Formel E

Formel E in London: Mitch Evans gewinnt Chaosrennen, doch Jake Dennis ist Weltmeister 2023!

Timo Pape

Timo Pape

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Jake Dennis ist Formel-E-Weltmeister 2023! In einem äußerst turbulenten und packenden Samstagsrennen in London reichte dem Andretti-Piloten ein zweiter Platz zum vorzeitigen Titelgewinn. Der Sieg am Samstag ging an Mitch Evans im Jaguar. Sebastien Buemi komplettierte das Podium und sicherte seinem Team Envision wichtige Punkte. Die Team-Weltmeisterschaft wird erst am Sonntag entschieden.

Pole-Sitter Nick Cassidy kam gut aus seiner Startposition und verteidigte seine Führung in Kurve 1. Dahinter wurde er jedoch eng: Sebastien Buemi im zweiten Envision zwängte sich an Titelfavorit Jake Dennis vorbei und übernahm Platz 2! "Ich wurde ganz schön oft getroffen in Kurve 1!", klagte Dennis am Funk. Er kam jedoch ohne Schaden als Dritter durch die erste Runde. Dahinter verlor Dan Ticktum zwei Positionen: sowohl Rene Rast als auch Mitch Evans gingen am Briten vorbei. Ticktum versuchte in der nächsten Runde zu kontern, doch Evans hielt dagegen.

In Runde 3 holten sich bereits die ersten Fahrer ihren Attack-Mode, jedoch niemand aus der Spitzengruppe außer Ticktum. An der Spitze konnte sich Cassidy leicht absetzen. Sein Teamkollege Buemi hingegen schien Dennis - womöglich bewusst - aufzuhalten. Diese teamstrategisch clevere Herangehensweise brachte Cassidy in die Position, seinen ersten Attack-Mode holen zu können, ohne die Führung zu verlieren.

In Kurve 1 krachte es zwischen Edo Mortara und Stoffel Vandoorne: Der Belgier verschätzte sich beim Bremsen und krachte ins Heck des Maserati, woraufhin sich Mortara einmal drehte, jedoch weiterfahren konnte. Auch am Ende der Runde schepperte es: Robin Frijns drehte sich im Zweikampf mit Sergio Sette Camara. Der ABT-Bolide des Niederländers blieb zwischenzeitlich quer auf der linken Fahrspur stehen und versperrte Lucas di Grassi den Weg.

Packende Duelle & Envision-Drama!

Auch vorn passierte einiges: Evans griff in Runde 7 Dennis an und ging auf der Innenbahn überraschend an seinem Titelrivalen vorbei. Derweil holte sich Cassidy bereits seinen zweiten Attack-Mode. Die dramatischen Wendungen für Dennis hörten nicht auf: Der Brite fuhr durch die Attack-Zone, verpasste jedoch die Aktivierungsschleifen und fiel hinter Rast auf Platz 5 zurück. Als der Deutsche später seinerseits den Attack-Mode (erfolgreich) aktivierte, fiel er wieder hinter Dennis zurück. An der Spitze fuhr nun Evans, weil die beiden Envision-Fahrer durch die Attack-Zone gefahren waren.

Am Ende von Runde 10 griff Dennis überraschend Cassidy an und quetschte sich in der Kurvenkombination 19/20 außen herum vorbei. Dennis nun wieder vorn, jedoch nicht lang. Denn auch Cassidy ließ nicht locker und griff in Runde 13 seinerseits mit viel Testosteron an. Mit ebenso harten Bandagen kämpfte er sich wieder an Dennis vorbei und übernahm Platz 4 von ihm. Davor: Evans, Rast und Buemi. Wie durch ein Wunder gab es bis dahin noch keine Unfälle in der Spitzengruppe.

Dann nahm der London E-Prix eine weitere dramatische Wendung: Cassidy versuchte, wieder an seinem Teamkollegen Buemi vorbeizukommen. Dieser verteidigte sich jedoch, als ginge es um den Titel für ihn, offenbar jedoch ohne eine Anweisung seines Teams zu erhalten. In Kurve 2 kam es tatsächlich zum Kontakt zwischen den beiden Envision-Piloten, als sich Cassidy wieder hinter Buemi einsortieren wollte! Ein völlig unnötiger Teamkollegen-Crash, der Cassidy aus dem Titelkampf nahm! Denn wenig später fiel sein beschädigter Frontflügel ab und rutschte unter das Auto. Cassidy schleppte sich an die Box zurück, um den Flügel austauschen zu lassen.

Dennis verpasst Attack-Zone doppelt & wütet gegen Porsche

Aufgrund der zahlreichen Trümmerteile auf dem Kurs rief die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke. Die Reihenfolge der Top 5 zu diesem Zeitpunkt: Evans, Buemi, Rast, Wehrlein und Dennis. Letzterer hing schon mehrere Runden hinter seinem Markenkollegen aus Deutschland und beschwerte sich mehrfach lautstark am Funk, dass ihn der Porsche-Fahrer nicht vorbeilasse - Andretti und Porsche pflegen eine Antriebspartnerschaft. Offenbar hatte es am Vorabend des Rennens Absprachen gegeben, was in gewissen Szenarien von den Fahrern erwartet würde - zumindest laut Dennis.

Am Ende von Runde 18 kam das Safety-Car wieder rein. Zunächst gab es keine Positionswechsel in den Top 10. In Runde 21 versuchte sich Dennis zum zweiten Mal in der Attack-Zone und verpasste die Aktivierung erneut - noch mehr Drama! "Mein Attack-Mode funktioniert nicht!", schrie er am Funk. Eine Runde später klappte es jedoch. Ein technisches Problem lag also offenbar nicht vor. Dann kam es zum Kontakt zwischen Max Günther und Antonio Felix da Costa, erneut flogen Teile. Cassidy gab derweil sein Rennen - und seine letzten Titelhoffnungen - in Runde 23 in der Box auf.

Nun verpasste auch Wehrlein den Attack-Mode und fiel hinter Dennis zurück, der nun Vierter war. Vor ihm fuhren weiterhin Evans, Buemi und Rast. Die zweite Hälfte der Top 10 führte Felix da Costa an und fuhr vor Norman Nato, Sam Bird, Günther und Stoffel Vandoorne. In Runde 27 von 36 lag das Feld noch sehr dicht beisammen. Es verging keine Minute ohne packende Zweikämpfe.

Schwerer Einschlag von Fenestraz führt zu Rennunterbrechung

Dann krachte es erneut heftig: Sacha Fenestraz fuhr in Kurve 15 ins Heck von Sergio Sette Camara, stieg am Nio 333 auf und rutschte anschließend mit hoher Geschwindigkeit  geradeaus in die Auslaufzone von Kurve 16. Frontal schlug er hart in die TecPro-Barriere ein. Die Frontpartie seines Nissan nahm schweren Schaden, sofort kamen Safety-Car und Medical-Car auf die Strecke. Fenestraz konnte jedoch aus eigener Kraft aussteigen.

Fast zeitgleich kam es auch noch weiter vorn zur Kollision: Wehrlein setzte auf der Start- und Zielgeraden zum Angriff gegen seinen Landsmann Rast an. Der McLaren-Pilot auf der Innenbahn konnte jedoch anscheinend nicht rechtzeitig bremsen und steuerte in die Seite des Porsche-Fahrers. Wehrlein rutschte im 45-Grad-Winkel in die TecPro-Barriere, beschädigte sich seinen Frontflügel und fiel ans Ende des Feldes zurück. Damit war der nächste Titelkandidat mit theoretischen Restchancen aus dem WM-Kampf ausgeschieden!

Auch Rasts Auto hatte größeren Schaden genommen - sein Frontflügel war unter sein Auto gerutscht. In Runde 32 ließ die Rennleitung rote Flaggen schwenken und unterbrach das Rennen. "Die Reparaturen an der TecPro-Barriere dauern länger als erwartet", funkte Rennleiter Scot Elkins an alle Teams. "Die Fahrer dürfen ihre Autos verlassen. Ich werde euch rechtzeitig eine Warnung geben, wenn es wieder losgehen kann." Rast hatte seinen beschädigten McLaren kurz vor Ausruf der Unterbrechung auf der Strecke abgestellt, sollte später aber noch am Ende des Feldes weiterfahren können.

Buemi verliert Pace & verursacht Massenstau

Nach 21 Minuten Pause ging es mit einem "fliegenden" Start weiter. Noch waren vier Rennrunden zu absolvieren. Evans verteidigte seine Führung vor Buemi und Felix da Costa. Evans fuhr durch die Attack-Zone und konnte Platz 1 behaupten - Jubel in der Jaguar-Box. Buemi hingegen verlor nach seiner eigenen Attack-Mode-Aktivierung an Vortrieb und fiel plötzlich zurück - Desaster für das WM-Spitzenteam Envision! Felix da Costa übernahm somit Platz 2, Dennis war nun Dritter. Dahinter versuchte Buemi verzweifelt, seine Position gegen Norman Nato zu verteidigen.

In Kurve 19 zeigte sich Nato spät auf der Innenbahn, um Buemi zu überholen, der das gesamte Feld dahinter aufhielt. Buemi lenkte jedoch dagegen, es kam zur Kollision. Buemi und Nato rutschten dadurch unglücklich in die TecPro-Barriere, sodass auch Bird und Vandoorne auffuhren und sich verkeilten. Es gab kein Durchkommen mehr. So gab es weitere leichte Auffahrunfälle dahinter - die nächste rote Flagge! "Absolut lächerlich von Seb (Buemi), lächerlich!", schimpfte Bird am Funk. Außerdem waren kurz zuvor Roberto Merhi und Jake Hughes aneinandergeraten: Der Mahindra-Pilot schickte den Briten in die Mauer von Kurve 3.

Erneut fuhren alle verbliebenen Piloten in die Boxengasse und reihten sich auf. Die Top 3 - Evans, Felix da Costa und Dennis - hatten jedoch eine Runde mehr als alle anderen blockierten Fahrer absolviert, was zu einiger Verwirrung bei der Reihenfolge für den Neustart führte. So beorderte Rennleiter Elkins nach der Unterbrechung zunächst alle anderen Piloten hinter dem Safety-Car auf die Strecke, um sich "zurückzurunden". Eine Runde später sortierten sich auf die Top 3 hinter dem Safety-Car ein.

Dennis' Sprint zum WM-Titel

Mit einem weiteren "fliegenden" Start und zwei verbleibenden Runden ging es noch einmal im Renntempo weiter. Evans verteidigte seine Führung beim Neustart erneut problemlos. Dahinter weiterhin: Felix da Costa, Dennis - auf Titelkurs -, Buemi und Nato. Ja, auch die Unfallverursacher konnten weiterfahren. Das Energiemanagement spielte nun keine Rolle mehr: Alle Fahrer setzten zum finalen Sprint mit Vollstrom an. Es kam jedoch nicht mehr zu nennenswerten Veränderungen mehr!

Evans fuhr als Sieger ins Ziel, Felix da Costa wurde Zweiter, erhielt jedoch fast unmittelbar eine Zeitstrafe für ein technisches Vergehen, die ihn auf den letzten Platz zurückwarf! Dennis rückte dadurch auf Platz 2 vor und sicherte sich vorzeitig den Weltmeistertitel 2023! Buemi komplettierte das Podium und landete vor Bird, Sette Camara, der das beste Saisonergebnis für Nio 333 holte, und Mortara.

Die Team-Weltmeisterschaft in der Formel E entscheidet sich erst in gut 24 Stunden, denn noch können vier Teams den Titel holen: Envision, Jaguar, Porsche und Andretti. Voraussichtlich wird es auf ein Duell zwischen dem Jaguar-Werksteam und seinem Kundenteam Envision hinauslaufen. Envision hat einen Lauf vor Schluss gerade einmal acht Punkte Vorsprung auf Jaguar.

Das zweite Rennen beim Hankook London E-Prix - das letzte der Saison 2023 - findet am Sonntag statt. Start ist erneut um 18:00 Uhr (MESZ). e-Formel.de begleitet wie gewohnt alle Sessions des Tages ab 11:30 Uhr mit einem kostenlosen Livestream und/oder im Hankook Formel E Liveticker.

Ergebnisse & Zeiten

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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