Formel E

Formel-E-Gründer Agag hat "kein Verständnis" für Mercedes-Ausstieg, doch "neue Hersteller bald an Bord"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Valencia-Vandoorne-Electric-Racing

Am 28./29. Januar 2022 startet Mercedes beim Diriyya E-Prix in seine vorerst letzte Formel-E-Saison. Im Anschluss an das achte Meisterschaftsjahr ziehen sich die Stuttgarter aus der Elektroserie zurück, um sich vor allem auf das eigene Formel-1-Projekt zu fokussieren. Die Entscheidung sorgte für viel Wirbel im Formel-E-Fahrerlager - und auch für Verwirrung beim Gründer der Meisterschaft, Alejandro Agag.

Der Spanier, inzwischen Vorstandsvorsitzender der Formel E, sei nach wie vor "vollkommen verblüfft" von Mercedes' Entscheidung. Der kurz nach dem Berlin E-Prix 2021 bestätigte Ausstieg war das Ergebnis monatelangen Zögerns und Verhandelns über eine Teilnahme an der Gen3-Ära, die mit Saison 9 anläuft.

"Ich kann diese Entscheidung einfach nicht nachvollziehen", sagt Agag bei 'Motorsport TV'. "Sie verkaufen mehr und mehr elektrische Autos und werden ab 2030 keine Verbrennerfahrzeuge mehr in Großbritannien verkaufen. Sich jetzt auf eine Verbrennerserie (wie die Formel 1) zu konzentrieren, ist eine Entscheidung, die ich nicht verstehen kann."

Agag weiter: "Vielleicht ist das eine Art 'letzter Tanz'. Sie wollen die letzten Jahre, die sie Benzin verbrennen können, genießen, bevor sie ab 2030 oder etwas früher zurück in den Elektromotorsport kommen."

Für die Saison 2022/23 sind derzeit sieben verschiedene Hersteller eingeschrieben: Porsche, Jaguar, DS Automobiles, Nissan, Mahindra sowie Shanghai Lisheng Racing, der Konstrukteur hinter Nio 333. Porsches Gen3-Bekenntnis ist vorerst jedoch nur für die ersten zwei Gen3-Jahre angesetzt und müsste ab 2024/25 verlängert werden, sollte das Team aus Weissach darüber hinaus in der Formel E antreten wollen.

Wie die Zukunft des Mercedes-Teams aussieht, ist indes weiterhin ungewiss. Erst kürzlich zog das Mercedes-Einsatzteam aus dem schwäbischen Affalterbach, der Basis des Vorgänger-Rennstalls HWA Racelab, ins auch vom Formel-1-Team genutzte Hauptquartier nach Brackley (Großbritannien) um. Das Personal des Brackley-Einsatzteams habe großes Interesse, weiterhin in der Formel E anzutreten, hieß es zuletzt - wenn auch nicht mehr unter dem Mercedes-Banner. Eine Ankündigung zur Privatteam-Zukunft wird in den kommenden Wochen erwartet.

Kundenteam-Bewerbung bis 15. Januar 2022 fällig

"Wir haben aber auch andere Hersteller, die sehr bald an Bord kommen werden", kündigt Agag an, wird jedoch nicht konkreter. Stattdessen betont er: "Unsere Meisterschaft wird auch von fantastischen unabhängigen Teams ausgemacht. Die Formel E ist in großartiger Form!"

Sollte Mercedes' Formel-E-Einsatz auch in der übernächsten Saison fortgesetzt werden, bleibt den Verhandlungsführer:innen nicht mehr viel Zeit. Schließlich läuft bereits am 15. Januar 2022 die Frist ab, um Liefervereinbarungen zwischen Herstellern und Kundenteams zu schließen. Davon betroffen sind zudem die Rennställe Envision, Andretti und Venturi, die derzeit mit Antriebspaketen von Audi, BMW und Mercedes ausgestattet werden.

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