Formel E

Elektro-Rennwagen der Zukunft enthüllt: Formel E präsentiert neues "Gen3"-Auto in Monaco

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Die Formel E macht sich bereit für die Zukunft: Bei einer Präsentation im Hafen von Monaco, der auch 'e-Formel.de' beiwohnte, enthüllte die Elektro-Rennserie am Donnerstagabend ihr mit Spannung erwartetes "Gen3"-Auto, das ab der Saison 2023 zum Einsatz kommen soll. Neben einer brandneuen Karosserie besticht der Bolide auch durch erhöhte Leistungswerte und ein innovatives Schnellladesystem für "Tankstopps" während der Rennen.

Das Gen3-Fahrzeug wurde - wie schon seine beiden Vorgängermodelle - vom französischen Chassis-Hersteller Spark Racing Technologies entworfen und bestritt in den vergangenen Monaten unter höchster Geheimhaltung bereits erste Testfahrten. Der Look des Autos hebt sich deutlich vom Vorgängermodell, das in dieser Saison letztmalig zum Einsatz kommt, ab: Die Räder sind fortan nicht mehr vollständig verkleidet, die Heckpartie wurde grundlegend überarbeitet. Sie wurde mit LED-Streifen versehen, die im Attack-Mode blau aufleuchten.

Neu sind unter anderem ein X-förmiger Flügel über den Hinterrädern und eine Platte über dem Diffusor, der für den Großteil des Anpressdrucks verantwortlich sein wird. Um den Kopf der Fahrer bei Unfällen zu schützen, bildet erneut ein sogenannter Halo-Bügel aus Titan einen Kranz um den Helm. Das Schutzsystem wird bereits seit 2018 in der Formel E eingesetzt. Auffällig ist zudem eine Restrukturierung der Frontpartie, die einen Frontmotor zur Rückgewinnung von Bremsenergie beherbergen wird.

Mehr Leistung denn je

Unter der Haube erwarten die Teams und Hersteller ebenfalls umfassende Anpassungen. Die maximale Leistung des im Heck verbauten Antriebsstranges steigt von aktuell noch 250 auf 350 kW (476 PS), wodurch theoretische Spitzengeschwindigkeiten von 320 km/h möglich sein sollen. Der Frontmotor darf ausschließlich zur Energierückgewinnung (max. 250 kW) genutzt werden.

Gemeinsam können beide Motoren Energie mit einer kombinierten Leistung von 600 kW (!) rekuperieren, wodurch der Gen3-Wagen komplett auf eine hydraulische Bremsanlage an den Hinterrädern verzichten kann. Das Gesamtgewicht des Autos sinkt von 900 auf 780 Kilogramm. Gewichtseinsparungen erzielte die Formel E zudem mit einer deutlich leichteren 51-kWh-Batterie, die wie schon in der ersten Formel-E-Generation von Williams Advanced Engineering (WAE) bereitgestellt wird. In den vergangenen vier Jahren kamen Akkus für alle Teams von McLaren Applied und Atieva.

Übersicht: Die technischen Daten des Gen3-Autos der Formel E

Kategorie Gen3 (ab 2023) Gen2 (2018-2022) Gen1 (2014-2018)
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h 280 km/h 225 km/h
Leistung (Qualifying) 350 kW (476 PS) 250 kW (340 PS) 200 kW (272 PS)
Leistung (Rennen) 300 kW (408 PS) 220 kW (299 PS) 180 kW (245 PS)
Batterie-Kapazität (nutzbar) 51 kWh 52 kWh 28 kWh
max. Rekuperation 600 kW (v: 350 / h: 250) 250 kW 150 kW
Länge 5.000 mm 5.160 mm 5.000 mm
Breite 1.700 mm 1.770 mm 1.800 mm
Gesamtgewicht (inkl. Fahrer) 780 kg 900 kg 880 kg
Gewicht Batterie 284 kg 385 kg 230 kg

Reigle: "Ein Auto direkt aus der Zukunft"

"Wir freuen uns riesig, heute unser neues Auto vorstellen zu können", kommentiert Formel-E-Geschäftsführer Jamie Reigle die Gen3-Enthüllung gegenüber 'e-Formel.de'. "Wir wollen den Standard für Elektroautos setzen, weshalb wir große Verbesserungen bei der Performance angestrebt haben. Die Fahrzeuge sind leichter und werden zwei bis vier Sekunden pro Runde schneller sein. Das ist richtig gut!"

"Unsere Ambition ist es, eine Weltklasse-Sportart zu sein. Jeder soll die Topfahrer und Topteams kennen. Dazu müssen wir unsere sportliche Integrität wahren, auf großen Bühnen auftreten und ein Auto haben, das diese Ziele abbildet. Dieses Design sieht so aus, als würde es direkt aus der Zukunft kommen - ganz anders als alle anderen Rennautos auf der Welt. Der Look ist mutig - und genau darum soll es in der Formel E gehen! Wir wollen Grenzen verschieben."

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem findet: "Sowohl technologisch als auch ökologisch setzt das Gen3-Auto neue Maßstäbe im Motorsport. Die Entwicklungsteams der FIA und Formel E haben großartige Arbeit geleistet, und ich danke ihnen für ihre harte Arbeit an diesem Projekt. Ich freue mich, dass sich so viele führende Hersteller bereits für die nächste Ära der Meisterschaft eingeschrieben haben, und sehe dem Debüt des Gen3 in Saison 9 mit großer Vorfreude entgegen."

Henry Chilcott, der bei der Formel E für das Marketing verantwortlich zeichnet, fügt hinzu: "In diesem Auto kommen einige Aspekte der Formel E zur Geltung. Zuerst wollen wir mutig und disruptiv sein. Dieser Aspekt begleitet uns schon seit unserer Gründung. Da draußen gibt es viele verschiedene Formen des Motorsports, von denen wir aber kein Teil sein wollen. Wir möchten anders als sie sein."

"Zudem sind wir - logischerweise - elektrisch. Das meine ich aber nicht nur aus einer technologischen Perspektive. Wir wollen nämlich auch ein elektrisierendes Gefühl mit unserer Serie erzeugen. Zuletzt sind wir auch einfach optimistisch. In der aktuellen Welt ist Optimismus rar. Deshalb hoffen wir, dass wir es mit dieser Meisterschaft schaffen können, die Vorstellungskraft unserer Fans anzuregen und sie zu inspirieren, die Welt nachhaltiger zu machen. Dieses Auto ist eine Manifestierung all dieser Dinge und zeigt der Welt, dass hohe Leistung und Nachhaltigkeit gemeinsam existieren können."

Neues Rennformat mit Schnelllade-Boxenstopps geplant

Mit dem Start in die Gen3-Ära wird die Formel E zudem ihr Rennformat anpassen. Waren Boxenstopps in der zweiten Fahrzeuggeneration üblicherweise nicht während eines E-Prix vorgesehen, dürften die Fahrer ab 2023 wieder regelmäßiger ihre Garagen ansteuern. Dort sollen sie sich dank Schnellladetechnologie während der Rennen neuen Strom holen können. Laut offizieller FIA-Ausschreibung soll bei rund 30-sekündigen Ladestopps mit 600 kW Leistung geladen werden können. Eine offizielle Bestätigung der technischen Daten des Ladesystems von Formel-E-Partner ABB oder Abläufe der Boxenstopps stehen derzeit noch aus. Nach Informationen von 'e-Formel.de' wertet die FIA weiterhin Daten der ersten Testfahrten aus.

Die neuen Gen3-Fahrzeuge sollen in den nächsten Wochen an die Hersteller der Formel E ausgeliefert werden. Diese bestreiten dann nach dem Einbau ihrer eigenen Antriebsstränge (Motoren, Getriebe, Inverter) erste Testfahrten mit dem Auto. Offiziell möglich ist dies ab dem 1. Mai 2022.

Zunächst richtet sich der Fokus der Teams jedoch auf das nächste Rennen der laufenden Saison 2022, in der am Samstag (30. April) der Monaco E-Prix auf dem Programm steht. ProSieben zeigt den Lauf im deutschen Free-TV, e-Formel.de begleitet das Wochenende vor Ort mit ausführlichen Berichten. Livestreams und einem eigenen Liveticker.

Video: Das neue Gen3-Auto der Formel E in Action!

Zurück

3 Kommentare

Thomas Imhof ·

Auf den Bildern sieht das Auto eher hässlich aus, im Video kommt es dann viel besser zur Geltung

Karl3 ·

Waren das alles Renderings bei der Präsentation in Monaco? Oder war schon ein echtes Auto auch dort?

Timo ·

@Karl3: Es gab ein reales Auto, siehe Tweet mitten im Text. Im Video unter dem Text sieht man es außerdem in voller Fahrt. ;) Gruß, Timo

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 3.
Advertisement