Formel E

Formel E in Sao Paulo: Mitch Evans gewinnt Premierenrennen in Brasilien, Jaguar dominiert Konkurrenz

Timo Pape

Timo Pape

Aerial-Evans-Sao-Paulo

Mitch Evans hat einen ereignisreichen ersten Sao Paulo E-Prix der Formel E für sich entschieden. Der Jaguar-Pilot setzte sich in einer spannenden Schlussphase gegen seinen  neuseeländischen Landsmann und Markenkollegen Nick Cassidy im Envision durch. Das Podium komplettierte Sam Bird. Antonio Felix da Costa wurde nach einem Fahrfehler "nur" Vierter, Pascal Wehrlein landete nach starker Aufholjagd auf dem siebten Platz und baute seine WM-Führung aus.

Pole-Sitter Stoffel Vandoorne erwischte einen sehr guten Start. Antonio Felix da Costa hingegen kam nicht gut weg, konnte sich aber gerade so gegen Mitch Evans verteidigen. In Kurve 3 schepperte es bereits zweimal: Zunächst fuhr Edo Mortara auf Evans auf und beschädigte sich dabei die Front. Dann kollidierte Norman Nato mit dem McLaren von Jakes Hughes und stieg auf. Beide Unfallverursacher nahmen so schweren Schaden, dass sie an die Box kommen mussten.

In Runde 2 krachte zudem Sebastien Buemi in das Heck von Max Günther. Auch der Schweizer fiel weit zurück. Und auch Andre Lotterer heimste sich einen Schaden ein und rollte zunächst aus, fuhr später aber weiter. Sam Bird machte einen Platz gegen Rene Rast gut, etwas später auch gegen Jake Hughes - der Brite auf dem Vormarsch. Gleiches galt für Pascal Wehrlein, der nach sechs Runden bereits Neunter war.

Dann der erste Führungswechsel: Felix da Costa überholte Vandoorne, als dieser erstmals durch die Attack-Zone fuhr. Hinter dem Duo folgten Evans, Nick Cassidy und Jean-Eric Vergne. Dann wechselte die Führung wieder zurück, diesmal am Ende von Start/Ziel. Felix da Costa verlor eine weitere Position gegen Evans - enorm viele Überholmanöver in der Anfangsphase! In Kurve 6 blieb derweil Sacha Fenestraz nach einem Unfall stehen. Mit einer beschädigten Radaufhängung hinten links musste der Nissan-Fahrer aufgeben. Da das Auto am Streckenrand stehenblieb, schickte die Rennleitung das Safety-Car auf den Kurs.

Ticktum schießt Dennis ab - nächstes Safety-Car

Nach einer relativ langen Neutralisierung, die Buemi, Mortara und Lotterer nutzen konnten, um wieder aufzuschließen, ging es in Runde 11 von 31 weiter. In Sachen Energie war Evans in der besten Position - jedenfalls in der Spitzengruppe. Vandoorne hingegen hatte nach dem ersten Renndrittel schon zwei Prozent weniger Energie als der Jaguar-Pilot. Felix da Costa blies nun zum Angriff und überholte Evans für Platz 2. Auch Cassidy setzte einen sehenswerten wie erfolgreichen Angriff gegen Markenkollege Evans. Günther erhielt eine 5-Sekunden-Zeitstrafe: Nach einem Abkürzen der Schikane hatte er nicht wie instruiert angehalten, bevor er auf den Kurs zurückfuhr.

Cassidy übernahm sogar die Führung von Vandoorne, fuhr aber direkt durch die Attack-Zone und fiel wieder hinter den Belgier zurück. Dann crashte Dan Ticktum gegen das rechte Hinterrad von Jake Dennis. Der Brite rutschte noch leicht in die Seite seines WM-Widersachers Wehrlein, der jedoch keinen Schaden nahm. Dennis hingegen musste seinen Andretti abstellen. Cassidy holte sich die Führung zurück, und auch Felix da Costa ging an Vandoorne vorbei. Wie viele Expert:innen vor dem Start vorhergesagt hatten, gab es zahlreiche Führungswechsel, weil die Fahrer lieber im Windschatten Energie sparen wollten. Dann kam erneut das Safety-Car auf die Strecke, damit der Andretti von Dennis geborgen werden konnte.

In Runde 18 ging es weiter - mit Felix da Costa an der Spitze. Günther machte eine Position gegen Landsmann Rast gut. Dann würfelten diverse Attack-Mode-Aktivierungen die Rangfolge abermals durcheinander. In Runde 20 führe Evans vor Cassidy, Felix da Costa und Vandoorne. Mortara geriet derweil mit dem ABT von Nico Müller aneinander und drehte sich. Diesmal stellte er seinen Maserati endgültig ab. Auch Müller musste an die Box kommen.

Jaguar-Autos setzen sich ab

Wehrlein hatte sich inzwischen schon auf den fünften Platz vorgearbeitet. Er hatte jedoch gut zwei Prozent mehr Energie verbraucht als sein Teamkollege Felix da Costa. Dieser leistete sich in Runde 25 einen folgenschweren Fehler: Er verbremste sich in Kurve 1 und musste die Schikane abkürzen - also auch vollständig zum Stillstand kommen. Dadurch fiel er auf Position 7 zurück. Wehrlein holte sich als letzter Pilot der Spitzengruppe seinen Attack-Mode und fiel entsprechend hinter seinen Teamkollegen zurück. Porsche wies ihn an, hinter Felix da Costa zu bleiben, um sein Energiedefizit gutzumachen. Cassidy führte zu dieser Zeit vor Evans und Vandoorne.

Die Rennleitung verlängerte den E-Prix um vier Runden, also auf insgesamt 35 Umläufe. Wehrlein holte sich seinen zweiten Attack-Mode, während Bird einen Platz gegen Vergne gutmachte. Ganz vorn machte Evans weiter Druck auf Cassidy und überholte ihn schließlich in Runde 30. Das Führungsduo setzte sich etwas ab. Bird überholte auch Vandoorne und nahm als Dritter die Verfolgung seines Jaguar-Teamkollegen auf. Bird hatte zu diesem Zeitpunkt einen Energievorteil von rund zwei Prozent gegenüber seinen direkten Rivalen!

In Runde 32 ging Evans wieder in Führung. Bird freute sich über das Duell vor ihm, weil er dadurch noch leichter aufschließen konnte. Felix da Costa ging an Vergne vorbei, die inzwischen beide vor Vandoorne lagen. Dann überholte der Porsche-Pilot auch Vergne und war damit wieder Vierter. Es lief jedoch auf einen Dreikampf um den Sieg zwischen den drei Jaguar-Fahrzeugen von Evans, Cassidy und Bird hinaus.

Herzschlagfinale in Sau Paulo

In der letzten Runde ging Bird noch mal aufs Ganze, doch auch Cassidy gab noch nicht auf. Evans verteidigte sich jedoch mit den letzten Energiereserven und harten Bandagen und fuhr knapp vor Cassidy über die Ziellinie! Genauso dicht dahinter raste Bird als Dritter über den Strich! Felix da Costa wurde Vierter vor Vergne, Vandoorne und Wehrlein.

In der Fahrer-WM konnte der Deutsche seine Führung ausbauen, weil Hauptrivale Dennis erneut leer ausging. Cassidy, Vergne und Felix da Costa liegen mit geringen Rückständen auf Dennis auf den Positionen 3 bis 5. Bei den Teams hat Porsche weiterhin die Nase vorn. Zweiter ist Envision vor seinem Hersteller Jaguar, DS Penske und Andretti. Das nächste Formel-E-Rennen findet in vier Wochen statt: Am 22. und 23. April gastiert die Elektroserie für zwei Saisonläufe in Berlin-Tempelhof.

Ergebnisse & Zeiten

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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