Formel E

Formel E: Die große Rennvorschau zum Marrakesh ePrix

Timo Pape

Timo Pape

Am kommenden Samstag, dem 12. November 2016, startet die Formel E zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf afrikanischem Boden - der insgesamt fünfte Kontinent, den die Elektroserie bereist. In Marrakesch fahren die 20 Fahrer auf dem aus der WTCC bekannten Circuit International Automobile Moulay el Hassan, einer Mischung aus permanenter Rennstrecke und Stadtkurs.

Das Besondere am ePrix von Marokko: Die Formel E ist offizieller Partner der UN-Klimakonferenz COP22, die vom 7. bis 18. November in Marrakesch stattfindet. Während also Obama, Merkel und Co. über die Zukunft unseres Planeten sprechen, trägt die Formel E auf ihre Art und Weise zum Dialog über Klimawandel und Nachhaltigkeit bei.

Stadt, Land, Fluss

Marrakesch, was übersetzt so viel wie "Land Gottes" heißt, ist eine im Jahr 1070 gegründete Stadt im Südwesten Marokkos, die heute knapp eine Million Einwohner beheimatet. Sie liegt in 450 Metern Höhe auf einer Ebene in Sichtweite des Atlas-Gebirges und ist eine von vier Königsstädten Marokkos. Zwischenzeitlich wurde Marrakesch mehrfach zur Hauptstadt der nordafrikanischen Erbmonarchie auserkoren, heute hat diesen Status jedoch Rabat inne.

Die Altstadt Marrakeschs wurde 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Grund dafür waren und sind bis heute die zahlreichen bedeutsamen Bauten, darunter die Koutoubia-Moschee, die Festung Kasbah oder die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef. Auch die Stadtmauer aus dem zwölften Jahrhundert steht noch heute. Hauptattraktion für Touristen ist allerdings der zentrale Marktplatz Djemaa el Fna, der für seine Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler und kulinarischen Spezialitäten weltbekannt ist.

Strecke

Die Formel E nutzt dasselbe Streckenlayout, wie es 2016 erstmals auch bei der Tourenwagenweltmeisterschaft WTCC zum Einsatz kam. Der Kurs erstreckt sich über 2,971 Kilometer und ist damit der längste der Saison. Nur Peking in den ersten beiden Jahren war länger. Insgesamt legen die Piloten in 33 Runden etwas mehr als 98 Kilometer zurück. Das Energiemanagement dürfte während des Rennens eine zentrale Rolle spielen.

Der Circuit International Automobile Moulay el Hassan verfügt über insgesamt zwölf Kurven, von denen einige ungewöhnlich schnell für die Formel E durchfahren werden. In der Spitze sollen die Elektrorennwagen auf Geschwindigkeiten zwischen 190 und 195 km/h kommen.

Stundenplan (deutsche Zeit)

09:00 - 09:45 Uhr - 1. Freies Training

11:30 - 12:00 Uhr - 2. Freies Training

13:00 - 14:00 Uhr - Qualifying

17:00 - 18:00 Uhr - Rennen (33 Runden)

Formel E im TV

Eurosport überträgt den Marrakesh ePrix am Samstag live ab 16:30 Uhr. Die Vorberichterstattung wird demnach eine halbe Stunde dauern. Die Übertragung endet - aller Voraussicht nach im Anschluss an die Siegerehrung - nach 65 Minuten um 18:05 Uhr. Alle weiteren Sessions könnt ihr lediglich im bezahlpflichtigen Eurosport Player oder wie gewohnt in unserem Live-Ticker verfolgen.

Wetter

Zwar ist der November in Marrakesch eigentlich der regenreichste Monat des Jahres, nichtsdestotrotz dürfte es am Samstag trocken bleiben. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei zu vernachlässigenden zehn Prozent. Unter leichter Bewölkung wird das Quecksilber zum Rennstart voraussichtlich auf bis zu 24 Grad Celsius ansteigen.

Meisterschaft

Nachdem in dieser Saison erst ein Rennen ausgetragen wurde, entspricht der Meisterschaftsstand quasi dem Rennergebnis des Hong Kong ePrix. Sieger Buemi führt somit das Klassement vor seinem Rivalen Lucas di Grassi an. Nick Heidfeld liegt auf einem vielversprechenden dritten Gesamtrang.

Auch in der Teamwertung liegt Renault e.dams klar in Führung. Mit gut halb so vielen Punkten folgen das deutsche ABT-Team sowie Andretti mit jeweils 18 Zählern. Ohne Punkte auf dem Konto sind bislang Jaguar, Virgin und Techeetah.

Timos Glaskugel

Der Verlauf des Marrakesch ePrix ist extrem schwer einzuschätzen, weil sich der Streckencharakter grundlegend von jenem in Hongkong unterscheidet. Möglicherweise sehen wir völlig andere Kräfteverhältnisse als noch beim Auftaktrennen. Blenden wir diese Variable aus, wird es einmal mehr darauf ankommen, die Renault-angetriebenen Autos zu schlagen. Sowohl Sebastien Buemi (e.dams) als auch Jean-Eric Vergne (Techeetah) habe ich auf dem Zettel.

Darüber hinaus rechne ich mit zwei extrem starken Virgin-Piloten: Sowohl Sam Bird als auch Jose Maria Lopez, der die Strecke aus der WTCC bereits kennt, sind für mich Siegkandidaten. Beide wurden in China deutlich unter Wert geschlagen. Auch Lucas di Grassi wird voraussichtlich wieder um den Sieg kämpfen können, sollte er im Qualifying diesmal besser zurechtkommen. Im Kampf ums Podium rechne ich beiden Andretti-Piloten, beiden Mahindra-Fahrern und Daniel Abt Chancen ein.

Die große Unbekannte ist für mich Faraday Future Dragon Racing. Nachdem das Team in den vergangenen beiden Jahren immer ganz vorn mitgemischt hatte, lief es in Hongkong alles andere als rund. Es wird spannend zu sehen, ob Jerome d'Ambrosio und Loic Duval in Marokko in die Spitzengruppe zurückkehren werden. Ich freue mich auf einen spannenden zweiten Saisonlauf im Zeichen des Klimawandels.

Eine Simulator-Runde in Marrakesch

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