Formel E

Formel E in Jakarta: Mitch Evans feiert knappen Sieg vor Jean-Eric Vergne

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Mitch-Evans-Formula-E-Jakarta

Mitch Evans ist der erste Sieger eines Formel-E-Rennens in Indonesien. In einem taktisch anspruchsvollen E-Prix in Jakarta setzte sich der Neuseeländer gegen Jean-Eric Vergne und Edoardo Mortara durch, die das Ziel in geringen Abständen auf den Rängen 2 und 3 erreichten. Das erwartete Unwetter blieb zwar aus, dennoch wurde das Rennen für die Fahrer durch extreme Außenbedingungen zu einer großen physischen Herausforderung.

Wenige Stunden vor dem Rennen hatte sich der zweifache Formel-E-Meister Jean-Eric Vergne die Pole-Position für den Jakarta E-Prix gesichert. Der Franzose teilte sich die erste Startreihe mit seinem Teamkollegen Antonio Felix da Costa, der Vergne in der ersten Phase des Rennens Rückendeckung geben sollte.

Am Start behielten die DS-Teamkollegen zunächst die Nase vorn, wenngleich Mitch Evans (Jaguar) von Startplatz 3 einen Angriff auf das Duo wagte. Im Mittelfeld machte Pascal Wehrlein (Porsche) frühzeitig Boden gut und überholte bereits in der ersten Runde drei Fahrzeuge.

Der zweite Porsche-Fahrer Andre Lotterer geriet am Start mit Nyck de Vries (Mercedes) aneinander und übernahm mit einem robusten Manöver den neunten Platz vom Niederländer. Wenige Augenblicke später drehte sich Antonio Giovinazzi am Ende des Feldes nach einem Kontakt mit seinem Dragon-Teamkollegen Sergio Sette Camara.

Rowland verliert ein Rad - Safety-Car

Kurz darauf rief die Rennleitung die erste Safety-Car-Phase des Rennens aus, denn Oliver Rowland (Mahindra) hatte abseits der TV-Bilder sein linkes Vorderrad verloren. Der Hintergrund des Fahrzeugschadens war zunächst nicht bekannt. Der Brite steuerte seinen Renner aus eigener Kraft in den Notausgang von Kurve 2, wodurch das Rennen nach nur zwei Runden neu gestartet werden konnte. Durch die Unterbrechung wurde der ursprünglich für 45 Minuten + 1 Runde angesetzte E-Prix um 1:30 Minuten verlängert.

In der ersten Phase nach dem Restart machte Mitch Evans Druck auf Felix da Costa. Der Neuseeländer zwang seinen Rivalen in Kurve 7 in einem Bremsfehler, dank dem der Jaguar-Pilot durchschlüpfen konnte. Am Ende des Feldes aktivierte Robin Frijns (Envision) kurz darauf als erster Fahrer seinen Attack-Mode - wenig überraschend waren alle Fahrer auch dieses Mal zweimal für je vier Minuten zur Fahrt im 250-kW-Modus verpflichtet.

Nach etwa zehn Minuten fuhren sowohl Vergne als auch Felix da Costa zum ersten Mal durch die Attack-Zone. Beide verloren jeweils eine Position: Evans übernahm den ersten Platz von Vergne, der auf Position 4 gestartete Mortara den dritten Rang von Felix da Costa. Eine Runde später versuchte Evans erfolgreich, den Undercut-Versuch von Felix da Costa abzuwehren. Auch er fuhr durch die Aktivierungszone, wodurch Vergne erneut die Führung übernahm und Mortara eine weitere Position gutmachte. Die neue Reihenfolge der Top 5 zu diesem Zeitpunkt: Vergne vor Mortara, Evans, Felix da Costa und Dennis.

Rhythmus-Rennen im Mittelfeld, Taktik-Spiele an der Spitze

Bald darauf fanden die Fahrer im Mittelfeld in einen energiesparenden "Rhythmus". Insbesondere Lucas di Grassi und die zwei Porsche-Fahrer konnten dabei mit guter Pace überzeugen, während sie mit Dennis und Stoffel Vandoorne (Mercedes) um den letzten Platz in den Top 5 kämpften.

In Runde 15 aktivierte schließlich auch Edoardo Mortara seinen ersten Attack-Mode. Bei der Fahrt aus der Aktivierungszone kehrte er hinter Jake Dennis auf die Strecke zurück, konnte sich allerdings knapp vor Felix da Costa halten. Der Portugiese überholte wenig später Dennis und übernahm wieder Platz 4, der Podiumsplatz war jedoch an Mortara verloren.

Kurz vor der Halbzeit des Rennens dann die nächsten Führungswechsel: Jean-Eric Vergne ging ein zweites Mal durch die Attack-Zone und überließ Evans für wenige Runden den ersten Platz. Mit der zusätzlichen Leistung stürmte der Franzose kurz darauf jedoch wieder zurück auf den ersten Rang und begann damit, seinen Akku zu schonen. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand Evans die meiste Energie zur Verfügung, die er in einem späten Angriff auf die Führung nutzen wollte.

Felix da Costa fällt vom Podium, Evans bläst zum Angriff

Eine Viertelstunde vor Rennende schalteten kurz nacheinander Mortara und Evans in den Attack-Mode. Mortara fiel für zwei Runden hinter Felix da Costa zurück, ehe er Rang 3 zurückeroberte. Evans konnte hingegen die vollständigen vier Attack-Mode-Minuten für seinen Angriff auf Vergne nutzen. Mit 250 kW stürmte er an den Franzosen heran und setzte bei seiner Aufholjagd unter anderem die schnellste Rennrunde, für die er nach dem Rennen einen Bonuspunkt für sein WM-Konto bekam.

Evans konnte seinen Rückstand auf rund 0,5 Sekunden verringern, ehe sein Attack-Mode endete. Dank seines Energiepolsters konnte der Jaguar-Pilot jedoch auch mit 220 kW das Tempo des Franzosen mithalten. In Runde 31 überrumpelte er Vergne schließlich in Kurve 7: Evans zog innen vorbei und übernahm die Führung!

Evans gewinnt in Jakarta - Top 3 innerhalb von einer Sekunde

Während sich der Strecke dichte Regenwolken näherten - für den Zeitraum des E-Prix war ursprünglich ein tropischer Gewittersturm vorhergesagt -, erhöhte Vandoorne auf Position 5 das Tempo. Der Belgier machte Druck auf Antonio Felix da Costa und setzte unter Einsatz des FANBOOSTs zu einem Manöver auf der Hauptgerade an, kam jedoch nicht vorbei. Ähnliches probierte Vergne gegen Evans, doch auch sein Konterversuch misslang.

In der Schlussphase wurde es noch einmal hektisch: Mit seinen letzten Akku-Prozenten attackierte Vergne Evans in Kurve 1, wodurch der Neuseeländer abseits der Ideallinie fahren musste. Mit verschmutzten Reifen geriet Evans auch in den nächsten Kurven in Bedrängnis, konnte seinen Jaguar-Renner jedoch vorn halten. Durch den Zweikampf schloss überraschend der Drittplatzierte Mortara zum Führungsduo auf und wirkte zwischenzeitlich gar als Siegkandidat. Doch auch der Schweizer konnte keinen erfolgreichen Angriff abschließen.

Somit gewann Mitch Evans vor Jean-Eric Vergne und Mortara, Felix da Costa und Stoffel Vandoorne komplettierten die Top 5. Sechster wurde Jake Dennis (Andretti) vor Lucas di Grassi und Pascal Wehrlein. Andre Lotterer überquerte den Zielstrich auf Platz 9, wurde jedoch von einer 5-Sekunden-Zeitstrafe aus den Punkterängen gespült. Der Deutsche war abermals mit de Vries kollidiert, wobei er den linken Hinterreifen des Niederländers aufschlitzte und das Ende des Rennens - und womöglich der WM-Ambitionen - vom amtierenden Champion besiegelte. Sam Bird (Jaguar) und Sebastien Buemi (Nissan) rutschten somit in die Top 10 auf.

In der Fahrerwertung hält sich Vandoorne somit auf Position 1, allerdings beträgt sein Vorsprung auf den neuen Zweiten Vergne nur noch fünf Punkte. Wenige Zähler dahinter folgen Mortara und Evans. Die Teamwertung führt weiterhin Mercedes an. Das nächste Formel-E-Rennen findet am am 2. Juli 2022 in Marrakesch statt.

Ergebnisse, Zeiten & Startaufstellung

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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