Formel E

Formel E: Nick Cassidy gewinnt Berlin-Rennen am Sonntag, Protestaktion verzögert Start

Timo Pape

Timo Pape

Nick-Cassidy-Rain-Formula-E-Berlin

Nick Cassidy hat das Sonntagsrennen der Formel E in Berlin für sich entschieden. In einem abermals unterhaltsamen Rennen setzte sich der Envision-Fahrer gegen Jake Dennis (Andretti) und Jean-Eric Vergne (DS) durch. Vortagessieger Mitch Evans verpasste das Podium als Vierter knapp. Bester Deutscher war beeindruckender Aufholjagd Max Günther auf Rang 6 - direkt vor seinem Landsmann Pascal Wehrlein im Porsche. Vor dem Rennen hatte es eine Protestaktion der "Letzten Generation" auf der Start- und Zielgeraden gegeben, die für Verzögerungen sorgte.

Den ersten Aufreger gab es schon vor dem Start: Aktivist:innen enterten kurz vor der geplanten Startzeit um 15:04 Uhr die Startaufstellung. Mehrere Ordner mussten eingreifen - eine Premiere in der Formel E. Hinter der Boxengasse wurden die Demonstrant:innen später abgeführt, wie unser unten stehendes Video zeigt. Dann ging es mit einer Verspätung von etwa sechs Minuten auch sportlich los.

Die beiden ABT-Piloten in Startreihe 1 kamen gut weg - Pole-Sitter Robin Frijns behauptete die Führung in der ersten Kurve. Auch dahinter gab es zunächst keine Veränderungen: Nico Müller folgte seinem Teamkollegen auf Platz 2. Wie schon am Samstag holten sich einige Fahrer sehr früh ihren ersten Attack-Mode, wodurch die Rangfolge durchgewürfelt wurde. So führte nach den ersten fünf Runden Jean-Eric Vergne vor Frijns und Mitch Evans.

Im ersten Viertel des Rennens erlebten die Fans ein ähnliches Bild wie am Vortag: Die Führung wechselte buchstäblich im Minutentakt, und auch im hinteren Feld gab es zahlreiche Platzwechsel. Der bestpositionierte Fahrer mit bereits zwei aktivierten Attack-Modes war Müller auf Rang 1. Hinter ihm folgten zu diesem Zeitpunkt die beiden Porsche-Piloten Pascal Wehrlein und Antonio Felix da Costa - beide noch ohne jede Attack-Mode-Aktivierung.

Porsche auf dem Vormarsch

In Runde 12 fuhren auch die beiden Porsche - inzwischen an der Spitze des Feldes - erstmals durch die Attack-Zone und fielen wieder ein Stück zurück. Eine Runde später verunfallte Andre Lotterer und musste anschließend die Box ansteuern. Sebastien Buemi übernahm nach 15 Runden die Führung vor den beiden Porsche-Fahrern, Vergne und Nick Cassidy. In Runde 16 attackierte Wehrlein Buemi und nahm Platz 1 ein. Auch sein Teamkollege schoss am Envision vorbei und konnte gerade noch rechtzeitig bremsen, um Wehrlein nicht abzuschießen.

Edo Mortara handelte sich einen Schaden an der Frontpartie ein und musste zur Reparatur an die Box kommen. Ein sehr ähnliches Schicksal ereilte auch Sam Bird, der seinen zweiten Platz vom Samstag damit nicht mehr wiederholen konnte. Die genauen Ursachen waren jeweils nicht ersichtlich. Müller kämpfte noch als Achter in der Spitzengruppe mit, Frijns hingegen war zu dieser Phase nur noch auf Rang 14 unterwegs. Die Reihenfolge zur Rennhalbzeit mit "bereinigtem" Attack-Mode-Klassement: Wehrlein, Felix da Costa, Vergne und Cassidy. Jake Dennis mischte ebenfalls vorn mit, musste aber noch einmal durch die Attack-Zone.

Auch Buemi erlitt einen Schaden an der Front und verlor am Ende der langen Geraden schließlich ein Teil. Im Schneckentempo versuchte er, die Runde zu beenden und an die Box zurückzukommen. Dabei behinderte er einige andere Fahrer, es kam jedoch zu keinem weiteren Kontakt. Max Günther hatte sich derweil still und heimlich von Startplatz 21 nach vorn gearbeitet. In Runde 24 von 40 war der Deutsche schon Fünfter. Cassidy lag nun in Führung vor Dennis und Vergne.

Schlussphase: Cassidy behält die Nerven

In den Top 10 hatten Felix da Costa und Evans einen leichten Energievorteil verglichen mit ihren Kontrahenten. Insgesamt war das Feld jedoch noch sehr ausgeglichen und dicht beisammen. Nach einem Duell über mehrere Kurven überholte Evans Wehrlein für Platz 5. Cassidy führte indes über mehrere Runden. Dennis war nach drei Vierteln des Rennens Zweiter vor Felix da Costa, Vergne, Evans, Wehrlein und Günther. Dann setzte sich der E-Prix erstmals ein bisschen. Günther versuchte immer wieder, an Wehrlein vorbeizukommen, blieb aber zunächst Siebter.

In Kurve 9 gerieten Evans und Felix da Costa leicht aneinander, wodurch sich die Top 3 vor ihnen ein Stück absetzen konnten. Günther nutzte die Situation und ging an Wehrlein vorbei. In Sachen Energie waren Dennis und Felix da Costa vier Runden vor Schluss am besten aufgestellt. In Führung lag aber immer noch Cassidy - erstaunlicherweise mit nur marginal weniger Energie.

In den letzten zwei Runden wurde es noch einmal richtig spannend. Allerdings spielte das Energiesparen in der Schlussphase keine Rolle mehr, sodass es kaum noch Angriffe gab. Cassidy behielt die Nerven und brachte den Sieg ins Ziel. Zweiter wurde Dennis vor Vergne. Günther kam nach großartiger Aufholjagd als Sechster ins Ziel, Wehrlein wurde nur Siebter. Nico Müller bescherte ABT Cupra als Neunter weitere Zähler.

In der Fahrer-WM konnte der Zweitplatzierte Nick Cassidy den Rückstand auf Spitzenreiter Pascal Wehrlein auf vier Punkte verringern. Hinter ihm tut sich eine Lücke von 15 Punkten zu Jean-Eric Vergne auf. Dann geht es jedoch eng zu. Alle Stammfahrer haben nun Punkte auf dem Konto. Bei den Teams hat Porsche ebenfalls weiterhin die Nase vorn. Envision Racing ist Zweiter mit 15 Zählern Rückstand, auf Rang 3 folgt Jaguar. ABT Cupra holte beim Heimspiel in Berlin endlich seine ersten fünf Punkte seit dem Formel-E-Comeback.

Das nächste Rennen findet bereits in weniger als zwei Wochen am 6. Mai statt. Dann gastiert die Formel E in Monaco.

Ergebnisse & Zeiten

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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