Formel E

Formel E auf Slickreifen? Warum der Gen4-Auftritt in Goodwood eine Debatte auslöst

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Die Formel E hat ihren Gen4-Boliden am vergangenen Wochenende erstmals vor Fans im Vereinigten Königreich präsentiert. Cupra-Kiro-Fahrer Dan Ticktum fuhr beim Goodwood Festival of Speed in Sussex einige Performance-Runs mit dem Gen4-Entwicklungsfahrzeug, das unter anderem auch schon von David Coulthard im Rahmen des Monaco E-Prix im Mai dieses Jahres gefahren wurde. Der Gen4-Bolide war dabei sehr schnell unterwegs - auch dank Slick-Reifen.

Bridgestone, ab der kommenden Saison exklusiver Reifenlieferant der Formel E, hatte eigens für die Teilnahme beim Goodwood Festival of Speed profillose Slickreifen für den Gen4-Entwicklungsboliden geliefert. Damit sollte Ticktum das gesamte Potenzial des Fahrzeugs auf dem 1,86 Kilometer langen Hillclimb-Kurs entfalten können. Am Ende reichte es im Shoot-Out zu Platz 2, nur knapp hinter dem Ford Super Mustang Mach-E mit Romain Dumas am Steuer. Klassische Slickreifen sind für den regulären Rennbetrieb bislang jedoch nicht vorgesehen, geplant sind ein profilierter Standardreifen und ein spezieller Regenreifen.

 
 
 
 
 
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Der Goodwood-Auftritt wirft dennoch die Frage auf, ob der Einsatz profilloser Reifen in der Formel E sinnvoll wäre, zumal sich mehrere Fahrer in der Vergangenheit für Slicks ausgesprochen haben. Der Gen4-Bolide leistet mit seinem permanenten Allradantrieb bis zu 600 kW, hat bis zu 700 kW Rekuperationsleistung und soll in etwa 1,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Die Reifen müssen somit deutlich höhere Kräfte übertragen als beim aktuellen Gen3 Evo.

Dodds: "Es gibt einen Plan zur Weiterentwicklung der Reifen"

"Es gibt definitiv einen Plan zur Weiterentwicklung der Reifen", so Formel-E-Chef Jeff Dodds bei FE Notebook. "Auch wenn es nicht gerade ganz oben auf unserer Wunschliste steht, ein mit Reifen beladenes Flugzeug um die Welt zu schicken, sollte man als Rennserie mit umfassendem Nachhaltigkeitsanspruch davon ausgehen, dass es im Laufe der Gen4-Ära nicht nur eine, sondern wahrscheinlich mehrere Weiterentwicklungen des Reifens geben wird. Und man kann mit Fug und Recht sagen, dass diese Weiterentwicklungen eher in Richtung Slick-Reifen gehen werden, als sich weiter von ihnen zu entfernen."

James Rossiter, der als offizieller Test- und Entwicklungsfahrer maßgeblich an der Entwicklung des Gen4-Boliden beteiligt ist, äußert jedoch deutliche Zweifel daran, dass Slickreifen für die Formel E der richtige Weg wären. Der frühere Test- und Ersatzfahrer von Techeetah, der in Saison 9 für ein Jahr zudem auch Teamchef bei Maserati MSG Racing war, ist neben seiner Funktion als Testfahrer auch Sportlicher Berater der Rennserie. Rossiter sieht profillose Reifen, die zu viel Haftung bieten, als Sackgasse für die Formel E an.

Rossiter: "Würden mehr Energie verbrauchen und die Möglichkeiten zur Rekuperation einschränken"

"Mit Slicks könnten diese Autos später bremsen, schneller durch die Kurven fahren und in kürzerer Zeit auf ihre Höchstgeschwindigkeit beschleunigen", beschreibt Rossiter bei FE Notebook. "Dadurch würden wir jedoch mehr Energie verbrauchen und die Möglichkeiten zur Rekuperation einschränken."

Den Slick-Forderungen einiger Fahrer begegnet der Brite daher mit deutlicher Skepsis. "Das ist nicht unbedingt tragbar", ergänzt er. "Vielleicht muss ich mich einmal mit einigen dieser Fahrer unterhalten, die sagen, wir sollten mit Slicks fahren."

Wie weit sich die Formel-E-Reifen im Laufe der Gen4-Ära tatsächlich klassischen Slickreifen annähern werden, bleibt damit offen. Dodds deutet zwar eine schrittweise Entwicklung in diese Richtung an, doch Rossiters Einwände zeigen den Zielkonflikt: Mehr mechanischer Grip würde den Gen4 schneller machen, könnte jedoch das für die Formel E zentrale Energiemanagement und möglicherweise auch die Qualität des Racings beeinträchtigen. Die in Goodwood eingesetzten Spezialreifen dürften daher vorerst vor allem eines bleiben: ein Mittel, um das maximale Leistungspotenzial des neuen Autos zu demonstrieren.

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