Formel E

Jean-Eric Vergne vor neuem DS-Vertrag, übt jedoch harsche Kritik an Fahrerkollegen & Formel E

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Sunglasses-Vergne-DS-Techeetah-Cap

Der zweifache Formel-E-Meister Jean-Eric Vergne steht offenbar vor einem neuen Vertrag mit DS Techeetah. Nach monatelangen Fragezeichen über der Zukunft des Teams soll der Franzose von neuen Investoren eine Verlängerungsoption angeboten bekommen haben, berichtet 'The Race'. Dennoch kritisiert der Doppelchampion seine Fahrerkollegen und auch die Formel E selbst.

Vergne wechselte vor der Saison 2017/18 zu Techeetah, als das Team noch mit Renault-Motoren in der Formel E startete. Nach dem werksseitigen Einstieg von DS Automobiles wurde er Werksfahrer des französischen Automobilherstellers, der inzwischen zur Stellantis-Gruppe gehört.

Jüngst schwebten allerdings Fragezeichen über der Zukunft des Teams. Unabhängig von DS soll das Einsatzteam Techeetah auf der Suche nach neuen Investoren gewesen sein, ausgelöst vom Verkaufswunsch des bisherigen Besitzers SECA. Seit 2019 wollte die Sportmarketing-Firma die Anteile am Team verkaufen, hieß es noch vor wenigen Wochen. Seither suchte Techeetah nach einem neuen Mehrheitseigentümer.

Anscheinend hat das Team diesen nun gefunden. Durch den neuen Deal sollen sowohl Antonio Felix da Costa als auch Jean-Eric Vergne auch in der Saison 2022 in der Formel E fahren. Eine offizielle Bestätigung des Teams steht zwar noch aus, wird jedoch in den kommenden Wochen erwartet.

"Einer Weltmeisterschaft nicht würdig"

"Für mich war es ein Wendepunkt, als die neuen Leute im Team auftauchten", so Vergne. "Ich habe gesagt: 'Mal sehen, ob das Team bestehen bleibt, und was passiert'. Aber wenn man immer nur rät, was passiert oder nicht passiert, kann man keine gute Karriere haben."

"Die (neuen Eigentümer) sind zur richtigen Zeit und mit der richtigen Einstellung gekommen. Das hat mich dazu gebracht zu sagen: 'Ja, vielleicht bin ich nächstes Jahr hier'."

Parallel zu seinem Engagement in der Formel E startet in den kommenden Wochen Vergnes Vorbereitung auf das Hypercar-Projekt von Peugeot, mit dem er ab 2022 in der Langstrecken-WM inklusive dem 24-Stunden-Klassiker in Le Mans antreten wird. Bereits beim Berlin E-Prix munkelte man, dass sich Vergnes Fokus daher schon bald auf die WEC verschieben könnte.

"In der Formel E müssen gewisse Dinge passieren, damit die Meisterschaft noch interessant ist", gesteht Vergne und geht mit der Elektrorennserie hart ins Gericht: "Wenn die Dinge so wie in der jüngeren Vergangenheit laufen, bin ich mir nicht sicher, ob das die Meisterschaft ist, in der ich fahren will. Das, was in London passiert ist, ist einer Weltmeisterschaft nicht würdig. Es tut mir leid, das so sagen zu müssen."

Sims & Vergne uneinig über Robustheit der Autos

Nach dem E-Prix in der britischen Hauptstadt wurden einige Piloten für die unangemessene Härte des Racings kritisiert. Kaum ein Fahrzeug erreichte das Ziel ohne Kampfspuren, mehrere Piloten fielen durch Unfälle vorzeitig aus.

Alexander Sims (Mahindra), der sein Fahrzeug am London-Samstag nach nur wenigen Kurven mit einem Unfallschaden abstellte, erklärte 'e-Formel.de' in Berlin: "Von außen betrachtet sehen die vielen Unfälle vielleicht etwas albern aus."

Er sei dennoch gegen den Vorschlag, ausgewählte Fahrzeugteile fragiler zu designen. "Vor allem auf besonders engen Strecken, zum Beispiel in London, würde das die Überholversuche massiv reduzieren. Gerade weil die Autos so robust sind, gibt es (in der Formel E) so viele Überholmanöver."

"Okay, es sind vielleicht nicht die schönsten Manöver. Aber das liegt in der Natur der Sache von engen Kursen wie in London. Wir sollten uns genau überlegen, was wir wirklich wollen. Wenn die Autos fragiler wären, würde das Überholen schwerer werden."

Vergne ist gegensätzlicher Meinung. "Wenn man so viele Autos hat, die miteinander kollidieren, und wenn das halbe Grid das Rennen ohne Frontflügel beendet, dann ist das für mich keine Weltmeisterschaft", so der Franzose.

Priorisieren Formel-E-Fahrer bald die WEC?

"(Die FIA) ist außerdem sehr streng mit den Strafen. In Santiago musste ich einmal einen Boxenstopp einlegen, weil ich einen kleinen Schaden am Fahrzeug hatte. Inzwischen sind die Rennen ein Gemetzel. Die Autos sind so robust, dass es im Wettbewerb unfahrbar wird. Mir macht diese Art des Racings keinen Spaß, das muss sich im nächsten Jahr ändern."

Ob Vergne auch über die Saison 2022 hinaus in der Formel E bleiben wird, ist damit weiterhin offen. Die theoretische Möglichkeit dazu hätte er, denn DS Automobiles wird bis mindestens 2026 in der Elektrorennserie antreten. Ob er diese Option einlöst oder - wie es Berlin-Rennsieger Norman Nato (Venturi) erwägt - die WEC priorisiert, wird sich im nächsten Jahr entscheiden.

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