Formel E

Sam Bird übernimmt "volle Verantwortung" für Jaguar-Kollegen-Crash in Hyderabad: "Habe mein Team enttäuscht"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Es gilt als goldene Regel des Motorsports: "Egal was du tust, kollidiere nie mit deinem Teamkollegen." In einem denkwürdigen Rennen in Hyderabad passierte Sam Bird jedoch genau das. Bei einem Überholversuch gegen Sacha Fenestraz (Jaguar) verschätzte sich der Brite und rauschte in den Wagen seines davor fahrenden Teamkollegen Mitch Evans. Nach dem Rennen ist Birds Frust groß - und die Erklärungsnot auch.

Schon vor dem Start in das Formel-E-Wochenende in Hyderabad wurde Jaguar Racing nicht müde, die Bedeutung des WM-Laufs in Indien zu betonen. Als "Heimrennen" bezeichnete das eigentlich in Großbritannien gemeldete Team den E-Prix mehrfach. Schließlich haben sowohl der Mutterkonzern von Jaguar Land Rover, die Tata-Gruppe, als auch Jaguars Titelsponsor TCS ihren Hauptsitz in Indien. Der E-Prix wurde für Sam Bird und Mitch Evans zu einer Achterbahn der Gefühle. Doch anders als erhofft endete die Fahrt nicht mit einem "Heimsieg", sondern mit dem ersten großen Tiefpunkt der Saison.

Evans jubelt über Pole-Position, wieder Taktik-Frust im Rennen

Immerhin die gezeiteten Sessions dürften noch ganz nach dem Gefallen von Jaguar-Teamchef James Barclay verlaufen sein. Porsche verzichtete am Freitag als Vorsichtsmaßnahme auf Runden im Freien Training, nachdem Pascal Wehrlein aufgrund eines Elektronikproblems verunfallt war. Jaguar konnte diesen Vorteil nutzen und wichtige Erkenntnisse sammeln, während Porsche ins Hintertreffen geriet. Das machte sich im Qualifying bemerkbar: Mitch Evans sicherte sich die Pole-Position, Sam Bird schaffte es auf Platz 6.

Doch danach ging es für Jaguar nur noch bergab. Erst verlor Evans infolge seiner ersten Attack-Mode-Aktivierung die Führung an Sebastien Buemi (Envision) und den späteren Rennsieger Jean-Eric Vergne (DS Penske) - der zweite taktische Fehler bei Jaguar in zwei aufeinanderfolgenden Rennen. Dann beendete ein stürmisches Manöver von Bird den Lauf beider "Raubkatzen".

Der Brite hatte in den Runden zuvor ein Überholmanöver gegen Nissan-Pilot Fenestraz vorbereitet. Er hoffte, den Franzosen in der 13. Runde des E-Prix auf der Innenseite der langsamen Haarnadelkurve zu überraschen und ihm den vierten Platz abzunehmen. Auf der staubigen rechten Spur verlor der 36-Jährige jedoch die Kontrolle über sein Fahrzeug. Bird schoss deutlich über sein Ziel hinaus, blockierte seine Vorderräder und konnte nicht mehr verhindern, mit seinem Teamkollegen Evans zusammenzustoßen. Beide rutschten von der Strecke und gaben das Rennen kurz darauf mit beschädigten Fahrzeugen auf.

"Ich holte die Autos vor mir ein, aber dann machte Sam diesen Fehler, der mich aus dem Rennen warf", beschreibt Evans die Szene nach dem E-Prix. "Es war keine Absicht, aber sehr frustrierend. Meine bisherige Saison war wirklich sehr herausfordernd."

Bird zerknirscht: "Habe mein Team enttäuscht"

Durch die kurzzeitig blockierte Strecke verloren auch Fenestraz und Maximilian Günther (Maserati) entscheidende Positionen. Die FIA sprach nach dem E-Prix eine Strafversetzung gegen Bird für das nächste Rennen sowie zwei Strafpunkte aus. Weitaus mehr Sorgen dürfte ihm jedoch der Ärger seines Teams bereiten, das trotz bester Voraussetzungen erfolglos - abgesehen von Evans' drei Zählern für die Pole-Position - aus Indien abreist.

"Worte können nicht beschreiben, wie sehr es mir für alle leidtut, die durch meinen Fehler beeinflusst wurden", schrieb Bird wenige Minuten nach dem Rennen in einem Instagram-Beitrag.  "Ich übernehme die volle Verantwortung dafür und möchte mich bei meinem Rennstall, meinem Teamkollegen und den anderen involvierten Fahrern entschuldigen. Wir hatten heute ein großartiges Auto, aber ich habe mein Team enttäuscht."

Jaguar-Boss Barclay nimmt Bird in Schutz: "Leider passieren manchmal Fehler, und so war es auch heute", so der Südafrikaner. "Sam hat sich bei Mitch und dem Team entschuldigt und wir haben es hinter uns gelassen."

Bird werde nun versuchen, sich "für das nächste Rennen zu sammeln", um dort Wiedergutmachung zu betreiben. Dies steht schon in zwei Wochen an: Der erste Kapstadt E-Prix ist für den 25. Februar 2023 angesetzt. In der Fahrer-WM rutschte Bird auf Position 6 ab. Mitch Evans rangiert in der Gesamtwertung auf Position 12. In der Team-WM belegt Jaguar nur noch den fünften Platz.

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