Formel E

Fiesta in Schwarz-Rot-Gold: Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Mexico City E-Prix 2022

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Wehrlein-Lotterer-Friendship-Mexico

Für deutsche Rennfahrer, die ihren ersten Formel-E-Sieg wegen einer Disqualifikation verloren, scheint Mexiko-Stadt ein gutes Pflaster für die "Revanche" zu sein. Vier Jahre nach Daniel Abt gelang auch Pascal Wehrlein am vergangenen Wochenende endlich der Durchbruch in der Elektroserie. Wie unsere Redaktion die Leistung des Deutschen im Gesamtbild der Saison einordnet, liest du in unserer "Fahrer-Rating"-Artikelserie.

Nach jedem E-Prix bewerten die Redakteur:innen von e-Formel.de die Einzelleistungen aller Fahrer auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten. In die Wertung fließen ausschließlich subjektive Einschätzungen der Einzelleistung des Fahrers ein, nicht das Material oder äußere Umstände. Unterstützt werden wir dabei stets von externen Medienkolleg:innen, dieses Mal von der Formel-E-Videobloggerin Renata Correia aus Brasilien. Obrigado!

Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Mexico City E-Prix 2022

1. Pascal Wehrlein | TAG Heuer Porsche | 10.0 Punkte

Im Land seiner größten Formel-E-Rückschläge düpierte Pascal Wehrlein 2022 die Konkurrenz. Mit einem - man kann es kaum anders ausdrücken - perfekten Rennsamstag gelang dem Deutschen in diesem Jahr die Revanche für die Mexiko-Dramen aus den Jahren 2019 (keine Energie in der letzten Kurve) und 2021 (nachträgliche Disqualifikation).

Bereits im 1. Freien Training zeigte Wehrlein sein Potenzial, das er mit der Pole-Position im Qualifying untermauerte. Unbeeindruckt von abweichenden Strategien seitens seiner Rivalen fuhr er ein besonnenes Rennen, das er nach 40 Runden und jeder Menge Rückendeckung seines Teamkollegen Andre Lotterer auf Platz 1 beendete. Was für ein Tag!

FAZIT: Für seine Besonnenheit, die ruhige Ausführung und Kompromisslosigkeit im Zeitfahren erhält Pascal Wehrlein von unserem Panel die seltene Bestnote: 10.0 Punkte!

2. Andre Lotterer | TAG Heuer Porsche | 9.4 Punkte

Wer in Diriyya an Andre Lotterers Form zweifelte, wurde beim Mexico City E-Prix Lügen gestraft. Der 40-Jährige fuhr ein kluges und sauberes Rennen, in dem er aufgrund einer Stallorder aber nicht nach dem Sieg greifen durfte. Ohne einen kleinen Fahrfehler in der Qualifikation hätte Lotterer genauso gut vor Wehrlein ins Ziel kommen können.

FAZIT: Lotterer zeigte abermals, was für ein guter Teamspieler und Formel-E-Allrounder er ist. Etwas Zähneknirschen ist trotzdem erlaubt: Bei 54 Rennen kam er zum siebten Mal auf Platz 2 ins Ziel, auf seinen ersten Sieg wartet er noch immer.

3. Jean-Eric Vergne | DS Techeetah | 8.4 Punkte

Das in der Saisonpause neu aufgestellte Team DS Techeetah benötigte einige Anläufe, um 2022 in Fahrt zu kommen. Spätestens in Mexiko-Stadt kehrte Jean-Eric Vergne aber zurück auf das Topniveau, das seine Formel-E-Fans von ihm gewöhnt sind.

Der Franzose hatte die Pace und Effizienz, um in einem 39-Runden-Rennen um den Sieg zu kämpfen. Da das Porsche-Duo jedoch einen 40-Runden-E-Prix anvisierte, musste Vergne in der Schlussphase des Laufs in den "Stromsparmodus" schalten. Ein später Angriff blieb somit aus, das Podium und die 15 WM-Punkte tun seinen Meisterschaftsambitionen aber trotzdem sehr gut!

FAZIT: Im Nachhinein ist man immer klüger. Hätte Vergne von Anfang an auf ein 40-Runden-Rennen spekuliert, hätte er im Führungskampf vielleicht bis zum Schluss eine Rolle spielen können.

4. Antonio Felix da Costa | DS Techeetah | 8.2 Punkte

Nach einem punktlosen Auftaktwochenende in Saudi-Arabien war der Druck auf Antonio Felix da Costa vor dem Mexiko City E-Prix groß. Glücklicherweise konnte er seinen eigenen Ansprüchen im Autodromo Hermanos Rodriguez gerecht werden. Das 2. Freie Training beendete der Portugiese mit einer Rekordrunde, in der Qualifikation schaffte er es bis in die Duellphase, scheiterte jedoch denkbar knapp an seinem Teamkollegen.

Im E-Prix selbst konnte Felix da Costa stets das Tempo der Führungsgruppe halten, auch wenn er nach einem unglücklichen Kontakt mit Pascal Wehrlein für einige Runden ohne die Frontschürze bestreiten musste, die eigentlich das linke Vorderrad verkleidet.

FAZIT: In Mexiko konnte Felix da Costa die Dämonen aus Diriyya hinter sich lassen. Gern mehr davon!

5. Edoardo Mortara | ROKiT Venturi | 7.4 Punkte

In der Berichterstattung zum Mexiko-Wochenende ging Edoardo Mortara etwas zu Unrecht unter. Schließlich gelang dem Schweizer auch im dritten Rennen des Jahres der Einzug in die Qualifying-Duelle sowie der Sprung in die Top 5 des E-Prix. Bei einem beherzten Angriff in Kurve 1 zog der Venturi-Fahrer zunächst noch zurück, wenig später übernahm er jedoch die Führung und diktierte für 20 Runden das Tempo.

Letztlich fiel aber auch Mortara den starken Porsche-Fahrern beziehungsweise deren Strategie zum Opfer. Als anhand der TV-Einblendung der Energiestände klar wurde, dass die Führenden Wehrlein und Lotterer auf ein 40-Runden-Rennen pokerten, musste Mortara in den letzten zehn Umläufen viel Strom sparen. Letztlich wurde er, obwohl er sich betont aggressiv gegen einige seiner Rivalen wehrte, Fünfter.

FAZIT: Mortara zählt weiterhin zu den stärksten Fahrern im Formel-E-Feld. Auch wenn er sich in Mexiko seiner Konkurrenz geschlagen geben musste, führt er die WM weiterhin zurecht an.

6. Robin Frijns | Envision Racing | 7.0 Punkte

Innerhalb seines Teams gab Robin Frijns beim Mexico City E-Prix klar das Tempo vor. Die starken Leistungen des Niederländers blieben dabei zwar meist unbemerkt, die Resultate sprechen jedoch für sich. Im Gruppen-Qualifying fuhr er die fünftschnellste Runde, und am Ende qualifizierte er sich für Startplatz 7.

Von dort ausgehend mischte Frijns im gesamten Rennverlauf vorn mit. Nach den Attack-Mode-Sequenzen fuhr er zwischenzeitlich sogar auf Platz 3. Bei einem "Katz-und-Maus-Spiel" mit Antonio Felix da Costa und Edoardo Mortara, mit stets nervösem Blick auf den niedrigeren Akkustand, geriet er in den Schlussminuten jedoch ins Hintertreffen. Er überquerte den Zielstrich auf der Position, von der er den E-Prix begonnen hatte: Rang 7.

FAZIT: Frijns gebührt wohl die Ehre des "Überholkönigs von Mexiko". Bei unterhaltsamen Duellen unterstrich der Niederländer abermals sein Können. Mehr als der siebte Rang war aber nicht drin.

7. Stoffel Vandoorne | Mercedes-EQ | 6.4 Punkte

Wie im Formationsflug bestritt Stoffel Vandoorne den Großteil des E-Prix in der Nähe seines Teamkollegen Nyck de Vries. Auch der Belgier passte seine Rennstrategie rechtzeitig an die davoneilenden Porsche-Piloten an und lag in der Schlussphase auf Top-5-Kurs. Nicht von den TV-Kameras wurde jedoch ein Unfall mit Lucas di Grassi eingefangen, bei dem sich Vandoorne im Foro-Sol-Stadion drehte. Er fiel auf Platz 11 zurück, di Grassi wurde für den Stupser bestraft.

FAZIT: Ein unglücklicher Unfall in der vorletzten Runde kostete Vandoorne wichtige WM-Punkte. Abgesehen davon war sein Rennen aber durchaus sehenswert!

8. Nyck de Vries | Mercedes-EQ | 6.4 Punkte

Vom Mexico City E-Prix wird sich Nyck de Vries wohl mehr erhofft haben, denn für den Niederländer reichte es "nur" zu Platz 6. Der reine Blick auf die Ergebnisliste trügt jedoch, denn im Renngeschehen blieb der Niederländer stets hellwach und sparsam. Auf den Strategiewechsel der Führenden stellte sich de Vries frühzeitig ein. Als einer von wenigen Piloten konnte er somit einen signifikanten Pace-Einbruch in der Schlussphase verhindern.

FAZIT: Von der Diriyya-Dominanz war bei de Vries wenig zu spüren, trotzdem darf der Niederländer zufrieden mit seinem Wochenende in Mexiko sein.

9. Sebastien Buemi | Nissan e.dams | 6.2 Punkte

Hinter Sebastien Buemi liegen einige schwere Monate. Bereits im letzten Jahr schien der Schweizer nicht mit seinem schwer abzustimmenden Nissan-Rennwagen zurechtzukommen. Nachdem auch der Saisonstart 2022 in Saudi-Arabien zu einer "Nullnummer" wurde, konnte Buemi in Mexiko zum ersten Mal seit Monaten wieder aus der Masse des Formel-E-Mittelfeldes herausstechen.

In den Freien Trainings war der Meister der Saison 2015/16 voll bei der Musik, ein Fahrfehler im Qualifying brachte ihm jedoch nur Startplatz 18 ein. Überraschend überholte er schon in der ersten Rennrunde fünf Autos. Letztlich wurde Buemi sogar Achter und sammelte somit zum ersten Mal seit Juli 2021 wieder Zähler für die Fahrerwertung.

FAZIT: Buemis Leistung in Mexiko ist ein seltener Hoffnungsschimmer für Nissan e.dams. In der Führungsgruppe konnte der Schweizer zwar nicht mithalten, sehr wohl aber in der "zweiten Reihe".

10. Maximilian Günther | Nissan e.dams | 6.2 Punkte

Blieb Maximilian Günther beim Saisonstart in Diriyya noch unauffällig, so konnte sich der Deutsche in Mexiko endlich in der oberen Hälfte des Formel-E-Fahrerfeldes behaupten. Ähnlich wie Buemi patzte auch Günther im Qualifying, im Rennverlauf kamen laut eigener Aussage "in einigen Schlüsselmomenten Fehlentscheidungen" hinzu. Günther überquerte den Zielstrich auf Platz 9.

FAZIT: Günthers Rennen lief "okay", gewiss aber nicht hervorragend. In Rom benötigt der Deutsche ein besseres Qualifying-Ergebnis, wenn er ganz vorn mitmischen will.

Die weiteren Positionen im Fahrer-Rating:

 

Position Fahrer Note Ergebnis
11. Nick Cassidy 5,6 Platz 13
12. Jake Dennis 5,4 Platz 10
13. Lucas di Grassi 5,2 Platz 12
14. Sam Bird 5,0 Platz 15
15. Mitch Evans 5,0 Platz 19
16. Oliver Rowland 4,8 Platz 16
17. Oliver Askew 4,6 Platz 17
18. Dan Ticktum 4,4 Platz 18
19. Antonio Giovinazzi 4,2 DNF
20. Oliver Turvey 3,8 Platz 14
21. Sergio Sette Camara 3,6 Platz 20
22. Alexander Sims 3,4 DNF

 

So hat die Redaktion abgestimmt:
Fahrer Tobias Bluhm Timo Pape Tobias Wirtz Svenja König Renata Correia Durchschnitt
01. Pascal Wehrlein 10 10 10 10 10 10.0
02. Andre Lotterer 10 10 10 9 8 9.4
03. Jean-Eric Vergne 9 8 9 8 8 8.4
04. Antonio Felix da Costa 8 8 9 8 8 8.2
05. Edoardo Mortara 7 7 9 6 8 7.4
06. Robin Frijns 7 6 7 6 9 7.0
07. Stoffel Vandoorne 6 6 8 6 6 6.4
08. Nyck de Vries 7 5 8 6 6 6.4
09. Sebastien Buemi 7 7 7 5 5 6.2
10. Maximilian Günther 6 6 6 7 6 6.2
11. Nick Cassidy 6 5 5 6 6 5.6
12. Jake Dennis 5 5 5 5 7 5.4
13. Lucas di Grassi 6 4 5 5 6 5.2
14. Sam Bird 6 5 4 5 5 5.0
15. Mitch Evans 5 5 5 5 5 5.0
16. Oliver Rowland 4 5 4 5 6 4.8
17. Oliver Askew 4 5 3 5 6 4.6
18. Dan Ticktum 5 6 2 3 6 4.4
19. Antonio Giovinazzi 4 4 3 4 6 4.2
20. Oliver Turvey 4 6 2 2 5 3.8
21. Sergio Sette Camara 2 3 3 4 6 3.6
22. Alexander Sims 2 2 5 4 4 3.4

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