Formel E

Formel E: Enttäuschte Brasilianer di Grassi & Sette Camara hadern mit Leistungsgefälle zum Gen3-Start

Svenja König

Svenja König

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Neun Jahre - 105 Rennen - musste Lucas di Grassi auf sein allererstes Heimrennen in Brasilien warten. Am vergangenen Wochenende war es schließlich soweit: Die Formel E fuhr auf den Straßen von Sao Paulo, seiner Heimatstadt. Während dementsprechend viele Fan- und Medienevents für den Routinier auf dem Programm standen, die seine Vorbereitung zur "hektischsten Woche" seines Lebens machten, blieben die sportlichen Erfolge beim Mahindra-Piloten und auch seinem Landsmann Sergio Sette Camara (Nio 333) aus.

Beide Brasilianer schafften es nur in einer Session des gesamten Rennwochenendes unter die ersten Zehn: im 1. Freien Training am Freitagabend. Am Samstag, dem eigentlichen Renntag, gingen beide leer aus. Di Grassi kollidierte im Qualifying nach einer Fehleinschätzung mit der Streckenbegrenzung und musste mit einem beschädigten Auto in die Box zurückkehren. Die Session war damit für ihn beendet - nur Startplatz 22 beim Heimspiel. "Ich habe einen Fehler gemacht und übernehme dafür die volle Verantwortung", so di Grassi nach dem Rennen.

Für Sette Camara im Nio 333 lief es unwesentlich besser: Er blieb in seiner Gruppe nach einem technischem Problem mit seinem Fahrzeug am Streckenrand stehen und löste so ungewollt eine rote Flagge aus. Dafür wurde seine beste Rundenzeit nach der Session gestrichen, und er ging somit nur als 16. statt als Siebter ins Rennen.

Sette Camara: "Auf alles oder nichts gesetzt - und nichts bekommen"

Während die Qualifikationen für die beiden Brasilianer ähnlich verliefen, ging es im Rennen in entgegengesetzte Richtungen: Sette Camara konnte seine Position zwar halten, machte aber trotz fünf Ausfällen keine Sprung nach vorne.

"Ich habe auf alles oder nichts gesetzt und habe nichts bekommen", sagt der Brasilianer nach dem Rennen bei 'Motorsport.com' und berichtet auch von Fehlern bei der Energieeinteilung im Cockpit: "Am Start war ich zu vorsichtig, um anzugreifen, und dann habe ich die Energie zwischenzeitlich falsch gehandhabt. So habe ich keine Plätze gutgemacht, und in der Schlussphase hat mir die Energie gefehlt. Ich war letztlich auf ein Safety-Car angewiesen, das nicht kam."

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Di Grassi: "Selbst mit Startplatz 10 für uns schwierig, Punkte zu holen"

Auch Lucas di Grassi hatte im Rennen mit der Effizienz zu kämpfen. Allerdings nicht in seiner persönlichen Rennstrategie, sondern mit der generellen Performance seines Antriebs. Er habe nach eigener Aussage alles aus dem Auto herausgeholt. "Alles herausgeholt" war in diesem Fall Platz 13.

Der Routinier machte zwar neun Positionen gut, für Punkte reichte es allerdings nicht. "Ich habe die Effizienzunterschiede in diesem Jahr unterschätzt. Ich dachte, es würde viel enger zugehen", sagt di Grassi ebenfalls bei 'Motorsport.com' und analysiert: "Porsche und Jaguar sind schon weit vorn, DS Penske und Nissan sind noch dran." Mahindra und Nio 333 hingegen nicht.

Wobei er hier klar zwischen Qualifying- und Rennpace unterscheidet: "Im Qualifying können wir noch etwas erreichen - in Mexiko habe ich die Pole-Position geholt. Im Rennen ist das unmöglich, denn da braucht man Tempo und Effizienz. Selbst mit Startplatz 10 ist es für uns schwierig, in die Punkte zu fahren, wenn man die Energiemengen der anderen sieht."

Video: Di Grassi rastet in Box aus

Fokus auf London, Rom, Monaco & Saison 10

Insgesamt hat Mahindra in dieser Saison nach sechs Rennen erst zweimal gepunktet. In Diriyya, Kapstadt und Sao Paulo blieb das Punktekonto stehen. Weiter erklärt Di Grassi, dass die Streckencharakteristiken in Kapstadt und Sao Paulo die Effizienz besonders in den Vordergrund gestellt habe. Es dürften noch bessere Rennen für Mahindra kommen.

"Die Strecken in Sao Paulo und Kapstadt sind vielleicht die schlechtesten für Mahindra. In London, Rom und Monaco sollten wir besser aufgestellt sein, aber auch das wissen wir noch nicht genau, denn die FIA legt die Anzahl der Runden fest, und je länger das Rennen, desto mehr macht die Effizienz einen Unterschied."

Auch Teamchef Frederic Bertrand sagte nach dem Rennen, dass das Team noch nicht da sei, wo man hin wolle. Der Abstand zum Rest des Feldes sei zu groß. Dementsprechend habe man auch die Zielsetzung für die restliche Saison angepasst: "Zwei oder drei weitere Podiumsplätze" seien laut di Grassi realistischer, als den Anschluss an die Topteams herzustellen. Den Fokus in der Entwicklung habe Mahindra schon auf Saison 10 gelegt.

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