Formel E

Formel E: Bridgestone enthüllt Gen4-Reifen mit Typhoon-Pneu & 65% nachhaltigen Rohstoffen

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Bridgestone-Tyre-Gen4-Unleashed

Mit dem Beginn der Gen4-Ära übernimmt Bridgestone die Rolle als alleiniger Reifenlieferant der Formel E. Nun hat der japanische Hersteller erstmals die fertigen Pneus für die neue Fahrzeuggeneration vorgestellt. Neben dem Allwetterreifen Potenza Gen4 gibt es den speziellen Typhoon-Reifen für Starkregen. Zudem gibt Bridgestone an, dass 65 Prozent der eingesetzten Materialien recycelt oder erneuerbar sind.

Mit dem Wechsel auf die Gen4-Fahrzeuge endet nach vier Saisons auch die Zeit von Hankook als Reifenlieferant der Formel E. Bridgestone hat seine neuen Reifen am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Rom offiziell vorgestellt. Auch e-Formel.de war bei der Weltpremiere vor Ort.

Bereits länger bekannt ist, dass die Formel E neben dem Allwetterreifen auch eine eigene Spezifikation für Starkregen erhält. Bridgestone hat nun erstmals deren vollständige Bezeichnung genannt: Potenza Gen4 for Typhoon Tyre. "Typhoon Tyre" ist dabei die von der FIA verwendete Bezeichnung für die Regenreifen-Spezifikation und nicht lediglich ein Marketingname Bridgestones.

Mit bis zu 600 kW Leistung und permanentem Allradantrieb steigen die Belastungen der Reifen beim Gen4-Auto erheblich. Bridgestone verspricht für den normalen Potenza Gen4 deshalb hohen Grip bei gleichzeitig breitem Einsatzfenster auf unterschiedlichen Straßenbelägen sowie bei verschiedenen Wetter- und Temperaturbedingungen. Gleichzeitig soll die Performance über die gesamte Renndistanz möglichst konstant bleiben.

Neue Polymer-Mischung soll Grip & Haltbarkeit verbinden

Für den Allwetterreifen entwickelte Bridgestone nach eigenen Angaben unter anderem ein besonders widerstandsfähiges Polymer, das bereits auf molekularer Ebene auf einen eigens entwickelten Zusatz für höheren Grip abgestimmt wurde. Hinzu kommt spezieller Industrieruß, sogenannter Carbon Black. Durch die Kombination soll der Reifen sowohl auf trockener als auch auf nasser Strecke stabilen Grip liefern.

Bridgestone verspricht zudem einen schnellen Gripaufbau und möglichst geringen Leistungsabfall selbst unter besonders hohen Belastungen. Gerade dieser Punkt dürfte angesichts der deutlich höheren Belastungen durch die Gen4-Fahrzeuge eine zentrale Rolle spielen.

Beim Starkregenreifen verwendet Bridgestone neben einem besonders widerstandsfähigen Polymer Silica, das aus Reishülsen gewonnen wird. Das Profil wurde nach Angaben des Herstellers so ausgelegt, dass es große Wassermengen effizient ableitet und gleichzeitig eine ausreichende Kontaktfläche zur Fahrbahn bietet.

Damit soll der Typhoon-Reifen auch bei starkem Regen ausreichend Traktion und ein stabiles Fahrverhalten ermöglichen. Ob er im Rennen eingesetzt wird, hängt zunächst von einer Wet-Declaration der Rennleitung und anschließend von der Reifenwahl des jeweiligen Teams ab. Bei als nass erklärter Strecke können die Teams zwischen Allwetter- und Regenreifen wählen; eine Mischbereifung ist nicht erlaubt.

Bridgestone: 65% der Materialien recycelt oder erneuerbar

Bridgestone hebt bei den neuen Gen4-Reifen außerdem den Materialeinsatz hervor und gibt an, dass bei jedem Reifen 65 Prozent der eingesetzten Materialien als recycelt oder erneuerbar bilanziert werden. Dazu zählen unter anderem Carbon Black aus Pyrolyseöl alter Reifen sowie das aus Reishülsen gewonnene Silica. Der verwendete Naturkautschuk soll aus überprüften Lieferketten stammen.

Die Zahl beinhaltet allerdings auch Rohstoffe, die nach dem ISCC-PLUS-Mass-Balance-Verfahren bilanziert werden. Dabei können zertifizierte und nicht zertifizierte Rohstoffe in der Lieferkette physisch vermischt werden. Entscheidend ist, dass die eingesetzten Mengen rechnerisch getrennt erfasst und entsprechend zugeordnet werden.

Für Wärme und Strom bei der Reifenproduktion setzt Bridgestone nach eigenen Angaben vollständig auf erneuerbare Energie. Auch bei der Logistik will der Hersteller die CO2-Emissionen reduzieren. Für den Transport der Reifen arbeitet Bridgestone dabei mit DHL und dessen GoGreen-Plus-Lösung zusammen.

Vom Computer ins Gen4-Auto: So entwickelte Bridgestone die Reifen

Bevor die Reifen auf die Strecke kamen, setzte Bridgestone stark auf virtuelle Entwicklung. Simuliert wurden nach Angaben des Unternehmens unter anderem unterschiedliche Reifenstrukturen, Profile und Mischungen sowie die Form der Kontaktfläche, die Druckverteilung, das Temperaturverhalten, der Grip und die Haltbarkeit.

Dabei arbeitete Bridgestone eng mit der FIA zusammen und betrachtete Fahrzeug und Reifen in den Simulationen als gemeinsames System. Nach internen Tests mit Prototypen wurde die Performance schließlich auch mit einem realen Gen4-Fahrzeug überprüft.

In die Entwicklung flossen nach Angaben Bridgestones auch Erfahrungen aus Formel 1, IndyCar und Super GT ein. Für den japanischen Reifenhersteller bedeutet das Formel-E-Engagement zugleich die Rückkehr in den FIA-Einsitzer-Motorsport.

Bridgestone wird Titelsponsor des Berlin E-Prix

Zusätzlich zur Rolle als Reifenlieferant baut Bridgestone sein kommerzielles Formel-E-Engagement aus: Der Konzern wird in Saison 13 Titelsponsor der Rennen in Mexiko-Stadt sowie der Double-Header in Berlin, Shanghai und Tokio. Besonders relevant für deutsche Fans: Auch beim Berlin E-Prix am 8. und 9. Mai 2027 tritt Bridgestone damit als Titelsponsor auf.

Ab Dezember müssen sich die neuen Bridgestone-Reifen erstmals unter Rennbedingungen bewähren. Dann wird sich zeigen, wie gut das neue Reifenkonzept mit den deutlich höheren Belastungen der Gen4-Fahrzeuge zurechtkommt.

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