Formel E

Formel-E-Boss Reigle erklärt: Darum hat Tesla (noch) kein eigenes Motorsport-Team

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Die Liste der Automobilhersteller in der Formel E ist lang: Neben Audi und BMW nehmen seit 2019 auch Mercedes und Porsche mit eigenen Werksteams an den Rennen der Elektroserie teil. Auch Nissan, DS Automobiles oder Jaguar beteiligen sich an der Formel E, Toyota entwickelt in der Langstrecken-WM ein leistungsstarkes Hybrid-System. Der Name eines großen Konstrukteurs fehlt im Motorsport jedoch weiterhin: Tesla.

PayPal- und SpaceX-Mitbegründer Elon Musk zeigte bislang nur wenig Interesse an einem Einstieg in den Rennsport. Für die Weiterentwicklung der eigenen Fahrzeuge fokussiert sich Tesla vorrangig auf die im Straßenverkehr gesammelten Erfahrungen. Ein Hauptgrund für die bislang fehlende Bereitschaft zur Formel E oder einer anderen Kategorie: In den E-Serien werden hauptsächlich Einheitsbatterien eingesetzt. Tesla möchte sich jedoch über die eigene Batterietechnologie von seinen Wettbewerbern abheben.

Batterieentwicklung aus Kostengründen in Formel E beschränkt

"Es gibt da einfach einen philosophischen Unterschied", erläutert der Formel-E-Geschäftsführer Jamie Reigle bei der 'All That Matters Online 2020'-Konferenz. In der Elektroserie können Hersteller seit 2015 ausgewählte Teile am eigenen Antriebsstrang entwerfen. Dazu gehören die Motoren, Inverter, Getriebe, Hinterradaufhängungen sowie die Software. Der Akku ist hingegen ein Einheitsbauteil, das seit 2018 von McLaren Applied Technologies zur Verfügung gestellt wird. "(Die Batterien sind) der Hauptgrund, weshalb sie (Tesla) nicht Teil der Meisterschaft sind", so Reigle.

Doch auch die derzeitigen Formel-E-Teams dürften mittelfristig darauf drängen, eigene Batterien in der Meisterschaft einzusetzen. "Man weiß nie, was irgendwann einmal passiert", sagt Reigle und lässt damit die Möglichkeit eines Tesla-Einstiegs offen. Zumindest in der absehbaren Zukunft werde die Formel E die Batterieentwicklung aber nicht zulassen - vorrangig aus Kostengründen.

Tesla als Hersteller in der EPCS eingeschrieben

Dennoch werde die Formel E schon jetzt als "Werkzeug für die Entwicklung der eigenen Elektro-Flotte" angesehen, verrät der Kanadier. Hauptsächlich gehe es dabei um Verbesserungen bei der Effizienz der Antriebe. "In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir sehen, wie unsere Hersteller einen großen Fortschritt machen. Für sie ist (die Formel E) auf technischer Seite eine große Sache, aber wir sind auch eine Marketing- und Storytelling-Plattform. Wir nutzen den Sport, um die Leute zum Kauf eines elektrischen Autos zu inspirieren."

Dass Tesla dem Rennsport nicht unbedingt abgeneigt ist, verdeutlicht das Beispiel der Electric Production Car Series (EPCS). In der einst als "Electric GT" bekannten Meisterschaft sollen Automobilhersteller eines Tages mit angepassten Versionen ihrer Straßenfahrzeuge gegeneinander antreten, Tesla ist derzeit der einzige bekannte Hersteller. Um die EPCS wurde es in den vergangenen Monaten und Jahren allerdings auffällig ruhig: Das ursprünglich für August 2017 geplante Auftaktrennen wurde mehrmals verschoben, weil der Serie weiterhin ein großer Investor fehlt.

Wann die EPCS mit Tesla in ihre erste Saison startet - und ob sie es überhaupt tut -, ist weiterhin ungewiss. Tesla-Fans müssen voraussichtlich also weiter abwarten, bis Musk über die Gründung eines eigenen Rennteams nachdenken wird.

Foto: Tesla

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