Formel E

Formel-E-Fahrer diskutieren modifiziertes Streckenlayout in Valencia kontrovers

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Formula-E-Testing-Valencia

Am Wochenende bestreitet die Formel E zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Rennen in Spanien, genauer gesagt sogar zwei. Der Circuit Ricardo Tormo ist den Piloten sehr gut bekannt, da die Elektroserie hier seit mehreren Jahren ihre Vorsaison-Testfahrten durchführt. Für den Valencia E-Prix wurde das Streckenlayout jedoch verändert - was zu gemischten Gefühlen bei einigen Fahrern und Teamverantwortlichen führt.

Zwar sind große Teile der Valencia-Strecke den Teams wohl bekannt. Als Vorteil will dies Audi-Teamchef Allan McNish jedoch nicht verstanden wissen: "Der Schwerpunkt bei den Testfahrten vor der Saison liegt nicht auf einer Rennvorbereitung oder einer perfekten Abstimmung für das Zeittraining. Deshalb helfen uns die in Valencia gefahrenen Kilometer nicht besonders viel", so der Schotte.

Mit mehreren Anpassungen versuchte die Rennserie, die Strecke "Formel-E-typischer" zu machen: Unter anderem wurde im sogenannten Infield des Kurses eine schnelle Links-Rechts-Kombination zu einer langgezogenen Linkskurve und zwei winkligen Rechtskurven umgestaltet. Zudem wurde eine enge Schikane auf der Start-Ziel-Geraden errichtet, die einen Teil der Boxengasseneinfahrt mit nutzt.

Griffiths: "Track-Limits sind erfahrungsgemäß in Valencia immer ein Thema"

"Weite Teile kennen wir sehr gut, aber die 'Infield'-Sektion inklusive der Attack-Zone wird neu für uns sein", sagt BMW-Teamchef Roger Griffiths. Es gibt für ihn jedoch einige Besonderheiten in Spanien, die sich auf auch das Racing und die Abstimmung der Boliden auswirken: "Track-Limits sind erfahrungsgemäß in Valencia immer ein Thema für Diskussionen, und wir sind gespannt, wie damit umgegangen wird. Im Vergleich zu anderen Formel-E-Strecken bietet Valencia ohne Bodenwellen und hohe Kerbs Möglichkeiten für ganz andere Set-up-Varianten."

Christian Silk, Teamchef von Nio 333 Racing, stimmt ihm zu: "Die Strecke in Valencia ist sehr speziell, da sie sowohl glatt als auch schnell ist und ihre eigenen, einzigartigen Herausforderungen bietet." Nio ist indes mit guten Nachrichten nach Spanien gereist: Die Chinesen gaben kurz vor dem Valencia E-Prix bekannt, auch in der Gen3-Ära (bis 2026) an der Formel E teilzunehmen.

Lotterer: "Macht sicherlich nicht so viel Spaß wie in Rom"

"Das ist keine typische Formel-E-Strecke, und sie macht sicherlich auch nicht so viel Spaß wie die in Rom", ist Porsche-Fahrer Andre Lotterer nur mäßig davon überzeugt, einen E-Prix auf einer permanenten Rennstrecke auszutragen. Und weiter: "Auch wenn das Streckenlayout für die Rennen anders sein wird, haben wir die Testdaten in der Box und wissen so ungefähr, was auf uns zukommt."

Landsmann Rene Rast beschreibt den neuen Kurs wie folgt: "Valencia ist eine für die Formel E völlig ungewöhnliche Strecke: Es gibt viele sehr schnelle Passagen, keine echte enge Haarnadelkurve und dafür weite Auslaufzonen, die auch mal einen Fehler verzeihen." Im Gegensatz zu Rom, wo jeder kleine Fehler dafür sorgte, in einer Betonmauer zu enden, wie Rast selbst schmerzlich erfahren musste, gibt es in Valencia diverse Auslaufzonen.

Günther: "Änderungen werden zu wirklich tollem Racing führen"

BMW-Pilot Max Günther äußert sich begeistert über die Maßnahmen der Rennserie, die den Kurs ein wenig näher an den normalen Formel-E-Charakter herangeführt haben: "Die Strecke wird eine andere sein als bei den Wintertestfahrten. Ich bin mir sicher, dass die Änderungen zu wirklich tollem Racing führen werden und das Feld in allen Sessions sehr eng beisammen sein wird. Ich freue mich auf die Herausforderung."

"Die Änderungen im zweiten und dritten Sektor machen die Strecke ganz anders als die Konfiguration, die wir in der Vergangenheit gefahren sind. Die Schikane auf der Start-Ziel-Geraden sollte am Renntag eine wichtige Überholmöglichkeit darstellen", sagt Venturi-Pilot Edo Mortara. Er sieht indes keine großen Vorteile darin, bereits bei den Vorsaison-Testfahrten viele Runden in Valencia abgespult zu haben.

Mortara spricht jedoch noch einen weiteren Punkt an: "Die Positionierung des Attack-Mode in Kurve 8 wird sehr interessant sein." Interessant deshalb, weil die Schleifen, die zum Aktivieren der Zusatzenergie überfahren werden müssen, am äußeren Rand der Kurve liegen. Wenige Zentimeter daneben beginnt bereits das Kiesbett, das keine Ungenauigkeiten verzeihen wird.

"Ich denke, die Formel E hat bei der Gestaltung dieser neuen Strecke einen tollen Job gemacht", lobt Nio-Pilot Tom Blomqvist die Verantwortlichen für die vorgenommenen Umbauten am Kurs. "Ich bin mir sicher, dass das Streckenlayout für spannende Rennen sorgen wird - es ist eine weniger typische Formel-E-Strecke, aber dennoch wird sie ihre eigenen Herausforderungen haben."

Vandoorne über Energie-Management: "Wahrscheinlich eine der schwierigsten Strecken des Jahres"

"Die Kurven sind ziemlich schnell und lang. Das macht Valencia zu einer großen Herausforderung mit Blick auf das Energie-Management", nennt Stoffel Vandoorne vom Team Mercedes-EQ einen der entscheidenden Unterschiede zum Kurs in Rom, wo er das Sonntagsrennen gewann. "In dieser Hinsicht ist es wahrscheinlich eine der schwierigsten Strecken des Jahres. Entsprechend intensiv wird das Racing, und es wird stark auf die Strategie ankommen. Überholen sollte hier einfach sein, aber es bringt eben einen Nachteil beim Energie-Management mit sich."

In die gleiche Kerbe schlägt Alexander Sims, der vor der Saison von BMW zu Mahindra Racing gewechselt ist. "Die Strecke ist viel glatter (als in Rom), hat längere Geraden und sollte eine ziemliche Herausforderung in Sachen Energie sein", so der Brite, der am Sonntag in Rom Zweiter hinter Vandoorne wurde.

Lynn: Es wird erstmals wirklich aufs Auto ankommen

"Das neue Layout hat die Charakteristik der Strecke verändert und ähnelt nun mehr den Straßenkursen, auf denen wir in der Formel E fahren", analysiert Nio-Pilot Oliver Turvey. Fahrerkollege Norman Nato ergänzt: "Nachdem wir einige Zeit im Simulator verbracht haben, machen die Änderungen am Circuit Ricardo Tormo die Strecke ziemlich knifflig, vor allem durch die zusätzliche Schikane."

Mahindra-Fahrer Alex Lynn hingegen findet, dass es in Valencia nicht so sehr auf die Fahrer, sondern vielmehr auf den Antriebsstrang ankommen wird: "Ich glaube, das ist die erste Strecke in dieser Saison, auf der man sieht, dass es schwierig wird gut abzuschneiden, wenn man kein gutes Auto hat."

Das erste Rennen von Valencia startet am Samstagnachmittag um 15 Uhr - live im TV zu sehen bei Sat.1. e-Formel.de begleitet alle weiteren Sessions des Tages - wie auch am Sonntag - mit Livestreams und in unserem beliebten LGT Formel E Live-Ticker.

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 1 und 6.
Advertisement