Formel E

Formel E: FIA setzt finanzielle Anreize gegen vorzeitige Hersteller-Ausstiege in Gen3-Ära

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Formula-E-Racing-Boots

Die Formel E zieht erste Konsequenzen aus dem Ausstieg von Audi und BMW zum Ende der Saison 2021. Die Hersteller sollen mit finanziellen Anreizen geködert werden, den vierjährigen Gen3-Zyklus bis einschließlich 2026 vollständig zu durchlaufen. So sollen sie die Registrierungs- und Homologationsgebühr in Höhe von 300.000 Euro pro Saison durch einen vorzeitigen Ausstieg nicht mehr einsparen können.

Der Automobil-Weltverband FIA hat eine überarbeitete Fassung der Dokumente zur Hersteller-Registrierung für die Gen3-Ära ab Saison 9 veröffentlicht. Das Brisante daran: Es gibt einen entscheidenden Unterschied zur ersten Version. Ein Hersteller, der sich vor Ablauf der vier Saisons aus der Formel E zurückzieht, muss die Registrierungs- und Homologationsgebühr in Höhe von 300.000 Euro pro Saison bis zum Ende des Zyklus in Saison 12 weiterhin zahlen.

Dies sei "die einzige Verpflichtung des Herstellers und die einzige Entschädigung der FIA", so der neue Artikel 7.4 des Dokumentes im Wortlaut. Die Summe sei "innerhalb von 60 Tagen nach dem effektiven Datum des Rücktritts zu zahlen". Weiter heißt es dort: "Der Hersteller trägt die alleinige Verantwortung für alle Konsequenzen für die von ihm belieferten Wettbewerber."

Auf diese Art und Weise soll eine Wiederholung des Audi- und BMW-Ausstiegs in der Gen3-Ära verhindert werden. Wenn ein ausstiegswilliger Hersteller die Antrittsgebühr trotzdem bezahlen muss, kann er auch gleich bis zum Ende von Saison 12 teilnehmen, so wohl die Überlegung dahinter.

Die Rennserie würde durch einen erneuten Herstellerausstieg während der Gen3-Ära vor große Probleme gestellt: Neue Hersteller würden mit einem Einstieg vermutlich bis zur Einführung des Gen4-Fahrzeugs Ende 2026 warten. Bei einem Einstieg 2024 würde man für zwei Saisons einen Gen3-Antrieb entwickeln, während die direkten Konkurrenten bereits zwei Jahre Entwicklungsvorsprung hätten. Kaum vorzustellen, dass dies ein reizvolles Szenario für einen neuen Hersteller wäre.

Mehr Sicherheiten für Kundenteams

Außerdem ist so sichergestellt, dass "belieferte Wettbewerber", also Kundenteams, weiterhin an der Rennserie teilnehmen können und nicht plötzlich vor dem Aus stehen. Wie genau das in der Praxis ablaufen könnte, ist nicht klar - die Belieferung des Kundenteams auch nach dem offiziellen Ausstieg des Herstellers wäre eine mögliche Konsequenz.

Auch denkbar wäre, dass der aussteigende Hersteller mit einem Konkurrenz-Hersteller die Belieferung seines ursprünglichen Kundenteams nach seinem Ausstieg sicherstellt. Ob das Kundenteam dabei eine Einflussmöglichkeit oder gar eine Wahl hat, geht aus der Regelung jedoch nicht hervor.

Envision Virgin Racing wird auch nach dem Audi-Ausstieg am Ende der Saison 2021 das letzte Jahr der Gen2-Ära voraussichtlich mit Antrieben aus Ingolstadt bestreiten. Mit welchen Motoren das Andretti-Team starten wird, ist bislang nicht klar. Teamchef Roger Griffiths hatte nach dem BMW-Ausstieg verkündet, der Rennserie unbedingt erhalten bleiben zu wollen.

Für die Gen3-Ära haben sich bislang nur Mahindra und DS offiziell eingeschrieben. Bei Mercedes und Nissan wird eine offizielle Bekanntgabe des Verbleibs in der Formel E in Kürze erwartet. Die Frist läuft noch bis zum 31. März diesen Jahres.

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2 Kommentare

Derbe_klopp_te ·

Finde den Move jetzt nicht so galant. Weil sie Angst haben, dass noch mehr austreten, verpflichten sie jetzt alle zur weiterzahlung, falls der Fall eintritt?
Wie ist das jetzt nochmal mit dem Regelwerk bezüglich der Motorentwickling?
Bislang durfte man ja jedes Jahr einen neuen Motor homologisieren und seit corona nur noch im 2 JAhresrhytmus? Oder wird da was ganz eingefroren?

Fritz Zipfl ·

Wenn ein großer Konzern aussteigen will, dann steigt er aus. Was sind 300.000 €, wenn eine FE Saison insgesamt Millionen kostet ?!?! Scheint die Angst der FE, das noch weitere Hersteller aussteigen groß zu sein.

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