Formel E: Nissan-Neuzugang Zane Maloney erklärt, warum Überholen mit Gen4 schwieriger werden könnte
Thomas Grüssmer
NISMO
Mit dem Wechsel zu Nissan beginnt für Zane Maloney in der Formel E ein neues Kapitel. Der 23-Jährige ist vom Gen4-Auto begeistert, erwartet durch den permanenten Allradantrieb allerdings auch Veränderungen im Renngeschehen. Insbesondere Überholmanöver könnten seiner Einschätzung nach schwieriger werden. Gleichzeitig möchte er bei seinem neuen Team von Weltmeister Oliver Rowland lernen.
In seinen ersten beiden Formel-E-Saisons bei Lola Yamaha ABT kam der 23-Jährige auf insgesamt drei WM-Punkte. Nun wird der Barbadier bei Nissan Teamkollege von Ex-Weltmeister Oliver Rowland. Mit der Einführung von Gen4 steht gleichzeitig der bislang größte technische Umbruch in der Geschichte der Rennserie bevor.
In einem von Nissan veröffentlichten Interview spricht Maloney über seine ersten Erfahrungen mit dem Gen4-Fahrzeug. Besonders der permanente Allradantrieb, die höhere Leistung und das aktive Differenzial haben es ihm angetan. Allerdings erwartet er auch, dass die neue Technik das Renngeschehen deutlich verändern könnte.
Maloney erwartet schwierigere Überholmanöver
"Für die Rennserie ist es ein aufregender Moment. Wir sind zuversichtlich, dass das neue Auto die Formel E auf ein neues Niveau heben wird. Noch weiß niemand genau, was uns erwartet. Meine ersten Runden mit dem Gen4-Auto waren aber großartig", erklärt der 23-Jährige.
Er wagte auch einen Ausblick darauf, wie die Rennen mit dem neuen Fahrzeug verlaufen könnten: "Wir glauben, dass wir immer noch einige 'Peloton'-Rennen sehen werden. Das Überholen dürfte aufgrund des permanenten Allradantriebs aber schwieriger werden. Bisher bot der Attack-Mode durch den zusätzlichen Allradantrieb einen großen Vorteil. Dieser Vorteil dürfte nun geringer ausfallen."
Hintergrund ist eine grundlegende Änderung beim Antrieb: Während der Allradantrieb beim Gen3 Evo im Rennbetrieb lediglich beim Start und während des Attack-Mode zur Verfügung stand, verfügen die Gen4-Fahrzeuge dauerhaft über angetriebene Vorder- und Hinterräder. Der bisherige Traktionsvorteil des Attack-Mode entfällt damit.
Allerdings können die Fahrer während des Attack-Mode weiterhin auf deutlich mehr Antriebsleistung zurückgreifen: Statt maximal 450 kW sind dann bis zu 600 kW abrufbar. Wie stark sich die veränderten Voraussetzungen auf Überholmanöver und Rennstrategien auswirken werden, dürfte sich erst bei den ersten Rennen mit Gen4 zeigen.
Für die Teams könnte das neue Antriebskonzept auch strategische Veränderungen mit sich bringen. Maloney erwartet deshalb, dass die Ingenieure und Fahrer zunächst neue Herangehensweisen entwickeln müssen.
"Strategisch werden die Teams gezwungen sein, kreativer zu denken. Das erste Rennen wird für alle ein Lernprozess. Deshalb ist es besonders wichtig, von Beginn an schnell zu sein und mit guten Ergebnissen in die Saison zu starten."
Brands Hatch & Zandvoort: Maloney kehrt an Erfolgsstrecken zurück
Nicht nur das neue Fahrzeug stellt Maloney vor Herausforderungen. Mit Brands Hatch, Zandvoort und dem Circuit of the Americas stehen in Saison 13 zudem drei Strecken auf dem Kalender, auf denen die Formel E bislang noch nicht gefahren ist. Zwei davon verbindet der Nissan-Pilot mit besonderen Erinnerungen.
"Wir werden in Saison 13 auf vielen großartigen Strecken fahren, darunter auch einige, an die ich gute Erinnerungen habe. In Brands Hatch habe ich den Titel in der britischen Formel 4 gewonnen, in Zandvoort konnte ich in der Formel 3 siegen. Beide Strecken gefallen mir sehr gut."
Nissan-Neuzugang will von Weltmeister Oliver Rowland lernen
Neben der Eingewöhnung an Gen4 muss Maloney auch die Zusammenarbeit mit seinem neuen Team aufbauen. Dabei möchte der 23-Jährige zunächst die internen Abläufe kennenlernen und sich möglichst gut auf den Saisonstart vorbereiten.
"Meine Ziele für den Beginn der Saison sind, gut mit dem Team zusammenzuarbeiten und mich vor dem ersten Rennen mit allem vertraut zu machen. Was die reine Geschwindigkeit angeht, war ich in meiner Karriere immer konkurrenzfähig. Jetzt geht es darum, zu verstehen, was das Team und ich voneinander brauchen. In der Formel E kann das schwierig sein. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unsere Abläufe optimal aufeinander abzustimmen. Dann werden auch die Ergebnisse kommen."
Eine wichtige Rolle könnte dabei sein neuer Teamkollege Oliver Rowland spielen. Der Brite gewann 2024/25 den Fahrertitel und verfügt über deutlich mehr Formel-E-Erfahrung als Maloney.
"Oli als Teamkollegen zu haben, ist eine großartige Chance. Es wird toll, mit einem Fahrer zusammenzuarbeiten, der so viel Erfahrung mitbringt und erst vor Kurzem Weltmeister geworden ist. Ich werde versuchen, so viel wie möglich von ihm zu lernen", erklärt Maloney.
Die Zusammenarbeit mit Rowland läuft laut Maloney bereits gut. Besonders bei der Entwicklung des neuen Gen4-Fahrzeugs profitiert er vom erfahrenen Briten. "Er gibt sehr direktes Feedback, was sowohl für mich als auch für das Team hilfreich ist. Auf der Strecke gehört er zu den besten Fahrern. Nissan ist eines der stärksten Teams. Ich denke, gemeinsam bilden wir eine starke Kombination und können eine erfolgreiche Saison erleben."
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