Formel E

Formel E erwägt Wasserstoff-Brennstoffzelle für Gen4-Fahrzeug: "Auf jeden Fall in Betracht ziehen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Formel-E-Heck-Rauch

Während in wenigen Wochen die letzte Gen2-Saison der Formel-E-Weltmeisterschaft startet, plant die Rennserie längst weiter voraus. Obwohl die Öffentlichkeit bislang nur Teaserfotos des neuen Gen3-Fahrzeugs zu sehen bekam, werden schon bald die ersten Gespräche über die Rahmenbedingungen des Gen4-Autos beginnen. Dies soll voraussichtlich ab Ende 2026 in Saison 13 eingesetzt werden. Beim Antrieb erwägt die Formel E einen grundlegenden Wechsel.

"Wir beginnen gerade, über Gen4 nachzudenken", erklärt Formel-E-Gründer und -Vorstandsvorsitzender Alejandro Agag bei 'Motorsport.tv'. "Wir müssen jetzt die Gespräche starten. Dazu werden wir alle Hersteller einladen, die aktuell bereits in der Formel E fahren. Aber wir werden diese Gruppe auch erweitern und andere Hersteller einladen."

In der Arbeitsgruppe sollen die Grundlagen für die vierte Generation der Formel E gelegt werden, die voraussichtlich die Saisons 13 bis 16 umspannt - zumindest, wenn die Formel E an ihrem gewohnten 4-Jahres-Zyklus bei den Fahrzeuggenerationen festhält.

"Wir wollen gemeinsam ein offenes Brainstorming darüber durchführen, wie die Technik des Gen4-Autos aussehen sollte", so Agag weiter. Denkverbote dürfe es dabei nicht geben. "Da ist alles offen - alles kann passieren. Wir könnten uns mit der Batterietechnologie, der Brennstoffzellentechnologie und mit vielen anderen Optionen befassen."

Agag: "Wasserstoff fällt unter die Formel-E-Lizenz der FIA"

Lizenztechnische Probleme beim Einsatz einer Brennstoffzelle sieht der Spanier nicht. Immerhin besitzt die Formel E bis zum Jahr 2039 die FIA-Exklusivrechte für elektrisch angetriebene Formelfahrzeuge. Und das vollkommen unabhängig davon, wie der Strom erzeugt oder gespeichert wird. "Wasserstoff fällt unter die Formel-E-Lizenz der FIA, wenn er mit einer Brennstoffzelle in Energie umgewandelt wird", bestätigt Agag.

"Man könnte Wasserstoff auch verbrennen, was jedoch sehr ineffizient ist, auch wenn aktuell an einer Effizienzsteigerung gearbeitet wird. Wir hingegen würden eine Brennstoffzelle verwenden. Diese erzeugt Strom, mit dem ein Elektromotor angetrieben wird. Sobald diese Technologie auf breiter Basis verfügbar ist und im Rennsport eingesetzt werden kann, werden wir sie auf jeden Fall in Betracht ziehen."

"Definitiv ein großartiger Weg, um Energie zu speichern"

Die Offroad-Rennserie Extreme E verwendet bereits Wasserstoff, der jeweils am Rennort klimaneutral mittels Solarkollektoren produziert wird, um Strom für die Fahrzeuge zu herzustellen. In diesem Fall gibt es jedoch eine zentrale Brennstoffzelle von AFC Energy, die zur Stromproduktion verwendet wird. Der erzeugte Strom wird dann in Batterien zwischengespeichert, von wo aus er in die Fahrzeugbatterien gespeist wird.

Agag meint, dass dies auch für die Formel E eine Option sein könnte: "Wasserstoff ist definitiv ein großartiger Weg, um Energie zu speichern." Damit könnte die Rennserie nämlich ein Problem lösen, das sie schon seit ihrer Anfangszeit immer wieder beschäftigt hat: der komplizierte Transport großer Batterien rund um den Globus.

"Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit Batterien und dem Flugtransport von Batterien", beschreibt Agag. "Seit wir mit der Formel E angefangen haben, hatten wir dieses Problem. Die Fluggesellschaften sind stets besorgt darüber, wenn Flugzeuge mit Batterien beladen werden. Der Transport von Batterien ist ziemlich kompliziert."

Immerhin sind Akkus, insbesondere in der Größe, wie sie in den Formel-E-Fahrzeugen zum Einsatz kommen, ein großes Sicherheitsrisiko. Fluggesellschaften verbieten Passagieren wegen der damit verbundenen Brandgefahr oftmals gar den Transport von Lithium-Batterien im Frachtraum. Technische Defekte an den Akkus führen in vielen Fällen zu starker Wärmeentwicklung und in der Folge potenziell zu Bränden.

"Andere Lösungen als Batterien funktionieren noch nicht"

"Der Transport per Schiff ist sicherlich einfacher, aber es ist immer noch schwierig", ergänzt er und bezieht sich damit auf das ehemalige Postschiff St. Helena, mit dem die Extreme E ihre Fracht um die Welt transportiert.

"Um Batterien auf Schiffen zu transportieren, muss man eine ganze Reihe von Tests und Vorschriften beachten, und man braucht eine spezielle Zulassung. Der Transport von Batterien ist ein Problem, und Batterien sind nicht perfekt. Aber andere Lösungen, elektrische Energie effizient zu speichern, funktionieren heute noch nicht", so Agag.

Vor der Gen4- und der Gen3-Ära steht 2022 aber zunächst noch die letzte Saison der Gen2-Ära auf dem Programm. Diese beginnt am 28. und 29. Januar mit einem "Double-Header" in Diriyya (Saudi-Arabien).

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2 Kommentare

EFan ·

mmmh.... eigentlich hat sich die WEC das Thema Wasserstoff für diesen Zeithorizont schon auf die Fahne geschrieben. Auch wenn das keine Formel Serie ist und es damit keinen Rechte Konflikt gibt, wird ja Wasserstoff immer in Bezug auf Reichweite interessant und hier ist eine WEC in LeMans oder bei einem 6h Rennen doch die bessere Plattform für die Hersteller. Und ganz so viele Hersteller sind es ja auch nicht, die parallel zu BEV auch auf Wasserstoff setzen ... ich persönlich fände ja Entwicklungsfreiheiten bei der Batterie deutlich interessanter. Mal schauen was kommt ....

jeronimo069 ·

Autos mit "Wasserstoffzelle" verwenden auch Pufferbatterien ...
Wenn der Wasserstoff nach FE kommen muss, sehe ich ihn erst in Gen5 oder 6.

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