Formel E

Maximilian Günther erwartet Formel-E-Hitzeschlacht in Jakarta: "Die Temperaturen können dein Leben ändern"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Nissan-Car-Preparations-Formula-E-Berlin

Beim Blick auf den Wetterbericht für das anstehende Formel-E-Rennwochenende in Jakarta dürfte dem einen oder anderen Renningenieur Angst und Bange werden. Meteorolog:innen erwarten für den Samstag derzeit Temperaturen von 32 Grad Celsius sowie hohe Luftfeuchtigkeit. Die Extrembedingungen könnten nicht nur den Fahrern zu Schaffen machen - auch die Batteriesysteme der Formel E dürften an ihre Grenzen kommen, glaubt Nissan-Fahrer Max Günther.

Schon mehrfach erlebten die Teams der Elektroserie in der Gen2-Fahrzeugära "Hitzerennen" mit hohen Außentemperaturen. Unvergessen sind die Rennen in der chilenischen Hauptstadt Santiago, wo 2019 in den sengenden Sonne sogar Teile des Asphalts auf der Strecke aufbrachen, oder in Malaysia 2014 und 2015.

Ähnlich extrem dürften die Bedingungen beim ersten E-Prix in Indonesien werden. Die Formel E reist am Wochenende mitten in die Tropen, wo im Juni durchschnittliche Tagestemperaturen von 30,6 Grad Celsius erreicht werden. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage ist - auch wenn ihre Aussagekraft durch Jakartas Küstennähe und geografische Lage beschränkt ist - keine Ausnahme von diesem Trend.

  Mittwoch (01.06.) Donnerstag (02.06.) Freitag (03.06.) Samstag (04.06.) Sonntag (05.06.)
Temperatur (min.) 24°C 24°C 24°C 24°C 24°C
Temperatur (max.) 32°C 32°C 32°C 32°C 32°C
Regenwahrscheinlichkeit 70 % 70 % 40 % 50 % 50 %
Sonnenstunden 4 4 3 4 3

 

Die Bedingungen dürften den Jakarta E-Prix für alle Fahrer zu einer körperlichen Belastung machen. Ausreichende Hydrierung und Abkühlung sind zwischen den Sessions enorm wichtig, um während des Rennens nicht die Konzentration zu verlieren. Aber auch die Technik der Fahrzeuge wird in Indonesien auf die Probe gestellt.

Batterie-Grenzwert bei 72,5 Grad Celsius, sonst "hält das Auto an"

"Die Außentemperatur kann dein Leben komplett verändern", erklärt Maximilian Günther in einer Medienrunde mit 'e-Formel.de'. "Wir starten das Rennen mit einer kühlen Batterie. Manchmal kühlen wir sie sogar bewusst herunter, um eine bestimmte Temperatur zu erreichen. Im Rennverlauf steigt sie aber. Das harte Limit, das wir haben, liegt bei 72,5 Grad Celsius."

Diesen Grenzwert dürfen die Fahrer keinesfalls überschreiten, beschreibt der Deutsche. "Wenn man darüber geht, verlieren wir je 0,1 Grad Celsius 50 Kilowatt Leistung. Sobald wir also 72,9 oder 73,0 Grad erreichen, hält das Auto an, und das Rennen ist gelaufen. Auf keinen Fall dürfen wir über diese 72,5 Grad hinausgehen."

Dieser "Derating" genannte Prozess kam schon mehrfach in der Formel E vor. Günther profitierte bei seinem ersten Elektro-Sieg 2020 in Santiago selbst von den Außenbedingungen, als im Positionskampf mit Antonio Felix da Costa dem DS-Techeetah-Piloten die Batterie überhitzte. Im Samstagsrennen des Berlin E-Prix sorgte eine Plastiktüte über dem Kühler ebenfalls bei Felix da Costa für überhöhte Akkutemperaturen.

Günther sagt über den Indonesien-Lauf: "Wenn wir in Jakarta 20 Grad Celsius Außentemperatur haben, können wir in jeder Kurve so viel Energie wie möglich zurückgewinnen, um die Effizienz im Rennen nach Belieben zu gestalten. Wenn es aber 25 oder 30 Grad sind, müssen wir die Menge der Batterieerhitzung reduzieren. Und eine Menge davon kommt eben vom Rekuperieren."

"Auch während des Wochenendes können wir das in den Softwareparametern des Autos verändern, je nachdem, wie sich die Temperatur entwickelt", so Günther. "Zwei Grad können wirklich dein Leben ändern."

Der Jakarta E-Prix findet am kommenden Samstag, dem 4. Juni 2022, statt. Rennstart ist um 10:00 Uhr vormittags deutscher Zeit. ProSieben zeigt den Lauf live im Free-TV, e-Formel.de begleitet das gesamte Rennwochenende wie gewohnt mit Berichten, Hintergründen und unserem Liveticker.

Hinweis: Dieses Interview entstand im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von Shell Recharge.

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