Formel E

Formel E: Jean-Eric Vergne gewinnt packendes Premierenrennen in Indien, Drama für Jaguar

Timo Pape

Timo Pape

Vergne-Hyderabad

Jean-Eric Vergne hat die Formel-E-Premiere in Indien gewonnen. In einem hochspannenden und ereignisreichen Rennen behauptete sich der DS-Penske-Pilot trotz erheblichem Energienachteil gegen Nick Cassidy. Das Podium komplettierte nach einer nachträglichen Strafe gegen Sebastien Buemi der Porsche-Neuling Antonio Felix da Costa. Sein Teamkollege Pascal Wehrlein wurde Vierter vor Sergio Sette Camara im Nio 333. Die beiden Jaguar-Fahrer hatten sich mit guten Siegchancen frühzeitig selbst aus dem Rennen genommen.

Pole-Sitter Mitch Evans kam gut von der Stelle und zog sofort auf die rechte Spur herüber, um Jean-Eric Vergne "die Tür" zuzumachen. So behauptete er seine Führung. Im gesamten Feld ging es sehr gesittet zu - etwas überraschend keinerlei nennenswerte Kollisionen in Runde 1. Nick Cassidy machte einen Platz gegen Sam Bird gut und schob sich auf Position 6 vor. In den Top 5 gab es zunächst keine Veränderungen: Evans führte vor Vergne, Sebastien Buemi, Sacha Fenestraz und Max Günther. WM-Spitzenreiter Pascal Wehrlein fiel in der Startphase hingegen auf Rang 16 zurück.

Für den ersten Zwischenfall sorgte Edo Mortara. Der Maserati-Pilot verschätzte sich bei einem Überholversuch: Er setzte sich neben Bird und rutschte am Briten vorbei - dabei aber in die Flanke von Cassidys Envision. Er beschädigte sich seinen Frontflügel und fiel weit zurück. Cassidys Auto nahm offenbar keinen ernsteren Schaden. In Runde 5 holte sich Weltmeister Stoffel Vandoorne als erster Fahrer seinen ersten von Attack-Modes. Weil der Frontflügel von Mortara abfiel und auf der Strecke liegenblieb, ließ die Rennleitung gelbe Flaggen schwenken, um das Teil entfernen. Mortara kam an die Box und holte sich einen neuen Frontflügel.

In Runde 7 bog Evans in die Attack-Zone ein. Gleichzeitig startete Buemi unmittelbar dahinter einen Angriff auf Vergne und überholte den Franzosen - Buemi nun in Führung! Evans sortierte sich zunächst als Vierter wieder ein, ging aber schnell wieder an Fenestraz vorbei. Dann der nächste Coup von Buemi: Der Schweizer holte sich seinerseits den ersten Attack-Mode und verlor Platz 1 an Vergne, kam aber vor Evans auf die Strecke zurück! Auch Vergne reagierte eine Runde später, fuhr durch die Attack-Zone und reihte sich vor Evans wieder ein. Bird schnappte sich indes Günther und übernahm Platz 5 vom Deutschen.

Bird schießt Jaguar-Teamkollege Evans ab!

In Runde 13 leistete sich Bird den vielleicht schwerwiegendsten Fehler seiner Formel-E-Karriere: Beim Überholversuch in Kurve 3 verbremste sich der Brite und krachte ausgerechnet in seinen Jaguar-Teamkollegen Mitch Evans! Birds Rennen war auf der Stelle zu Ende. Evans konnte nach ein paar Wendemanövern zwar mit leichten Schäden weiterfahren, jedoch am Ende des Feldes. Auch Fenestraz und Günther wurden in Mitleidenschaft gezogen. Ihr Weg war versperrt, sodass sie nicht auf die Strecke zurückkehren konnten und ebenfalls auf die hintersten Plätze zurückfielen.

In Runde 15 überholte Vergne Buemi und holte sich die Führung zurück! Währenddessen arbeiteten sich Cassidy und auch Jake Dennis erheblich nach vorn - die beiden nun auf den Positionen 2 und 3 vor Buemi, der sich seinen zweiten Attack-Mode geholt hatte. Generell profitierten einige Piloten vom Zwischenfall an der Spitze und rückten vor. In Runde 17 griff Cassidy Dennis an und schnappte dem Briten Platz 2 weg. Auch Buemi holte sich Dennis wenig später. Nach einer äußerst turbulenten Phase zur Rennhalbzeit hießen die Top-10-Fahrer: Vergne, Cassidy, Buemi, Dennis, Rast, Rowland, Felix da Costa, Vandoorne, Sette Camara und Wehrlein.

Da das Feld eng beisammen lag, entwickelten sich einige packende Duelle in der Spitzengruppe. Cassidy machte mächtig Druck auf Vergne, beide setzten sich leicht ab. Dann krachte es erneut: Jake Hughes schlug beim Herausbeschleunigen aus der Haarnadelkurve 3 mit der rechten Front an der Mauer an und blieb mit gebrochener Aufhängung auf der Strecke stehen. "Der Rückspiegel hat sich unter dem Lenkrad eingeklemmt", so der verwirrende Funkspruch des McLaren-Fahrers. Rennleiter Scot Elkins beorderte das Safety-Car auf die Strecke, sodass das Fahrzeug mit einem Kranwagen abgeschleppt werden konnte.

Rast räumt Dennis ab, Vergne behauptet sich

Mit Runde 26 ging es nach ein paar Minuten Unterbrechung im Renntempo weiter. Kurz nach dem Neustart krachte Rast bei Anbremsen ins Heck von Dennis, wodurch Rowland innen vorbeiziehen konnte. Mit einem Frontschaden fiel Rast ans Ende des Feldes zurück und musste aufgeben. Und auch Dennis hatte am Heck schwereren Schaden genommen, sodass er zunächst Rowland ziehen lassen und dann an die Box kommen musste - Drama für den WM-Zweiten! Cassidy griff an der Front Vergne an. Der Franzose verteidigte sich, doch Cassidy hatte zu diesem Zeitpunkt rund drei Prozent mehr Energie als der DS Penske!

Die Rennleitung gab bekannt, dass das Rennen um eine zusätzliche Runde verlängert, also insgesamt über 33 Runden gehen würde. Rowland wagte einen Angriff auf Buemi, verlor dabei aber eine Position gegen Antonio Felix da Costa, der nun Vierter war. Sein Porsche-Teamkollege Wehrlein fuhr derweil auf Position 7. Zwei Runden vor Schluss biss sich Cassidy noch immer die Zähne an Vergne aus. Dann ging es in die letzte Runde.

Cassidy setzte weitere Angriffe, doch Vergne machte sich gekonnt breit. Der DS-Pilot musste zwar etwas verlangsamen, weil er nur noch ein Prozent Energie hatte - aber nur an Stellen, wo Cassidy nicht vorbeikam. Letztlich brachte er Platz 1 tatsächlich über die Ziellinie und gewann den Hyderabad E-Prix vor Cassidy und Buemi!

Strafe gegen Buemi, gutes Ergebnis für Wehrlein & Porsche

Der Schweizer Buemi erhielt jedoch einige Minuten nach Rennschluss noch eine nachträgliche Durchfahrtsstrafe, die in eine Zeitstrafe umgewandelt wurde. Sie warf ihn auf Rang 15 zurück. Grund für die Strafe: Sein Auto hatte zu viel Leistung abgerufen. Somit erbte Porsche-Pilot Felix da Costa die letzte Podiumsposition. Direkt hinter ihm landete Teamkollege Wehrlein. Rowland holte für Mahindra beim Heimrennen immerhin acht Punkte für Platz 6.

Der deutsche Fahrer Pascal Wehrlein baute beim Hyderabad seine WM-Führung aus, da Hauptrivale Jake Dennis leer ausging. Jean-Eric Vergne rückte durch seinen Sieg auf den dritten Gesamtrang vor. In der Team-WM konnte sich Porsche ebenso weiter absetzen. Zweiter blieb Andretti. Envision ist nun Dritter, und auch DS Penske machte einen großen Sprung nach vorn auf Platz 6. ABT Cupra bleibt das einzige Team ohne Punkte.

Das fünfte Rennen der Formel-E-Saison 2023 findet bereits in zwei Wochen am 25. Februar statt. Dann startet die Elektroserie zum ersten Mal in der südafrikanischen Metropole Kapstadt.

Ergebnisse, Zeiten & Startaufstellung

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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