Formel E

Formel E erwägt Einführung von Brake-by-Wire-System & Frontmotor

Timo Pape

Timo Pape

Die Formel E könnte bereits in der übernächsten Saison 2018/19 mit einem Brake-by-Wire-Bremssystem ausgestattet werden. Die aktuelle Fahrzeuggeneration rekuperiert Energie während des Bremsvorganges über den elektrischen Motor an der Hinterachse. Anstatt die Rekuperations-Intensität der der Bremskraft anzupassen, arbeitet das System aktuell recht stupide mit festgesetzten Parametern.

Mit der Einführung eines Brake-by-Wire-Systems könnte sich dies ändern: Anstatt einer direkten hydraulischen Verbindung zwischen Bremspedal und Bremsen, wird der Bremswunsch des Fahrers elektronisch an die Bremsen übertragen. Dadurch kann die Intensität der Rekuperation entsprechend angepasst werden und je nach Fahrsituation die Verzögerung unterschiedlich auf den Motor oder die Scheibenbremsen aufgeteilt werden.

Die Folgen wären ein verbessertes und vorhersehbareres Fahrverhalten für die Fahrer sowie eine Maximierung der regenerierten Energie.

Vor allem bei den Teams stößt der Vorschlag auf positives Feedback: Mit der geplanten Erhöhung der Leistung der Saison 2018/19 - im Qualifying von 200 kW auf 250 kW sowie im Rennen von 170 kW auf 200 kW - wird die Legalisierung eines "aktiven Bremssystems" als grundlegender Schritt zur technologischen Weiterentwicklung der Serie angesehen.

Gegenüber 'Autosport' beschreibt Xavier Mestelan-Pinon, Technischer Manager von DS Performance, Break-by-Wire als "the big new thing" während hingegen Nicolas Mauduit, Technischer Manager von Future Dragon Racing sich sicher ist, dass eine Art von aktive Bremssystemen in der Saison 2018/19 erlaubt sein wird. Als technisches Vorbild nennt er die Hybrid-Fahrzeuge der WEC.

Auch seitens der Reglementshüter lässt man vorsichtig durchscheinen, dass ein Brake-by-Wire-System in Zukunft kommen könnte. "Wir untersuchen aktuell, wie wir die Thematik umsetzen sollen. Technisch ist es auf jeden Fall möglich", sagt Prof. Burkhard Goschel, Vorsitzender der FIA Electric & New Energy Championship Commission.

Laut Goeschel existieren innerhalb der FIA auch noch weitere Ideen, wie man die Effizienz verbessern und die Serie dynamischer gestallten kann: "Dies könnte auch eine Energierückgewinnung über die Frontachse sein, was ein komplett neues Energiemanagement zur Folge hätte."

Allradantrieb in der Formel E?

Damit spricht er ein Thema an, welches in der Formel E bereits häufig diskutiert wurde: Eine Energierückgewinnung über die Frontachse wäre de facto mit einem Allradantrieb gleichzusetzen, da die Rekuperation ohnehin über einen E-Motor erfolgen müsste. "Für uns ist es viel zu früh über einen zusätzlichen Frontantrieb zu sprechen", merkt Mauduit kritisch an. "Frühestens 2021/2022 wäre es so weit."

"Das Reglement muss sich weiterentwickeln, jedoch immer unter der Berücksichtigung der Kosten. Auch die Wünsche der Automobilindustrie sollten nicht vernachlässigt werden", fügt Mauduit hinzu. "Die Technologie von Elektrofahrzeugen entwickelt sich rasant und wir bei der Formel E müssen dem ganzen Schritt halten."

Auch die Thematik Torque Vectoring kommt im Zuge der Brake-by-Wire-Diskussion wieder auf der Tisch. Anstatt nur eine E-Maschine im Heck zu haben, welche die komplette Hinterachse antreibt, würden zwei Elektromotoren die Hinterräder getrennt antreiben. Je nach Fahrerwunsch könnten die Motoren an der Hinterachse das Fahrverhalten in den Kurven aktiv beeinflussen.

ABT-Fahrer Lucas die Grassi würde eine Einführung des Torque Vectoring begrüßen: "Zusätzlich zum aktiven Bremssystem würde ich auch noch ein elektronisches Differential am Heck verwenden. Zwei Motoren an jedem Rad um die Beschleunigung zu kontrollieren ergibt bei Elektrofahrzeugen einfach viel mehr Sinn. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, aber wir müssen versuchen solche Konzepte schneller in die Fahrzeuge zu bringen"

Hinsichtlich der Erlaubnis von Torque Vectoring ist die FIA ein bisschen vorsichtiger, da es die Arbeit der Fahrer stark vereinfachen würde. "Wenn die Autos wie auf Schienen fahren, wird Spannung hinausgenommen", erklärt Goschel. "Daher müssen wir uns solch einen Schritt gut überlegen."

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