickelt wird."

Ähnlich kritische Worte zu den Entwicklungsbeschränkungen äußerte zuletzt das BMW-Werksteam, das die Formel E nach der Saison 2021 ebenfalls verlassen wird. Auch die Münchner begründeten ihre Entscheidung mit den beschränkten Technologietransfermöglichkeiten der Formel E, die inzwischen "weitestgehend ausgeschöpft" seien. Statt in ein weiteres elektrisches Motorsportprojekt will BMW künftig jedoch mehr Ressourcen in die Entwicklung von Straßenfahrzeugen investieren.

Audis Konzeption eines Dakar-Prototypen ist hingegen größtenteils abgeschlossen. Erste Testfahrten mit dem Einsatzteam Q Motorsport sind für Mitte des Jahres geplant, um ab 2022 an der Rallye Dakar teilzunehmen. Bei der Offroad-Rallye will die Marke mit den "Vier Ringen" zunächst die für die Formel-E-Saison 2021 entwickelten Motoren (MGU) einsetzen - und das gleich dreifach. "Wir werden je eine MGU an der Vorderachse und an der Hinterachse haben. Eine dritte MGU dient als Generator, um die Batterie während der Fahrt aufzuladen", sagt Roos.

Audi erhält Umweltauszeichnung der FIA

Ende März gab die FIA bekannt, dass sie das Audi-Werk in Neuburg an der Donau mit der "3-Sterne-Umweltakkreditierung" ausgezeichnet habe, die für besonders nachhaltige Praktiken und die Umsetzung ökologischer Standards vergeben wird. Das Prüfsiegel erarbeitete sich Audi Sport unter anderem durch die Verwendung von Ökostrom, die bilanziell CO2-neutrale Produktion des elektrischen Audi e-tron GT und frischwassersparende Kühlsysteme.

In der Formel E ist Audi somit - zumindest für die verbleibenden Rennen dieser Saison - eines von vier Teams mit dem FIA-Umweltsiegel. In den vergangenen Monaten wurden auch Mercedes, Virgin und Mahindra mit der Akkreditierung ausgezeichnet.

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