Formel E

"Es war immer das Ziel, zurückzukommen" - Hinter den Kulissen der ABT-Rückkehr in die Formel E

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

ABT-Schaeffler-Formula-E

Bereits seit mehreren Wochen bahnte sich an, was die Formel E am Donnerstagmorgen bekannt gab: Das deutsche Team ABT Sportsline kehrt 2023 in die Elektroserie zurück! Hinter den Kulissen verhandelte der Rennstall aus dem Allgäu seit Monaten über den Wiedereinstieg. Im Interview gewährt ABT-Entscheidungsträger Thomas Biermaier einen Einblick in die Hintergründe Formel-E-Comebacks - und verrät, ob Publikumsliebling Daniel Abt wieder ins Lenkrad greifen könnte.

Zeitsprung, August 2021. Beim Formel-E-Saisonfinale auf dem ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof stehen der Titelkampf und die drohende Ausstiegsankündigung von Mercedes im Zentrum der Aufmerksamkeit. Durch das kleine Fahrerlager auf dem Vorfeld des Airports, definiert durch den Anblick von nur wenig charmanten Containern und Zelten, schieben sich Mitarbeiter:innen verschiedener Teams, Medienschaffende und einzelne VIP-Gäste von Sponsoren.

Während sich auf der Rennstrecke eines der spannendsten Saisonfinals der noch jungen Formel-E-Geschichte abspielt, können die politisch interessanten Entwicklungen - wie immer in der Elektro-Formel - allerdings hinter den Garagen beobachtet werden. So war etwa Mercedes' Motorsportchef Toto Wolff nach Berlin gereist, um unter anderem die "Bombe" des beschlossenen Ausstiegs aus der Formel E platzen zu lassen.

Ein etwas niedrigeres Profil konnte Harry Unflath, der Marketing-Guru vom deutschen Traditionsteam ABT Sportsline, wahren. 'e-Formel.de' blieb er trotzdem nicht unbemerkt. "Wartet mal ab!", rief er uns im Vorbeigehen zu, als wir ihn nach dem Grund seines Aufenthalts im Fahrerlager fragten. Nun, ein Dreivierteljahr später, ist klar: ABT bereitete schon zu diesem Zeitpunkt mit Nachdruck eine Rückkehr in die Formel E vor.

Comeback seit Monaten geplant: "Alle hatten Sehnsucht"

Aus finanziellen Gründen scheiterte ein Comeback zur der letzten Gen2-Saison zwar. Doch der Wille, in der elektrischen FIA-Weltmeisterschaft anzutreten, ließ nicht nach. Nun, abermals wenige Tage vor dem Berlin E-Prix, verkündete ABT die Rückkehr in die Formel E

"Die Vorbereitungen laufen eigentlich schon seit dem Tag, als Audi die Lizenz zurückgegeben hat", gesteht Thomas Biermaier. Der Geschäftsführer der Allgäuer Firma verrät in einer Medienrunde: "Es war immer unser Ziel, zurück in die Formel E zu kommen. Wir hatten (eine Rückkehr) schon für Saison 8 probiert, was aber nicht geklappt hat. Die letzten zwei, drei Monate waren dann eine sehr heiße Phase."

"Wir haben das erste Rennen in Saudi-Arabien im Fernsehen verfolgt, das erste ohne ABT-Beteiligung in der Formel E. Und am Montag haben Hans-Jürgen (Abt), Harry Unflath und ich uns dann im Unternehmen getroffen und gesagt: Wir müssen irgendwie versuchen, wieder dorthin zurückzukommen. Alle hatten Sehnsucht und ein schlechtes Gefühl, als wir dieses Rennen geschaut haben. Dann sind wir losgelaufen, die Formel E war unser erster Ansprechpartner. Wir wurden von Alejandro Agag, Jamie (Reigle) und Alberto Longo unglaublich aufgenommen und haben gespürt: Da geht was, da können wir weiter Gas geben!"

Zur selben Zeit begann ABTs Suche nach einem Motorenpartner. Denn: ohne Antrieb kein Formel-E-Einsatz. Per Reglement müssen alle eingeschriebenen Hersteller Kundenteams mit Antriebspaketen ausstatten, sofern diese sich vor dem 15. Januar bei den Konstrukteuren bewerben. Diese Frist war zum Zeitpunkt der ABT-Entscheidung aber längst abgelaufen. "Ab dem 15. Januar können Hersteller dich ablehnen", holt Biermaier aus. "Und jeder kennt momentan die Problematik, was Lieferzeiten, Teile- und Rohstoffbeschaffung betrifft."

Gen3-Hersteller bereits gefunden

Im Frühjahr 2022 führte ABT dennoch Verhandlungen mit mehreren möglichen Konstrukteuren, in die engere Auswahl gerieten schließlich "zwei bis drei" Hersteller. Die Entscheidung zum neuen Motorenpartner fiel schließlich vor wenigen Wochen. "Bei der Auswahl spielten mehrere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die Finanzen, die Tiefe der Zusammenarbeit oder die (Arbeits-) Philosophien. Das haben wir alles bewertet und am Ende eine kleine Matrix aufgestellt, bevor wir uns entschieden haben", sagt Biermaier.

Mit welchem Hersteller ABT kooperieren wird, blieb zunächst unklar. Spätestens seit dem Formel-E-Rennen in Rom verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass die indische Mahindra-Mannschaft die Antriebsstränge für ABT bauen wird. Teamchef Dilbagh Gill verriet 'e-Formel.de' kürzlich exklusiv, dass die Inder tatsächlich den Einsatz einer Kundenmannschaft vorbereiten und bezeichnete die ABT-Truppe mit einem Augenzwinkern als "gute Freunde".

Biermaier will routinierten Formel-E-Fahrer: "Das wäre optimal"

Die Ankündigung der "Äbte" hat darüber hinaus frischen Wind auf dem Fahrermarkt der Formel E zur Folge. Schließlich erweitert sich das Grid dank der Allgäuer ab 2023 wieder auf zwölf Teams. Für Biermaier ist bereits jetzt klar, welches Fahrerprofil er sich für die Rückkehr wünscht. "Grundsätzlich ist es von Vorteil, einen Fahrer mit Formel-E-Erfahrung im Cockpit zu haben. Mindestens einen brauchst du auf jeden Fall", erklärt er uns.

"Das Thema Energiemanagement und Lift-and-Coast spielt eine große Rolle. Da braucht man Erfahrungen, um das intelligent umzusetzen. Daher werden wir einen (Fahrer) haben, der diese Erfahrungen mitbringt - und vielleicht auch einen zweiten, das kann gut sein. Das wäre optimal."

Im ABT-Umfeld gibt es mehrere Piloten, denen diese Beschreibung wie auf den Leib geschneidert scheint. In der DTM starten beispielsweise die ehemaligen Formel-E-Fahrer Rene Rast und Nico Müller für ABT. Umfassende Erfahrungen könnte auch Robin Frijns einbringen, der zuletzt 2020 mit ABT in der DTM fuhr und dessen Envision-Vertrag nach der laufenden Saison endet. Auch Lucas di Grassi, aktuell angestellt bei Venturi, könnte wieder eine Option sein.

Comeback von Daniel Abt? - "Ich weiß nicht..."

Und wie steht es um den deutschen Publikumsliebling Daniel Abt? Derzeit arbeitet der 29-Jährige als Experte und Co-Kommentator für den TV-Sender ProSieben, parallel leitet er seine eigene Firma. "Der Daniel hat seinen Rücktritt vor zwei Jahren verkündet", winkt Biermaier ab. "Ich weiß nicht, ob wir ihn noch mal überzeugen können, ins Formel-E-Auto zu steigen!"

Eine finale Entscheidung zur ABT-Fahrerpaarung dürfte spätestens im Herbst fallen, wenn das Team die Vorbereitungen auf die kollektiven Gen3-Testfahrten in Valencia aufnimmt. Klar ist allerdings schon jetzt, mit welcher Motivation ABT den Wiedereinstieg in die Formel E angeht. "Motorsport ist in der DNA von ABT, wir lieben die Rennstrecke", sagt Biermaier.

"Die Emotionen und Leidenschaft der Formel E waren (bei der Entscheidung) ausschlaggebend. Wir waren von Tag 1 an dabei, und das Feuer brennt auch nach sieben, acht Jahren noch. Sie ist unser 'Pflänzchen', das in den nächsten Jahren hoffentlich wieder mehr wachsen wird. Das ist unsere Liebe, das ist einfach wichtig. Deshalb wollten wir wieder dabei sein!"

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2 Kommentare

Derbe_klopp_te ·

Bitte nicht schon wieder den Daniel.
Der hat in dem Auto einfach viel zu wenig gerissen.
Zwar war die Geschichte, wie er sein Cockpit verlor etwas seltsam, aber von der Leitung her hätte man gut schon 2-3 Saisons früher auf ihn verzichten können.
Rene Rast wäre aber mal ein guter Fahrer

HWE ·

Tja, der Daniel, ....so lange er von den Kommentatoren des Fernsehteams als "Formel E Legende" bezeichnet wird, sollte er sich als 2te Reihe Fahrer in dieser "Traumblase der Erinnerung" weiter Sonnen und lieber nicht ins Lenkrad greifen....
Wäre wohl ein tiefer Fall und ein böses Erwachen auf dem Boden der Tatsachen!

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