Formel E

Formel-E-Code bereits im Nissan Leaf: Was Gen4 für künftige Nissan-Elektroautos bringen soll

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Als Nissan 2018 in die Formel E einstieg, brachte der Hersteller Software und Entwicklungswissen aus dem Leaf mit auf die Rennstrecke. Acht Jahre später läuft der Technologietransfer nach Angaben des Unternehmens auch in die andere Richtung: Bereits in der Formel E weiterentwickelter Code sei zurück in den Leaf geflossen. Mit dem Gen4-Boliden sollen sich weitere Anknüpfungspunkte ergeben, insbesondere bei Software, Allradsteuerung und Rekuperation.

Für Automobilhersteller gehört der Technologietransfer von der Rennstrecke auf die Straße seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Argumenten für ein Motorsportprogramm. Bei Nissan verlief dieser Prozess in der Formel E zunächst allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Als der japanische Hersteller zur Saison 2018/19 in die Elektro-WM einstieg, verfügte er dank des bereits 2010 eingeführten Leaf über jahrelange Erfahrung mit elektrischen Straßenfahrzeugen. Laut Nissan basierte sogar die Software des ersten eigenen Formel-E-Autos auf jener des Leaf.

Inzwischen soll der Austausch auch in die andere Richtung funktionieren. Wie Nissan gegenüber Forbes erklärt, fließen mittlerweile Erkenntnisse aus der Formel E zurück in die Serienentwicklung.

Bereits 2024 hatte Nissan-Chefingenieur Tadashi Nishikawa diesen Ansatz in einem Interview beschrieben. Der Rennsport zeige, was technisch möglich sei, wenn Effizienz und Leistungsdichte im Mittelpunkt stehen und Faktoren wie Kosten, Komfort oder Geräuschentwicklung zunächst eine geringere Rolle spielen.

Formel-E-Software ist bereits zurück im Nissan Leaf

Bei Software sind die Entwicklungszyklen besonders kurz. Nach Angaben von Nissan könnte theoretisch bei jedem Formel-E-Rennwochenende eine neue Softwareversion eingesetzt werden. Über eine Saison hinweg würden auf diese Weise Hunderte Softwarestände entwickelt.

Nissan nennt dafür inzwischen ein konkretes Beispiel. "Eine in der Formel E aktualisierte Codezeile ist bereits zurück in den Nissan Leaf geflossen", erklärt der Hersteller. Wie groß der konkrete Einfluss dieser Änderung auf das Serienfahrzeug ist, geht aus der Aussage nicht hervor. Zumindest auf Software-Ebene findet der Austausch nach Angaben von Nissan damit bereits in beide Richtungen statt.

Komplette Rennsysteme lassen sich hingegen nicht einfach übertragen. Serienfahrzeuge müssen andere Anforderungen an Kosten, Haltbarkeit, Komfort und Produktion erfüllen. Relevant sind deshalb vor allem Erkenntnisse aus Regelung, Kalibrierung und dem Zusammenspiel elektrischer Systeme unter hoher Belastung.

Wie umfangreich die Software moderner Formel-E-Autos inzwischen ist, zeigte zuletzt auch Porsche am neuen 975 RSE. Mehr als 1,5 Millionen Code-Zeilen stecken nach Angaben des Herstellers allein in den Steuergeräten des Gen4-Boliden.

Gen4 erweitert die Software-Spielräume

Mit Gen4 erhalten die Hersteller zusätzliche Freiheiten bei den elektronischen Kontrollsystemen. Dazu gehören unter anderem die Verteilung des Drehmoments zwischen Vorder- und Hinterachse, die Traktionsregelung und das Zusammenspiel der beiden Motoren bei der Energierückgewinnung.

Für Nissan gibt es dabei Parallelen zur Serienentwicklung. Mit e-4ORCE setzt der Hersteller etwa beim Ariya bereits auf ein System, das Antriebsmoment und Bremswirkung an Vorder- und Hinterachse koordiniert. Beim permanent allradgetriebenen Gen4-Fahrzeug spielen ähnliche Regelungsfragen eine Rolle, wenn auch unter den deutlich anderen Anforderungen eines Rennwagens.

Chefingenieur Takuro Iwase sieht den gemeinsamen Nenner deshalb weniger in identischen Bauteilen als in den zugrunde liegenden Prinzipien. "Die Materialien unterscheiden sich, aber die elektrischen Gleichungen sind dieselben."

Wie viel Formel-E-Know-how landet künftig im Serienauto?

Die in den Nissan Leaf zurückgeflossene Codezeile ist bislang nur ein einzelnes konkretes Beispiel. Das Gen4-Auto vergrößert jedoch die technische Schnittmenge zwischen Renn- und Serienentwicklung. Ob daraus über einzelne Softwarelösungen hinaus weitere Entwicklungen in kommende Nissan-Elektroautos einfließen, dürfte sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

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