Formel E

"Es wird Zeit für eine Rennsperre!" - Günther schimpft nach Monaco-Crash über "unsportlichen" Ticktum, der Schuld von sich weist

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Maximilian-Günther-Monaco-Track-Walk

Vor dem Monaco E-Prix 2023 waren die Hoffnungen bei Maximilian Günther groß. In seiner Wahlheimat wollte der Maserati-Fahrer unbedingt an seine Top-10-Erfolge von Berlin anschließen, vielleicht abermals um einen Podiumsplatz kämpfen. Doch im Positionskampf geriet Günther mit Dan Ticktum (Nio 333) aneinander und schied aus dem Rennen aus. Nach dem E-Prix sitzt der Frust tief.

Wie nah Erfolg und Misserfolg im Motorsport beieinanderliegen, lernte Maximilian Günther schon in seinen ersten Jahren im Rennsport. Einen weiteren Beweis dafür, wie schnell ein Rennen beendet sein kann, bekam der deutsche Rennfahrer beim Monaco E-Prix geliefert: Nach einem kurzen Zweikampf mit Dan Ticktum (Nio 333) geriet er mit seinem britischen Rivalen aneinander, schlug in die Streckenbegrenzung ein und rollte wenige Meter später mit einem schwer beschädigten Wagen aus.

"Klar, der Frust ist groß", sagt Günther gegenüber 'e-Formel.de'. "Es ist wahrscheinlich besser, wenn ich weniger dazu sage, aber es ist einfach tiefst unsportlich. Das passiert nicht zum ersten Mal. Man muss immer sehr vorsichtig sein, wenn man den Kollegen (Ticktum) in der Nähe hat. Für mich ist das absolut unsportlich, wenn man ein beschädigtes Auto hat, überholt wird, der Gegner die Nase schon daneben hat und man dann rüber zieht. Das ist inakzeptabel."

FIA bestraft Ticktum nicht: "Er wird es immer wieder machen!"

Ticktum wurde für den Zwischenfall nicht bestraft: Die Rennkommissare bewerteten die Szene als Rennunfall. Günther findet das "nicht gerechtfertigt", sagt er. "Es ist aber auch nicht meine Rolle, dagegen auszuteilen. Es ist nur schade, weil er es somit immer wieder machen wird." Deutlich heftiger teilte er gegen seinen Rivalen kurz vorher am Teamfunk aus, den Fans über die Formel-E-App öffentlich mithören können. Dort forderte der Maserati-Fahrer gar von der FIA: "Es ist immer das gleiche mit ihm! Es wird Zeit, dass sie ihn für Rennen sperren."

In der Tat ist Ticktum der Fahrer in der Formel E, der in den vergangenen Monaten die meisten Strafpunkte ansammelte. Derzeit (Stand: 06. Mai 2023) steht er bei acht Strafzählern - ab dem zwölften wird er automatisch für einen E-Prix gesperrt.

In den vergangenen Wochen geriet Ticktum immer wieder mit anderen Rennfahrern aneinander. In Hyderabad kollidierte er mehr oder weniger unverschuldet mit Jake Hughes, in Sao Paulo fuhr er Jake Dennis auf, in Berlin zog er der Ärger von Stoffel Vandoorne auf sich. Und nun die nächste Kollision, dieses Mal mit Günther.

Ticktum beteuert: "Er fuhr mir einfach hinten drauf"

Ticktum selbst sah sich nach dem Rennen nicht für den Unfall schuldig und teilte die Meinung der FIA. "Das Feld staute sich in der Rascasse-Kurve auf. Dabei lief ich Fenestraz", stellt der Brite seine Sicht im TV-Weltsignal-Interview dar. Zwar kollidierte er nicht mit Fenestraz, sondern mit dessen Teamkollegen Nato. Doch das ändert Ticktums Meinung nicht: "Schon allein, wenn man gegen den Frontflügel atmet, bricht das Ding ab. Deswegen war es keine Überraschung, dass auch beim Kontakt mein Flügel vorne rechts kaputt ging."

"Das Trümmerteil rieb dann am Rad, weswegen ich langsamer fuhr und mich in der Bergauf-Passage eher auf der rechten Seite hielt. Ich weiß nicht, ob Günther in die Spiegel schaute oder nach anderen Fahrern Ausschau hielt. Aber er ist mir einfach hinten drauf gefahren. Es war nicht so, dass er für ein Überholmanöver ansetzte: Er fuhr einfach hinten rein. Ich wüsste nicht, wie man da keinen Rennunfall sehen könnte!"

Wie gut Günther und Ticktum beim nächsten gemeinsamen Mal auf der Rennstrecke harmonieren, bleibt vorerst abzuwarten. Das nächste Aufeinandertreffen in der Formel E steht in rund vier Wochen beim Jakarta E-Prix am 3./4. Juni 2023 an.

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