Formel E

Ex-Meister Vergne trotz WM-Platz 5 nach London E-Prix enttäuscht: "Noch nie so eine Demütigung erlebt!"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Jean-Eric-Vergne-Somber-London

Obwohl er die Formel-E-Saison 2023 auf dem fünften Platz in der Fahrerwertung abschloss, ist Jean-Eric Vergne über den Verlauf des Jahres mit DS Penske enttäuscht. Im finalen Rennen der Saison testete sein Team "unfahrbare" Reifendrücke aus, die den Franzosen zur Weißglut brachten. Vergne appelliert für das nächste Jahr, weniger Fehler zu machen - und ihm weitere "Demütigungen" zu ersparen.

Seit der Abschaffung des Fahrzeugswechsels zur Rennmitte gibt es Boxenstopps in der Formel E nur noch ausgesprochen selten. Ein Wechsel der Reifen ist nicht vorgesehen, zumal die fast unkaputtbaren, von Hankook entwickelten Pneus die robustesten Reifen der Formel-E-Geschichte sein dürften. Doch für alles gibt es ein erstes Mal.

Im Rahmen des London E-Prix steuerte Jean-Eric Vergne die Boxengasse für einen Reifentausch an. Der womöglich erste strategische Reifenwechsel der Formel-E-Historie hatte allerdings keineswegs Verschleiß zum Grund, wie der Franzose gegenüber e-Formel.de verrät: "Mein Team hat beschlossen, neue Reifendrücke zu testen. Die waren absolut unfahrbar."

Reifendrücke bringen Vergne zur Weißglut: "Ein verdammter Alptraum"

Die Anpassung am Druck nahm DS Penske während einer der roten Flaggen im regnerischen Sonntagsrennen vor. "Ich war im Nirgendwo und so viel langsamer, dass ich zur Gefahr für die anderen Fahrer wurde. Sie schoben mich aus den Kurven, und ich konnte kaum beschleunigen. Das war ein verdammter Alptraum."

Beim Wechsel auf Reifen mit besser an den Regen angepassten Drücken tauschte das Team nur die Hinterräder aus. Für einen vollständigen Service genügte die Zeit nicht - andernfalls wäre Vergne vom Führenden Nick Cassidy überrundet worden und hätte bei einem späten Safety-Car keine Gelegenheit gehabt, die verlorene Rennrunde aufzuholen.

"Es war wie Tag und Nacht", sagt er über den Reifenwechsel, "plötzlich kam ich wieder aus den Kurven. Weil ich aber immer noch dieselben Vorderreifen hatte, bekam ich in den Kurven massives Untersteuern. Es war also immer noch unfahrbar, auch wenn die Traktion viel besser war."

"Zu diesem Zeitpunkt wartete ich nur noch darauf, dass dieses Leid ein Ende findet. Ich habe so ein Rennen und so eine Demütigung noch nie erlebt. Ich bin echt angepisst, dafür habe ich keine Worte", so Vergne.

Vergne appelliert an DS Penske, weniger Fehler zu machen

Für das Reifendruck-Debakel hat er selbst keine Erklärung. "Ab einem gewissen Punkt können wir diese Fehler als Team nicht mehr machen. Ich verstehe nicht, warum wir etwas, das so weit außerhalb des Arbeitsfensters liegt, in einem Rennen probieren. Wir gewinnen und verlieren als Team, aber ich war im Regen immer ein guter Fahrer. So gedemütigt zu werden, passt mir nicht. Es ist sehr schmerzhaft, und ich bin dankbar, dass es jetzt vorbei ist." Dabei meint er wohl auch die Saison, die er trotz eines Rennsiegs in Hyderabad enttäuscht beendete.

"Ich weiß gar nicht, wie ich Fünfter (in der Gesamtwertung) geworden bin. Wir müssen uns verbessern, denn aktuell sind wir nicht gut genug. Ich werde alles in meiner Macht Stehende versuchen, um Lösungen für ein besseres nächstes Jahr zu finden", kündigt Vergne an.

In der Saisonpause werde er sich zunächst Zeit für sich nehmen. "Ich werde im Süden Frankreichs für einen Monat abtauchen und nicht existieren. Es wird mir guttun, eine Pause zu bekommen", sagt er. Spätestens im September beginnt jedoch wieder seine Vorbereitung auf die Saison 2024. Dann will er mit DS Penske angreifen - bestenfalls auch mit korrekten Reifendrücken und ohne unplanmäßige Boxenstopps.

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