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Formel E Accelerate: BMW-Ingenieure unterstützen Simracer Siggy & Brljak bei virtuellem Energie-Management

Timo Pape

Timo Pape

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Die Formel-E-Simracing-Liga "Accelerate" hat am Donnerstag ihren zweiten Saisonlauf ausgetragen. Zum ersten Mal müssen die Teilnehmer dabei auf der Simulationsplattform rFactor 2 Parameter wie Energie-Management und den Attack-Mode in ihre Strategie einbeziehen. Die Simracing-Teams Redline und GB erhalten bei dieser neuen Herausforderung Unterstützung von Performance-Ingenieuren von BMW Motorsport, die ihre Erfahrungen aus der realen Formel E teilen und erklären, worauf es ankommt.

BMW-Team-Redline-Fahrer Kevin Siggy ist auf der Plattform rFactor 2 einer der besten Simracer seines Fachs. 2020 hat er bei der ersten Auflage der virtuellen Formel E, der "Race at Home Challenge", den Gesamtsieg eingefahren. Trotz seiner Erfahrung war er überrascht, als er vor dem Beginn der zweiten Saison für erste Testfahrten ins virtuelle Cockpit des BMW iFE.21 gestiegen ist.

"Energy Management ist für mich nicht völlig neu, weil wir ja beim Spritsparen während Langstreckenrennen im Prinzip nichts anderes machen. Ich hätte aber niemals damit gerechnet, dass man in der Formel E derart viel Energie einsparen muss, um über die Distanz zu kommen", sagt Siggy.

"Bei den ersten Tests habe ich gedacht, das Spiel hätte einen Fehler, weil ich so weit von dem Energielevel entfernt war, das ich hätte erreichen müssen. Ich hatte erwartet, vielleicht für 50 Meter segeln zu müssen - aber nicht für 200. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um herauszufinden, wie ich eine Runde hinbekomme, in der ich schnell bin und trotzdem ausreichend Energie einspare."

4 Phasen des Energie-Managements

Geholfen haben ihm und seinem "BMW-Teamkollegen" Petar Brljak vom Team GB, der im zweiten BMW iFE.21 am Start ist, Performance-Ingenieure aus dem Formel-E-Projekt von BMW Motorsport. Jannis Hellwig und Benedikt Schaich sind Mitglieder des Testteams, das für den BMW iFE.21 als Gesamtfahrzeug verantwortlich ist. Sie versorgten die Simracer mit Basiswissen über das Energie-Management in der Formel E halfen ihnen dabei, dieses Wissen bestmöglich auf die Gegebenheiten, die die Simulation bietet, anzupassen.

"Für uns ist es spannend herauszufinden, was wir von dem, was wir über die Jahre in der Formel E gelernt haben, auf eine andere Plattform wie das Simracing übertragen können", sagt Schaich. Hellwig ergänzt: "Die Physik des Energy Managements ist in der Realität sehr komplex. Diese wird in der Simulation natürlich vereinfacht. Nicht nur bei rFactor 2 - das kennen wir auch von unseren eigenen Simulations-Tools. Von daher sind unsere Modelle für den BMW iFE.21 nicht 1:1 auf die Simulation übertragbar."

Regenerationsstufen nicht so schnell wechselbar wie in Realität

Im realen Formel-E-Fahrzeug unterliegt das Energie-Management verschiedenen Grundregeln. Eine der wichtigsten lautet: Nutze Energie bei niedrigen Geschwindigkeiten, spare Energie bei Highspeed. Energie-Management findet also in erster Linie auf Geraden statt, und zwar in vier Phasen: Volle Beschleunigung aus der Kurve heraus, Segeln bei Höchstgeschwindigkeit, maximale Regeneration auf der Hinterachse vor der nächsten Kurve, Bremsen auf der Vorderachse in die Kurve hinein. Dieser Prozess kann in der Realität sehr variabel angepasst und optimiert werden. Der Simulation sind da engere Grenzen gesetzt.

"Von daher musste ich nach Rücksprache mit den BMW-Motorsport-Ingenieuren einen Weg finden, wie ich ihre Hinweise so anpasse, dass sie in der Simulation für mich funktionieren", erklärt Siggy. "Ich kann zum Beispiel an meinem Lenkrad die verschiedenen Stufen der Regeneration nicht so schnell wechseln, wie die Formel-E-Fahrer im realen Fahrzeug. Von daher musste ich den Prozess etwas vereinfachen, um auf das erforderliche Energielevel zu kommen."

"Du denkst eigentlich schon vor dem Start ans Energy Management"

Der Umgang mit der begrenzten Energie hat auch für Brljak in den Rennen ganz konkrete Auswirkungen, an die er sich erst gewöhnen musste: "Du denkst eigentlich schon vor dem Start ans Energy Management. Nutzt du am Anfang viel Energie, um Plätze gutzumachen, oder sparst du sie lieber für später? Ich denke, bei uns gibt es mehrere Herangehensweisen: Du kannst dich konstant an deine Vorgaben halten und somit die theoretisch schnellste Rennpace abrufen, du kannst am Anfang Energie sparen, um in den letzten Runden noch Reserven zu haben, oder du kannst immer zwischen Sparen und Verbrauchen wechseln. Das hängt alles von der Rennsituation ab."

Diese Rennsituationen richtig einzuschätzen und entsprechend auch die Nutzung des Attack-Modes zu planen, der zwar mehr Energie liefert, aber dessen Aktivierung auch Zeit und gegebenenfalls Positionen auf der Strecke kostet, ist eine Frage der Erfahrung. Die Aufgabe der BMW-Motorsport-Ingenieure ist entsprechend in erster Linie, als Berater für die Simracer und ihre Teams diesen Lerneffekt zu beschleunigen.

"Auch Maximilian Günther hat in Sachen Energy Management mal bei 0 angefangen"

Das unterscheidet sich gar nicht so sehr vom realen Rennsport. "Auch ein Maximilian Günther hat in Sachen Energy Management mal bei null angefangen und musste das alles lernen. Jake Dennis ist als neuer Fahrer in der Formel E noch mittendrin in diesem Prozess", sagt Hellwig. "Von daher sind die Unterschiede zu den Simracern gar nicht so groß. Auch die Topfahrer von BMW i Andretti Motorsport mussten für die Formel E ihre Fahrweise komplett umstellen. Da zahlt sich Erfahrung enorm aus."

Der nächste Lauf der Simracing-Serie Accelerate startet am Donnerstagabend ab 20 Uhr. e-Formel.de berichtet wie gewohnt über alle Geschehnisse - diesmal aus dem virtuellen Berlin.

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