Formel E

EXKLUSIV-Einblicke: Hinter den Kulissen von Formulino E (2/2)

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Das Medienecho war groß, als im vergangenen März auf der EEVC-Messe in Genf die erste Version des Formulino-E-Rennwagens vorgestellt wurde. Der Traum: die erste vollkommen elektrische Nachwuchs-Rennserie der Welt zu etablieren. Doch seit der Vorstellung auf dem Autokongress und einigen Testfahrten im belgischen Zolder wurde es ruhig um die Juniorenserie. Was ist passiert? Nach mehr als einem halben Jahr hat 'e-Formel.de' erstmals Einblicke hinter die Kulissen von Formulino E bekommen. Dies ist der zweite Teil unserer großen Exklusiv-Reportage (zu Teil 1).

(…) Seit mehr als einem Jahr arbeitet Punch Powertrain mit Hochdruck am Antriebsstrang für die Serie, die eines Tages zum Sprungbrett für die Formel E werden will. Das Chassis stammt aus der deutschen ADAC Formel Masters, Punch Powertrain baut den Antrieb inklusive Batterie.

Diese liegt, ähnlich wie auch in der Formel E, unter der Motorabdeckung hinter dem Fahrer. Warum das verwunderlich ist, liegt auf der Hand: Wenn die ersten Formulino-E-Rennen stattfinden, werden die Fahrer nach 20 Minuten nicht das Fahrzeug, sondern ihre 15-kWh-Batterie wechseln müssen. Im Motorsport einzigartig.

Batteriewechsel in weniger als einer Minute

"Wie passt das mit den hohen Sicherheitsstandards im Motorsport zusammen?", frage ich verwundert. Gert-Jan Vogelaar, Pressesprecher von Punch Powertrain, schmunzelt: "Ja, tatsächlich wechseln wir in unter einer Minute die gesamte Batterie aus. Unser Antriebsstrang vereint den Elektromotor und die Kontrollelektronik in einer kompakten Einheit unter einer Aluminium-Hülle, sodass den Antrieb nur zwei Kabel mit der Batterie verbinden. Eines ist für die Kommunikation mit der Batterie vorgesehen, das andere, unser Hochspannungskabel, liefert die Energie für den Motor."

Der Antrieb und die Batterie sind mit einer einfachen mechanischen Verbindung miteinander verkuppelt, die sich in nur wenigen Sekunden öffnen lässt. "Für uns gelten keine Sicherheitsstandards der FIA, weil es noch keine gibt. Der Fokus der FIA lag bisher auf der Formel E, wo die Batterie nicht gewechselt wird", erklärt Vogelaar. "Wir kooperieren aber mit den nationalen Sportbehörden und der FIA, um unsere durchaus sichere Lösung abgenommen zu bekommen." Dann könnte Formulino E in den exklusiven Kreis der FIA-Serien aufgenommen werden.

Mit 120 kW liefert der aktuelle Antriebsstrang knapp 107 PS weniger an die Räder, als es ein moderner Formel-E-Motor tut. Doch das Defizit ist nur eine Momentaufnahme. Während die Formel E den maximalen Output des Motors für die anstehende vierte Saison nur zögerlich auf 180 kW während des Rennens erhöht hat, bekommt die Formulino E schon bald ein Power-Upgrade für bis zu 200 kW.

"Unser Prototyp schafft tatsächlich nur 120 kW, aber wir arbeiten bereits am Fine-Tuning für die zweite Generation des Antriebs. Die Leistung, die Größe und auch der Sound des Motors werden optimiert. Man darf nicht vergessen, dass wir noch früh in der Entwicklung unseres Fahrzeugs sind."

Ein gemeinsamer Weg in die Zukunft?

Eines Tages, so munkelt man, könnte Formulino E sogar im Rahmen der Formel-E-Rennen seine Events austragen. "Wie die Formel 2 für die Formel 1", beschrieb Lucas di Grassi die E-Serie einst bei 'Autosport'. Und in der Tat könnte bereits ein Kontakt zwischen Formulino E und dem großen Bruder bestehen. Ein offizielles Wort zu einer eventuellen Partnerschaft gibt es noch nicht: "Wie gesagt, es ist noch sehr früh. Wir arbeiten erst an unserem Konzept, dann schauen wir weiter", versucht Vogelaar zu beschwichtigen. Auch einen Mini-ePrix im Rahmen der Electric GT schließt er nicht aus.

Laufen die Formulino E und die Formel E bald Hand in Hand in eine "grüne" Zukunft? Wer weiß? Monatlich gehen mehrere Bewerbungen von internationalen Topfahrern bei der Formel-E-Zentrale in London ein. Die junge "Königsklasse" des Elektro-Motorsports hat ein Fahrer-Luxusproblem. Um erste Erfahrungen in den anspruchsvollen Elektro-Boliden zu sammeln, könnte Formulino E ein ideales Pflaster für Nachwuchsfahrer sein. "Wir waren überwältigt davon, wie viele junge Rennfahrer sich bei uns gemeldet haben", bestätigt mir Vogelaar zum Abschied. "Das Interesse an elektrischem Rennsport ist definitiv da."

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