Formel E

Exklusiv-Interview mit Hans-Jürgen Abt: “Total happy mit Eurosport”

Timo Pape

Timo Pape

Boxenstopp in Hockenheim. Hans-Jürgen Abt tritt mit seinen beiden DTM-Teams zum Saisonfinale auf dem Formel-1-Kurs an. Für uns die passende Gelegenheit, sich mit dem 52-jährigen Teamchef des ABT Schaeffler Audi Sport Teams vor dem Saisonauftakt der Formel E in Peking zu unterhalten. Mit dem Schritt in die Elektrorennserie leistet der 52-Jährige Pionierarbeit in Deutschland.

Herr Abt, welche Teams werden ihre schärsten Konkurrenten in der neuen Saison ?

Wenn wir von der Premierensaison ausgehen, dann sind die e.Dams-Leute mit Renault im Rücken sehr, sehr stark engagiert. Wir stellen uns aber gerne der Herausforderung. Es wird eine ganz spannende Saison. Wir wissen alle noch gar nicht, wo wir stehen und wie wir aufgestellt sind. Da müssen wir ganz ehrlich sein. Meine Mannschaft ist jedenfalls hochmotiviert. Die Teams NextEV TCR, Dragon Racing, DS Virgin Racing und Venturi, die alle ein ähnliches Konzept verfolgen wie wir, zählen zum engeren Favoritenkreis. In China sehen wir erst die wirkliche Performance.

Welche Location hat Ihnen in der Premierensaison am Besten gefallen ?

Ich war von vielen Locations positiv überrascht. In Punta del Este (Uruquay) war eine super Atmosphäre. Auch Buenos Aires war ganz hervorragend. London war nicht schlecht, wobei dort die Überholmöglichkeiten etwas schwierig waren. Miami und Long Beach haben wir auch sehr gut gefallen. Ich freue mich aber auch, wenn neue Locations in der Zukunft hinzukommen. Der Veranstalter ist mit den Austragungsorten gut aufgestellt. Wir fahren in Weltstädten, in Metropolen. Das ist alles sehr positiv. Generell bin ich gern in jeder Stadt, wo etwas los ist. Das ist einfach interessant. Frankreich gehört hier sicherlich dazu. Mich freut es, nächstes Jahr nach Paris zu kommen. Paris ist eine Weltstadt.

Finden Sie es schade, dass Miami nicht mehr im Terminkalender auftaucht. Dort feierte ihr Sohn Daniel mit Platz Drei seinen bisher größten Erfolg in der Formel E ?

Ja, sicherlich ist es ein bisschen schade. Es war eine tolle Location, wir haben das alle sehr genossen. Ich wäre gern wieder nach Florida gefahren, es war schon etwas besonderes. Die neu hinzugekommenen Locations kompensieren es. Wir sind sehr zufrieden, dass wir so tolle und spannende Rennen haben.

Die spannenden Rennen können ab der neuen Saison via Eurosport live und unverschlüsselt in Deutschland verfolgt werden. Was sagen Sie zu dem TV-Deal ?

Ich bin sehr happy über den Deal. Eurosport ist ein guter Sender, der jedenfalls überall empfangbar ist. Mit Sky verlief das in der ersten Saison nicht ganz optimal. Eurosport ist jedenfalls sehr motiviert. Für uns ist es wichtig, dass die Rennen frei empfangbar sind. Das bringt mehr Quote und Zuschauer. Wir wissen noch nicht genau, wer es kommentiert, aber es ist auf alle Fälle eine Wertsteigerung für die Serie. Wir werden unseren Teil dazu beitragen, um uns dort ordentlich zu präsentieren.

Wie zufrieden sind Sie mit dem deutschen Medienecho über das Abt Schaeffler Audi Sport Team in der Formel E?

Im Großen und Ganzen können wir sehr zufrieden sein. Es wird berichtet, die Menschen wissen Bescheid. Im Medienbereich sind wir ganz gut aufgestellt. Wir versuchen alle Themen und Fragen zu beantworten. Wichtig ist, dass wir die Leute auf das Thema Elektromobilität hinführen. Man hat gesehen, dass es mit Elektroautos tolle Rennen gibt. Es waren oft sehr, sehr enge Rennen. Die Medien müssen es abarbeiten und pflegen und den Leuten näherbringen. Es ist ein normales Produkt wie jede andere Sportart. Es besteht jedenfalls großes Interesse, das ist alles sehr erfreulich. Auch e-Formel.de berichtet sehr sauber und ordentlich darüber. Wir lesen das alles und verfolgen es auf Twitter. Das funktioniert ganz hervorragend.

Kommen wir zu den Regeländerungen der Formel E für die zweite Saison. Was halten Sie vom neuen Qualifying-Format mit dem Shootout?

Wir kennen das aus früheren Jahren in der DTM, da haben wir die Super Pole mit zehn Fahrern ausgetragen. Die Änderung macht Sinn, die Piloten sind alleine auf der Strecke und können ihre Fähigkeiten zeigen. Die schnellsten fünf Piloten betteln dann um die Pole Position. Ich glaube schon, dass es eine Wertsteigerung ist.
Für die Fernsehzuschauer ist es vielleicht attraktiver als für die Zuschauer vor Ort, da sie mehrere Autos gleichzeitig auf der Strecke sehen. Ein Versuch ist es auf alle Fälle wert.

Wie gefällt Ihnen die neuen FanBoost-Regeln?

Ich bin persönlich noch nicht 100 Prozent davon überzeugt. Man sieht zwar immer viele Menschen aus aller Herren Länder, die da mitstimmen. Wie viele Leute da mitmachen und wie der FanBoost zu kontrollieren ist, bleibt unbeantwortet. Es wird zwar versichert, dass man nur jeweils eine Stimme abgeben kann, ich weiß aber nicht, ob das alles Menschen oder Maschinen sind. Ich kann die IP-Adressen nicht selbst überprüfen, ob das alles immer so ordentlich abläuft. Ich persönlich lege keinen allzu großen Wert auf das Thema FanBoost. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärke, da wir keinen Einfluss auf den FanBoost haben.

Wir haben bestimmt viele Fans, aber für den FanBoost hat es nie gereicht. Wir waren ein paar Mal knapp davor. Es gewannen bisher immer die gleichen Fahrer. Vielleicht müssen sich die Organisatoren für die Zukunft Gedanken machen, dass ein Fahrer, der schon einmal den FanBoost gewonnen hat, nicht jedes Rennwochenende die Zusatzleistung bekommen kann. Dann hätten auch die anderen Fahrer bessere Chancen. Wenn die echten Fans für Ihren Fahrer voten, dann steh ich voll dahinter. Wenn es nur zum Performance-Vorteil genutzt wird, bin ich dagegen.

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