Formel E

Formel-E-Finanzbericht 2022: Umsätze & Publikum wachsen erneut, doch "Vancouver-Stachel" sitzt tief

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Porsche-Dragon-Formula-E-Seoul

Nachdem die Formel E im Jahr 2021 noch damit beschäftigt war, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzufedern, hat die Elektroserie inzwischen wieder begonnen, in ihre geschäftliche Zukunft zu investieren. In ihrem jährlichen Finanzbericht für das Jahr bis zum 30. September 2022 vermerkte die "Formula E Operations" (FEO) höhere Verluste als zuvor, knackte aber gleichzeitig ihren Umsatzrekord: 181 Mio. Euro nahm die Meisterschaft in ihrer achten Saison ein.

Wie bei in Großbritannien registrierten Firmen üblich sind die Geschäftsberichte der Formel E öffentlich einsehbar. 2020 hatte die Serie das Ende ihres Geschäftsjahres um zwei Monate auf den 30. September verschoben - seither umfassen die Berichte stets eine vollständige Rennsaison, die üblicherweise von Januar bis Juli/August eines Kalenderjahres geht. Die Aussagekraft von Vergleichen mit vorausgegangenen Geschäftsberichten ist durch den Wechsel allerdings eingeschränkt.

2022 veranstaltete die Formel E abermals mehr E-Prix als in allen vorausgegangenen Saisons: 16 Rennen fanden an zehn verschiedenen Austragungsorten statt. Somit überrascht es wenig, dass die Umsätze (mehr Rennen = mehr Sponsorengelder) und Verluste (höhere Reisekosten u. a.) stiegen. Insgesamt nahm die Serie 181,5 Mio. Euro ein (2021: 168,7 Mio. Euro). Der Verlust betrug rund 15,2 Mio. Euro (2021: 12,6 Mio. Euro). Diese Zahlen beziehen sich wohlgemerkt auf die vorvergangene Saison (Saison 8), die im August 2022 mit dem Seoul E-Prix endete.

Jahr Umsatz Verlust Defizit (kumuliert)* Live-Publikum TV-Publikum
2013 0 EUR 0,23 Mio. EUR 0,23 Mio. EUR k. A. k. A.
2014 1,43 Mio. EUR 6,78 Mio. EUR 7,03 Mio. EUR k. A. k. A.
2015 20,99 Mio. EUR 62,18 Mio. EUR 70,08 Mio. EUR k. A. k. A.
2016 56,60 Mio. EUR 35,29 Mio. EUR 107,17 Mio. EUR 270.000 192 Mio.
2017 94,47 Mio. EUR 20,79 Mio. EUR 127,96 Mio. EUR 220.000 223 Mio.
2018 133,44 Mio. EUR 26,41 Mio. EUR 154,37 Mio. EUR 368.000 330 Mio.
2019 161,53 Mio. EUR 10,56 Mio. EUR 164,94 Mio. EUR 400.000 411 Mio.
2020 142,84 Mio. EUR 0,06 Mio. EUR 164,99 Mio. EUR k. A. 239 Mio.**
2021 168,72 Mio. EUR 12,58 Mio. EUR 177,58 Mio. EUR k. A. 316 Mio.
2022 181,45 Mio. EUR 65,00 Mio. EUR 242,58 Mio. EUR k. A. 381 Mio.

* Abweichungen aufgrund von Wechselkursen möglich
** inoffizielle Angabe

Rennlizenzen spülten rund 100 Mio. Euro in Formel-E-Kassen

Wie schon 2021 machte die Organisation von Rennveranstaltungen den größten Teil der Ausgaben aus: Rund die Hälfte aller Investitionen flossen (oft über die Tochterfirma Formula E Race Operations - FERO) in die Events von Saison 8. Zugleich waren die Rennveranstaltungen aber auch die wichtigste Einnahmequelle für die FEO, denn über die Vergabe von Rennlizenzen und Promoter-Verträgen generierte sie rund 55 Prozent ihres Gewinns (99,8 Mio. Euro, 2021: 100,9 Mio. Euro).

Schwer von diesem Gewinn zu trennen sind die nicht aus Konzernverrechnungen generierten Einnahmen der FERO. Denn die Tochtergesellschaft nahm aus Promotion, Sponsoring, Dienstleistungen und anderen Quellen ihrerseits 22,3 Mio. Euro ein. Diese gehören ebenfalls zum Formel-E-Kosmos, fließen aber nicht in den FEO-Finanzbericht ein. Das macht es schwer, die finanzielle Entwicklung der beiden Firmen exakt nachzuvollziehen.

TV- & Social-Media-Publikum wachsen

Ein guter Indikator des Serienwachsums ist hingegen die Entwicklung des Fernsehpublikums: Laut Angaben der Formel E erreichten die Rennen weltweit 381 Mio. TV-Zuschauer:innen - ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zur Saison 2021 (zu den Zahlen für Deutschland). Die weltweite Social-Media-Fanbasis wuchs um 15 Prozent auf kumuliert 5,0 Mio. Follower:innen. Die Abrufzahl von Online-Videos stieg auf 189 Mio. (2021: 126 Mio. Aufrufe).

"Als Hauptrisiko für die Firma sehen die Direktoren die Entstehung einer ähnlichen Elektroauto-Rennserie, die das Interesse von Sponsoren und des Publikums begrenzen können", schreibt die Geschäftsleitung in ihrer eigenen Einschätzung des Jahresberichts. Schon in den vergangenen Jahren wurde dies als größte Gefahr für die Formel E identifiziert. Da die ETCR und Electric GT aber mit Startproblemen kämpfen, sei dieses Risiko derzeit "teilweise abgewendet."

Vancouver-Wiederholung ein Hauptrisiko für Formel-E-Wachstum

Die Geschäftsführer der Formel E, seit Juni 2023 unter der Leitung von Jeff Dodds, sorgen sich zudem um die Kalenderstabilität. "Straßenrennen zu organisieren, bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich", heißt es, "aber sie sind Teil der DNA der Serie. Deshalb sind wir bestrebt, effektive Stadt-/Promoter-Abkommen zu schließen."

"Enge Zusammenarbeit und gutes Management sind entscheidend, um Vancouver nicht zu wiederholen, wo das Event in letzter Minute abgesagt wurde, weil der Promoter nicht rechtzeitig alle lokalen Lizenzen und Erlaubnisse erhalten hatte", schreibt die Formel E. Ganz offenbar sitzt der Stachel vom Debakel um die Elektro-Rückkehr nach Kanada auch bei den Bossen der Meisterschaft tief.

Der vollständige Finanzbericht der FEO und FERO ist in englischer Sprache online abrufbar.

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