Formel E

Formel E modifiziert Qualifying-System für Gen3-Ära - mit fragwürdigem Sand-Trick (Aprilscherz)

Timo Pape

Timo Pape

Formula-E-Sand-on-Track

Die Formel E hat angekündigt, ihr Qualifying-Format für das Reglement der dritten Fahrzeuggeneration (2022-2026) zu verändern. Dabei hat sich die Elektroserie an der NASCAR-Meisterschaft orientiert, die kürzlich erstmals ein Rennen auf künstlich verteiltem Sand austrug. Durch den Staub auf der Strecke will die Formel E endlich gleiche Bedingungen zwischen den vier Quali-Gruppen schaffen - und den Unterhaltungswert steigern.

[BEI DIESEM ARTIKEL HANDELTE ES SICH UM EINEN APRILSCHERZ.]

Es ist das alte Lied der Formel E: Wer in der Meisterschaft gut dasteht, muss in Quali-Gruppe 1 auf die Strecke gehen. Da zu diesem Zeitpunkt der Session noch viel Staub auf dem Asphalt liegt, sind die Grip-Bedingungen deutlich schlechter als in den darauffolgenden Gruppen. Die Konsequenz: Die Topfahrer der Formel E haben häufig kaum Chancen auf die Super-Pole und müssen von weit hinten ins Rennen starten.

Zur neunten Saison (ab Ende 2022) will die Formel E nun also gleiche Grundvoraussetzungen schaffen. Dazu soll vor jeder Quali-Gruppe eine Art Streufahrzeug über die Strecke fahren und Sand verteilen, um das Grip-Level für alle Piloten gleicht (schlecht) zu gestalten. Vor dem Rennen soll wiederum ein Kehrfahrzeug die Strecke säubern. Die Formel E verspricht sich durch die kuriose Reglement-Anpassung nicht nur Chancengleichheit, sondern auch noch mehr Action auf der Strecke.

Verrückte NASCAR-Idee überzeugt Alejandro Agag

Der Impuls für die Anpassung soll relativ kurzfristig von Formel-E-Gründer Alejandro Agag gekommen sein, heißt es. Der Spanier habe eine derartige Idee zwar schon länger im Sinn gehabt - etwa auch mittels künstlicher Bewässerung der Strecke. Letztlich hat ihn wohl aber die NASCAR-Serie erst Anfang dieser Woche vollends überzeugt: Bei ihrem ersten "Dirt Race" der Geschichte bedeckte die US-Serie vor dem Rennstart den gesamten Rundkurs mit Sand.

Die kuriose Idee sorgte für packendes Racing und jede Menge Höhepunkte. Sie verlangte den Fahrern all ihre Fähigkeiten ab und begeisterte unzählige Fans an den Bildschirmen. Dass Agag ein großer Freund innovativer Unterhaltungsformate ist, ist kein Geheimnis. Trotzdem kommt die Entscheidung für die künftige Formel-E-Generation überraschend, wenngleich derartige Pläne wohl schon länger "in der Schublade" lagen.

Lucas di Grassi hatte bereits am Dienstag über Twitter verraten, dass es eine "große Ankündigung für die Gen3-Ära" geben würde. Der Brasilianer in Diensten von Audi gilt als eine der treibenden Kräfte hinter der Neuerung. Dies ist wenig überraschend, denn di Grassi zählt zu den Fahrern, die sich am häufigsten über die schlechten Streckenbedingungen und die damit verbundenen Nachteile in Quali-Gruppe 1 beschweren. Mehrfach bezeichnete er die aktuelle Situation als "einfach unfair".

Formel-E-Champion Felix da Costa lobt "Dirt Racing"

Der amtierende Formel-E-Meister Antonio Felix da Costa begrüßt die Veränderungen nach dem Vorbild der NASCAR: "Das ist echt unglaublich. (Dies ist) der Grund, warum die Amerikaner so weit vorn liegen in der Welt der Unterhaltung." Dem Fahrstil des Portugiesen dürften die schlechten Grip-Bedingungen entgegenkommen. Gleiches gilt auch für Virgin-Pilot Robin Frijns, der immer wieder mit wilden Drifts - und dennoch guten Rundenzeiten - auf sich aufmerksam macht.

Wie genau die Formel E ihren Plan für die Gen3-Ära umsetzen will, wurde bislang nicht kommuniziert. Fakt ist jedoch, dass die Entscheidung signifikante Auswirkungen auf das Ergebnis der Qualifikationen haben wird und somit auch in die Dynamik der Meisterschaft eingreift.

Kommentar von Timo Pape: Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?

Wir alle lieben die Formel E für ihre kuriosen Ideen. Bei dieser hier bin ich jedoch zwiegespalten. Einerseits freue ich mich auf noch mehr Action auf der Strecke, denn ohnehin sind die Formel-E-Autos mit ihrem geringen Anpressdruck schwer zu bändigen. Auf Sand dürfte die Qualifikation zu einem echten Eiertanz werden. Gut für die Fans, und auch die Fahrer können sich noch besser auszeichnen.

Woher kommt jedoch der ganze Sand? Um eine Rennstrecke mit durchschnittlich zwei Kilometern Länge vollständig zu bedecken, braucht es immense Mengen an Sand. Der muss zu den Rennen transportiert werden - nicht gut für die Klimabilanz der Formel E. Zumal es mich nicht wundern würde, wenn Agag den Sand von seinen Freunden in Saudi-Arabien gesponsert bekäme. Direkt aus dem Vorgarten des Kronprinzen. Die Formel E muss sich eine gute logistische Lösung überlegen.

Außerdem frage ich mich: Warum schickt man nicht einfach jetzt schon vor jeder Quali-Gruppe ein Säuberungsfahrzeug auf die Strecke, um für alle Piloten die gleichen Voraussetzungen zu schaffen? Letztlich wohl, weil die Unterhaltung für Agag an oberster Stelle steht. Das aktuelle Qualifying-Format sorgt für eine unvorhersehbare Meisterschaft. Und auf Sand zu fahren, ist definitiv noch spektakulärer, als die Topfahrer immer von ganz hinten starten zu lassen.

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2 Kommentare

Sébastien ·

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Sébastien ·

April Fool!

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