Formel E

Formel E: Mahindra räumt nach spätem Gen4-Start Rückstand ein & setzt auf Joker

Thomas Grüssmer

Thomas Grüssmer

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Mahindra startet mit deutlichem Rückstand in die Gen4-Ära der Formel E. Während die Konkurrenz bereits Ende 2025 ihre Gen4-Entwicklungsfahrzeuge testete, brachte der indische Hersteller sein Gen4-Paket erst im Juli auf die Strecke. Nyck de Vries räumt offen ein, Mahindra sei "spät bei der Party". Teamchef Frederic Bertrand setzt dennoch auf die stabile Mannschaft und vor allem auf das neue Token-System, mit dem sich Entwicklungsrückstände schneller korrigieren lassen sollen.

Der entscheidende Grund für den späten Start liegt in der erst im November 2025 erteilten Freigabe des Mahindra-Vorstands. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Konkurrenz mit der Streckenarbeit bereits begonnen. Das indische Team peilte für seine ersten Testfahrten zunächst den vergangenen Mai an.

Doch auch dieses Ziel verfehlte Mahindra. Als Gründe dafür nennt Mahindra Entscheidungen des Risikomanagements und Lieferantenprobleme. Der erste Shakedown folgte schließlich Mitte Juli. Entwicklungsfahrer Jake Hughes übernahm zunächst einen Großteil der Testarbeit, bevor im August auch die Stammfahrer Nyck de Vries und Edoardo Mortara ins Lenkrad des Gen4-Boliden griffen.

De Vries: "Kein Geheimnis, dass wir spät bei der Party sind"

Im Entwicklungsrennen liegt Mahindra also deutlich hinter seinen Konkurrenten zurück. Dennoch spricht Mahindra offen über seine aktuelle Situation. Bei den Kolleg:innen von Motorsport.com sagte de Vries: "Es ist offensichtlich kein Geheimnis, dass wir spät bei der Party sind. Das ist ein Fakt, den ich nicht bestreiten werde."

"Es ist aber weiterhin dieselbe Gruppe an Leuten. Ich denke, dass wir eine konstante Gruppe mit wenig Personalfluktuationen halten können. Ich sehe das als Stärke und hoffe, dass es uns ermöglichen wird, den Rückstand auf unsere Rivalen schneller aufzuholen. Die Lernkurve wird natürlich sehr steil, aber ich glaube an jeden, der hier ist", so der Niederländer weiter.

De Vries warnt allerdings davor, den Rückstand kleinzureden. Die verlorene Entwicklungszeit lasse sich unabhängig von den vorhandenen Ressourcen nicht einfach kompensieren. Gerade bei einem technisch deutlich komplexeren Fahrzeug könne Mahindra deshalb zu Beginn der Gen4-Ära etwas Geduld benötigen.

Bereits während der Gen3-Ära zeigte Mahindra, dass man nach einem schwachen Start in ein neues Reglement durchaus dazu in der Lage ist, eine schwierige Situation komplett umzukrempeln. Nachdem man in den Saisons 9 und 10 dem Feld gnadenlos hinterherfuhr, zeigte man in den darauffolgenden Jahren mit dem Gen3 Evo eindrucksvoll, was nach einem schwierigen Start möglich ist. Man entwickelte sich vor allem im Qualifying zum regelmäßigen Favoritenschreck und schloss die vergangene Saison auf Platz 3 der Teamwertung hinter Jaguar und Porsche ab. Ganz vergleichen lässt sich die damalige Situation mit der aktuellen jedoch nicht.

Bertrand: "Normaler Entwicklungsprozess"

Zum aktuellen Stand der Entwicklung äußerte sich Teamchef Frederic Bertrand ebenfalls bei Motorsport.com: "Das Auto wurde nun getestet. Wir wissen jetzt um die Schwächen und die Punkte, die etwas höher auf der Liste sind, als wir es erwartet haben. Wir arbeiten hart daran, diese Punkte zu konsolidieren und in diesen Bereichen das Mögliche umzusetzen. Das ist der normale Entwicklungsprozess."

Er fuhr fort: "Das aktuelle Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Zuverlässigkeit auf einem Level ist, auf dem wir es erwartet haben. Es sieht danach aus, dass das der Fall ist. Somit gewinnen wir die Möglichkeit, unseren Fokus etwas von der Zuverlässigkeit zu lenken und zu testen, ein leistungsfähigeres Auto zu entwickeln. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum wir damit warteten, auf die Strecke zu gehen." Der Plan für Mahindra sieht weiterhin vor, am gemeinsamen Test aller Teams in Valencia teilzunehmen, der im Oktober vor den offiziellen Vorsaison-Testfahrten in Madrid stattfinden soll.

Neues Entwicklungssystem Mahindras Ass im Ärmel?

Anders, als wir es aus der Formel-E-Geschichte kennen, führt die elektrische Rennserie mit dem Start der Gen4-Ära ein neues System für Upgrades ein, das sich an das Token-System für die Hypercars der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) anlehnt. Hersteller müssen also keine zwei Jahre mehr warten, um an ihren Antriebssträngen Verbesserungen vornehmen zu können.

Bertrand sieht diese Neuerung für Mahindra als Vorteil: "Das war ein wichtiges Element für mich, um dem Management klarzumachen, dass wir eine kleine Verzögerung in Kauf nehmen können. Sollten wir zu Beginn irgendwo sehen, dass wir ein kleines Defizit haben, haben wir das Joker-System. Wir müssen also keine zwei Jahre oder noch mehr warten, um Dinge ändern zu können."

"Die Tatsache, dass wir nun wesentlich schneller reagieren können, stärkt das Selbstbewusstsein", ergänzt der Franzose. "Man hängt nicht mehr für eine komplette Periode hinterher, wenn man später mit der Entwicklung startet."

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