Formel E

#FlashbackFriday: Das Team, das niemals war…

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Beinahe hätte es 2014 mit dem Formel-E-Einstieg geklappt, dann platzten die Träume vom britischen Unternehmer Lord Paul Drayson unerwartet. Die Geschichte seines Teams, das im Januar 2013 als erster Rennstall Interesse an der Formel E bekundete, gerät in immer mehr Vergessenheit. In unserer Rubrik #FlashbackFriday erzählen wir - ausnahmsweise nicht als Kurzmeldung, sondern als Artikel - die Story vom Aufstieg und Fall des Teams, das niemals war.

Für Lord Drayson, den ehemaligen britischen Wirtschaftsminister, begann das Abenteuer Formel E am 1. August 2012 - an dem Tag, an dem die Formel E der Welt als offizielle FIA-Serie vorgestellt wurde. Neben weiteren Investoren wie Enrique Banuelos, Alejandro Agag oder Eric Barbaroux war der Brite einer der ersten, die die Elektroserie finanziell unterstützen.

Ein halbes Jahr später waren es noch immer knapp zwei Jahre bis zum ersten ePrix in Peking (13. September 2014), dann kam die Bestätigung: Lord Drayson war der Erste, der mit einem eigenen Team in der Formel E starten wollte. Weder ein Rennkalender noch Zulieferer für die Fahrzeuge standen zu dieser Zeit fest - ein waghalsiger Schritt also. In den folgenden Monaten arbeitete "Drayson Racing Technology" eng mit der Formel E zusammen, während sich hinter den Kulissen immer mehr Teams bewarben. Drayson wurde zu einem festen Bestandteil des Formel-E-Zirkus.

Bis kurz vor den Pre-Season-Testfahrten im britischen Donington Park 2014 - unser erster Live-Kontakt zur Formel E - sah alles gut aus. Der Spark-Renault SRT_01 E wurde produziert, an die Teams ausgeliefert, und ein Kalender vorgestellt. Und dann, keine 90 Tage vor Saisonstart, die große Überraschung: Drayson Racing zog sich aus der Formel E zurück.

Eine italienische Bietergruppe, der unter anderem Jarno Trulli und der ehemalige Maserati- und Ferrari-GT-Vorstand Claudio Berro angehörten, hatte das Team aufgekauft, nachdem Drayson in den vorangegangenen Monaten durch die Trennung von Hauptsponsor Qualcomm finanziell in die Bredouille gekommen war.

Nach der Übernahme folgte die Umbenennung des Formel-E-Teams von Lord Drayson. Fortan tauchte Drayson Racing nur noch als "TrulliGP", später als "Trulli Formula E Team" in den FIA-Listen auf. Der Workshop im Formel-E-Hauptquartier in Donington wurde ebenfalls umgerüstet. Jarno Trulli übernahm eines der beiden bereits vergebenen Cockpits, und Drayson Racing verschwand endgültig aus der Formel E. Trulli gelang beim Berlin ePrix im Sommer 2015 eine Pole-Position, ehe die Mannschaft aufgrund finanzieller Probleme im Dezember desselben Jahres aus der Serie aussteigen musste.

Am Ende blieb vor allem die Erinnerung an ein schickes, grün-glänzendes Elektroauto, das niemals war.

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