FIA erweitert Technisches Reglement der Formel E in Gen4-Ära um "markenkulturelle Dekorationselemente"
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Der Automobil-Weltverband FIA hat eine neue Fassung des Technischen Regelwerks für die Gen4-Ära der Formel E veröffentlicht: Hersteller dürfen sogenannte markenkulturelle Dekorationselemente an ihren Elektrorennwagen anbauen. Diese dürfen jedoch keine technischen Vorteile mit sich bringen; vielmehr geht es darum, die Identifikation der Fans mit den Gen4-Boliden der Hersteller zu erhöhen.
Ein neuer Artikel 4.15 des Technischen Reglements mit dem Titel "Historisch tradierte, markenkulturell konnotierte Dekorationselemente" wurde ergänzt. Dieser erlaubt den Herstellern, die ansonsten einheitliche Karosserie der neuen Fahrzeuge um Elemente zu ergänzen, die in der Vergangenheit typisch für eine Marke waren oder es bis heute sind.
Big news from @FIAFormulaE: The @FIA has published an updated #Gen4 technical regulation set - including a brand-new Article 4.15 on "Historically traditional, brand-culturally connoted decorative elements".
— Tobias Wirtz (@tobiw_apex) April 1, 2026
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"Historisch tradierte, markenkulturell konnotierte Dekorationselemente dürfen an Fahrzeugen angebracht werden, sofern sie ausschließlich symbolischen, repräsentativen oder traditionspflegerischen Zwecken dienen, einschließlich solcher Traditionen, deren Bestand eher auf tief verankerter kollektiver Überzeugung als auf einer klar bestimmbaren technischen Notwendigkeit beruht", so der Wortlaut der Ergänzung.
Und weiter: "Solche Elemente gelten nicht als unzulässige Modifikation, sofern sie weder tatsächlich noch nach vernünftiger technischer Würdigung geeignet sind, die Sicherheit der Fahrer, des Teampersonals, von Sportwarten oder Offiziellen, von VIP-Gästen sowie von Zuschauern, Medienvertretern oder sonstigen im Veranstaltungsbereich anwesenden Personen zu beeinflussen. Der Hersteller hat der FIA spätestens 30 Tage vor dem ersten Einsatz eines solchen Dekorationselements CFD-Unterlagen vorzulegen, aus denen hervorgeht, dass kein direkter oder indirekter aerodynamischer Vorteil entsteht."
"Der Technische Delegierte und die Rennkommissare sind jederzeit berechtigt, die Verwendung eines solchen Dekorationselements zu untersagen oder dessen unverzügliche Entfernung anzuordnen, sofern der Verdacht besteht, dass dieses über einen rein dekorativen Zweck hinausgeht oder sich in einer mit seiner traditionspflegerischen Bestimmung nur schwer vereinbaren Weise wie ein tatsächliches Bauteil zu verhalten beginnt."
Alte Idee aus der Gen2-Zeit kehrt zurück
Die Idee hinter der Erweiterung des Regelwerks ist dabei nicht neu: Bereits in der Gen2-Ära plante die FIA eine ähnliche Ergänzung des Technischen Reglements. Diese wurde jedoch, genau wie das Gen2-Evo-Update, aus Kostengründen im Zuge der Covid-19-Pandemie gestrichen. Treibende Kraft hinter der Änderung soll Mercedes gewesen sein: Das damalige Werksteam aus Stuttgart wollte mit einem Mercedes-Stern an der Front fahren. Aus Mercedes-Kreisen heißt es, die Streichung dieser Regelung sei der wahre Grund für den Formel-E-Ausstieg nach Saison 8 gewesen.
Jaguar plant aktuell, den Leaper - die traditionelle Kühlerfigur der Marke in Form einer springenden Raubkatze - auf seinen Gen4-Fahrzeugen anzubringen. Den eigentlichen Ausschlag für die Erweiterung des Reglements gab nach Informationen von e-Formel.de allerdings eine andere Marke: Formel-E-Neueinsteiger Opel.
Der nächste Formel-E-Knaller: Opel will mit Fuchsschwanz starten
Das Opel GSE Formula E Team will die Identifikation seiner Fans mit dem Werkseinsatz in der Elektroserie stärken, indem die Gen4-Boliden des Teams mit einem Fuchsschwanz an den Start gehen. Das in den 1980er Jahren verbreitete Auto-Accessoire galt insbesondere bei Opel-Manta-Fahrern als typisch und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem inoffiziellen Erkennungszeichen - zunächst der Szene, später des Klischees und schließlich, in einer für die deutsche Automobilkultur durchaus charakteristischen Wendung, zu einem Symbol von mitunter größerer öffentlicher Wirkung als die offizielle Markenkommunikation selbst.
Nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts argumentierte Opel gegenüber der FIA, dass es sich dabei keineswegs um einen bloßen Gag handle. Vielmehr sei der Fuchsschwanz als traditionsbezogener Marker zu verstehen, der wie kaum ein anderes Objekt für jene Markenwahrnehmung stehe, die den Mythos Opel über Jahrzehnte mitgeprägt habe.
Innerhalb der FIA soll vor allem die Frage diskutiert worden sein, ob ein solches Element unter Umständen doch eine technische Wirkung entfalten könnte. Insbesondere die Sorge, es könne sich bei höheren Geschwindigkeiten um eine flexible, nur vordergründig folkloristische, tatsächlich aber strömungsrelevante Zusatzstruktur handeln, habe eine eingehende Prüfung ausgelöst. Opel habe daraufhin zugesichert, den vorgeschriebenen Nachweis der vollständigen aerodynamischen Wirkungslosigkeit zu erbringen - und damit sinngemäß zu belegen, dass ein Fuchsschwanz zwar kulturell erheblich, physikalisch aber erfreulich begrenzt wirksam ist.
Sollte das Konzept umgesetzt werden, wäre Opel die erste Marke in der Geschichte der elektrischen Weltmeisterschaft, die den Nachweis erbringt, dass sich technische Regeltreue, markenkulturelle Identitätspflege und ein an der Karosserie befestigtes Fellobjekt nicht zwingend gegenseitig ausschließen.
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