Formel E

EXKLUSIV-Einblicke: Hinter den Kulissen von Formulino E (1/2)

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Das Medienecho war groß, als im vergangenen März auf der EEVC-Messe in Genf die erste Version des Formulino-E-Rennwagens vorgestellt wurde. Der Traum: die erste vollkommen elektrische Nachwuchs-Rennserie der Welt zu etablieren. Doch seit der Vorstellung auf dem Autokongress und einigen Testfahrten im belgischen Zolder wurde es ruhig um die Juniorenserie. Was ist passiert? Nach mehr als einem halben Jahr hat 'e-Formel.de' erstmals exklusive Einblicke hinter die Kulissen von Formulino E bekommen. Eine Reportage.

Es ist der 15. März 2017. Der Himmel über Genf ist bedeckt, das Thermometer kämpft mit den 15 Grad Celsius. Das PALEXO-Messegelände, wo gerade der alljährliche Genfer Autosalon stattfindet, gehört heute den E-Mobilisten. Drei Tage lang stellen Hersteller aus ganz Europa ihre Hybride, Brennstoffzellen-Autos und Elektrofahrzeuge aus. Beim "European Battery, Hybrid & Fuel Cell Electric Vehicle Congress", oder einfach nur EEVC, präsentiert sich alles, was Rang und Namen hat.

Das Mikrofon geht an, man hört ein Räuspern

Durch das Getümmel schiebt sich Saphir Faid. Jahrgang '82, Familienvater, Brillenträger, geboren in Montreal, inzwischen nach Belgien ausgewandert. Vor zwei Jahren reiste er zur "Solar Challenge" für Elektroautos mit Solar-Dach nach Abu Dhabi, traf dort den Kronprinzen und den Präsidenten von Island. Sein Team, Punch Powertrain, gewann die Rallye durch die Wüste.

Faid, der fast drei Jahre lang Elektromaschinenbau an der Uni in Leuven lehrte, ist heute besonders gut gelaunt. Nach mehr als dreieinhalb Jahren wird heute sein neues Großprojekt vorgestellt: der erste elektrische Formel-Rennwagen für Nachwuchsfahrer. Zu ihm gesellen sich Jos Claes, Ingenieur von Dallara, und Miguel Dhaens aus dem Management-Team des Projekts, auf die Bühne.

Die ersten Gäste kommen aus der anderthalbstündigen Mittagspause, langsam füllen sich die Plätze. "Von der Straße in den Rennsport und zurück" heißt die Veranstaltung. Später reden im selben Rahmen Vertreter der Formula Student und Electric GT. Auch der Formel-E-Sportdirektor Benoit Dupont wird einen Vortrag halten.

Das Mikrofon geht an, man hört ein Räuspern, Faid beginnt seinen Vortrag, wird von den Kollegen unterstützt. Dann ist es soweit: Das Tuch, das das Auto bis hierhin bedeckte, wird entfernt. Das Blitzlichtgewitter beginnt. Endlich. Faid fällt sichtlich ein Stein vom Herzen. Wenig später geht der Medientrubel los, ein YouTube-Clip wird online gestellt. Verantwortliche werden interviewt, Artikel veröffentlicht.

Dann geht es zurück ins Getümmel.

Hohe Ansprüche, kleiner Rahmen

"Wir wollen ein Sprungbrett für professionelle elektrische Formelserien werden", erklärt mir exklusiv Gert-Jan Vogelaar, Pressesprecher der Firma Punch Powertrain, die für den Antriebsstrang des Formulino-Autos verantwortlich ist. Besonders für Rennsport-Schulen könnte das Auto genutzt werden. Wann sollen diese Ziele erreicht werden? "Allerspätestens in fünf Jahren", heißt es.

"Vor knapp vier Jahren haben wir mit dem Konzept begonnen und nach ersten Unterstützern gesucht", sagt Vogelaar weiter. "Im September 2016 wurde dann die Absichtserklärung mit allen technologischen Partnern unterzeichnet." Seither arbeitete Punch Powertrain mit Hochdruck am Formulino-Elektrorenner. Das Chassis stammt aus der deutschen ADAC Formel Masters, Punch baut den Antrieb inklusive Batterie.

Diese liegt, ähnlich wie auch in der Formel E, unter der Motorabdeckung hinter dem Fahrer. Warum das verwunderlich ist, liegt auf der Hand: Wenn die ersten Formulino-E-Rennen stattfinden, werden die Fahrer nach 20 Minuten nicht das Fahrzeug, sondern ihre 15-kWh-Batterie wechseln müssen…

Teil 2 unserer XXL-Reportage über die Formulino E erscheint am Donnerstag auf 'e-Formel.de'.

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