Formel E: Griffiths sieht kurz vor Gen4-Test Teileengpässe durch späten Fusion-Einstieg
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Nur wenige Wochen vor dem ersten gemeinsamen Gen4-Test sorgt der späte Einstieg von Fusion Formula E für zusätzliche Herausforderungen. Zulieferer hatten ursprünglich nur für elf Teams geplant, nun müssen kurzfristig weitere Komponenten für zwei Porsche 975 RSE bereitgestellt werden. Besonders bei Batterien und Teilen des vorderen Antriebsstrangs könnte es für den Madrid-Test eng werden.
Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Fusion Formula E in der kommenden Saison als zwölftes Team in die Weltmeisterschaft einsteigt. Das neu gegründete Team setzt zwei Porsche 975 RSE ein und wird vom ehemaligen Jaguar- und DS-Penske-Technikchef Phil Charles geführt. Weil die Entscheidung jedoch erst sehr spät gefallen ist, müssen nun auch die Zulieferer ihre ursprünglich auf elf Teams ausgelegte Planung kurzfristig anpassen.
Während die vollständige Besetzung des Starterfeldes für die Formel E langfristig ein positives Signal darstellt, bringt der äußerst späte Einstieg zusätzlichen Druck in die Lieferkette. Für Fusion müssen nun Komponenten für zwei weitere Fahrzeuge bereitgestellt werden, die in den ursprünglichen Planungen nicht vorgesehen waren.
"Ich denke, die größte Herausforderung bei Gen4 ist der späte Einstieg des zwölften Teams und die Frage, was das für die Verfügbarkeit von Teilen und die Lieferung von Dingen wie Batterien bedeutet", erklärt Roger Griffiths, Vorsitzender der Formula E Teams and Manufacturers Association (FETAMA), im Podcast Racers Voice.
Fusion-Einstieg setzt Zulieferer unter Zeitdruck
Für die Zulieferer sei dies vor allem ein logistisches Problem. "Die ganze Zeit über waren nur elf Teams vorgesehen. Das zwölfte Team bringt deshalb eine zusätzliche Schwierigkeit mit sich", so Griffiths. Derzeit werde darüber gesprochen, wie die Situation gelöst werden könne.
Die Herausforderung betrifft dabei nicht ausschließlich Fusion. Einige Einheitskomponenten müssen für das gesamte Starterfeld verfügbar sein. Nach Informationen von FE Notebook soll es insbesondere bei den Batterien sowie den Komponenten des vorderen Antriebsstrangs zeitlich eng sein. Diese gehören zu den Einheitskomponenten der Gen4-Autos. Die jeweiligen Zulieferer müssen deshalb kurzfristig zusätzliche Exemplare für die beiden Fusion-Fahrzeuge bereitstellen. Die beteiligten Unternehmen hätten laut Griffiths ihre Produktions- und Lieferplanung jedoch auf Grundlage der ursprünglich gemeldeten Anzahl von Teams vorgenommen. Griffiths sieht darin allerdings kein grundsätzliches Hindernis. Die Situation sei "keineswegs ein Showstopper", müsse angesichts der knappen Zeit jedoch genau beobachtet werden.
"Man kann nicht einfach spekulativ Geld in ein Problem werfen", erklärt Griffiths. Gleichzeitig betont er, dass der Einstieg eines zwölften Teams ausdrücklich begrüßt werde. Dass nun sämtliche zwölf möglichen Formel-E-Lizenzen genutzt würden, sei ein starkes Signal für die Meisterschaft. Die dadurch entstandenen kurzfristigen Schwierigkeiten müsse man nun gemeinsam lösen.
Wettrennen gegen die Zeit bis zum Vorsaisontest
Besonders relevant wird die Situation mit Blick auf die offiziellen Vorsaison-Testfahrten auf dem Circuito del Jarama. Mitte November sollen dort erstmals sämtliche Gen4-Teams gemeinsam testen. Laut FE Notebook gibt es im Formel-E-Fahrerlager Spekulationen darüber, ob Fusion rechtzeitig vollständig einsatzbereit sein wird. Die eigentlichen Fahrzeuge sollen zwar voraussichtlich fertiggestellt werden können, bei einigen Einheitskomponenten besteht jedoch offenbar noch Unsicherheit. Phil Charles arbeitet derweil mit Hochdruck am Aufbau des neuen Teams. Er war bereits im Porsche-Motorsportzentrum in Weissach sowie beim jüngsten Test in Monza vor Ort, um die Vorbereitung der Fahrzeuge zu beschleunigen. Parallel dazu läuft die Rekrutierung von Mitarbeitern.
Fusion erhielt demnach erst Anfang Oktober endgültig grünes Licht für das Projekt. Damit bleiben nur wenige Wochen, um praktisch eine komplette Rennmannschaft aufzubauen und zwei Gen4-Fahrzeuge testbereit zu machen. Beim Madrid-Test soll Fusion dennoch mit zwei Fahrern antreten. Als Kandidat gilt unter anderem Porsche-Werksfahrer Ayhancan Güven. Die endgültige Stammbesetzung könnte erst nach den Vorsaisontests feststehen.
Wem gehört die zwölfte Formel-E-Lizenz?
Neben der logistischen Herausforderung wirft der Einstieg offenbar noch eine weitere Frage auf: Wem gehört die zwölfte Formel-E-Lizenz eigentlich?
Porsche hatte die zuvor ungenutzte Lizenz im vergangenen Jahr übernommen. Ursprünglich wollte der deutsche Hersteller damit ein zweites Werksteam für die Gen4-Ära einsetzen. Diese Pläne wurden inzwischen geändert: Fusion soll stattdessen als eigenständiges Kundenteam antreten. Im Fahrerlager herrscht jedoch Unklarheit darüber, ob die Lizenz weiterhin Porsche gehört oder inzwischen auf Fusion übergegangen ist. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es derzeit offenbar nicht.
Damit bleibt neben den kurzfristigen logistischen Herausforderungen auch die Besitzfrage rund um die zwölfte Formel-E-Lizenz offen. Klar ist bislang nur: Fusion soll die Gen4-Ära als eigenständiges Porsche-Kundenteam bestreiten - unter erheblichem Zeitdruck bis zum ersten offiziellen Vorsaisontest.
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