Formel E

Formel E: Nyck de Vries erteilt McLaren Absage, Lucas di Grassi vor Wechsel zu Mahindra?

Timo Pape

Timo Pape

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Normalerweise beginnt die sogenannte Silly-Season, eine jährlich wiederkehrende Phase mit teilweise wilden Wechselgerüchten, eher gegen Saisonende. In diesem Formel-E-Jahr ist jedoch alles anders, denn mit dem Start der Gen3-Ära 2023 verändert sich viel bei den Teams der Elektro-Rennserie. Hersteller kommen und gehen, neue Kundenteam-Beziehungen entstehen. Gegenstand der heutigen Transfer-Spekulationen: der amtierende Meister Nyck de Vries sowie Lucas di Grassi.

Mercedes-Pilot de Vries meldete sich am Sonntag eindrucksvoll in der Saison 2022 zurück. Seit seinem Auftaktsieg in Saudi-Arabien war bei ihm "der Wurm drin", doch im zweiten Rennen von Berlin-Tempelhof siegte er souverän und verkürzte den Rückstand auf WM-Spitzenreiter Stoffel Vandoorne. Ob de Vries nächstes Jahr weiterhin Formel E fährt, ist allerdings noch offen. Mercedes zieht bekanntlich zum Saisonende den Stecker, McLaren übernimmt das Team mit Sitz in Brackley.

Seine Zukunft sieht de Vries allerdings nicht beim britischen Hersteller aus Woking. Auf die Frage, ob er nächstes Jahr als McLaren-Pilot an den Start gehen werde, antwortete der Niederländer bei ProSieben:  "Ich denke nicht, nein." ran-Experte und Ex-Fahrer Daniel Abt hakte daraufhin nach, ob er denn generell in der Formel E bleibe. "Wahrscheinlich, aber nicht für McLaren", so die klare Antwort des 27-Jährigen.

Etwas despektierlich äußerte er sich zudem über die Bekanntgabe der McLaren-Übernahme am frühen Samstagmorgen, die auch aus unserer Sicht nicht nur unkoordiniert wirkte, sondern auch zu einem äußerst ungewöhnlichen Zeitpunkt geschah. "Stoff (Vandoorne) und ich haben unsere Social-Kanäle aufgemacht und plötzlich festgestellt, dass es verkündet wurde. Unglücklicherweise verändert sich das Team, aber wir wussten, dass das passieren würde. So sieht die Zukunft nun mal aus."

F1-Premiere für de Vries, alte McLaren-Beziehungen für Vandoorne

Wie am Montag bekannt wurde, wird de Vries beim anstehenden Formel-1-Grand-Prix von Spanien das 1. Freie Training anstelle von Alex Albon für Williams bestreiten. Seine Chancen auf ein Cockpit in der "Königsklasse" sind nach wie vor real. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass de Vries im kommenden Jahr zu Toyota in die WEC wechselt. Wie "wahrscheinlich" sein Formel-E-Verbleib 2023 tatsächlich ist, bleibt also abzuwarten.

Teamkollege Stoffel Vandoorne ließ sich in Berlin hingegen keine konkreten Aussagen zu seiner Zukunft entlocken. Zwar betonte der Belgier, dass er durch seine Formel-1-Zeit natürlich gute Verbindungen zu McLaren habe. Noch sei die Zukunft Vandoornes jedoch komplett offen. In seinem Fall erscheint eine Übernahme durch McLaren trotzdem realistischer als bei de Vries. Gerüchten zufolge könnte Vandoorne auch bei DS andocken.

Lucas di Grassi künftig für Mahindra Racing?

Fragezeichen schweben bislang auch über der Formel-E-Zukunft von Lucas di Grassi. Medienberichten zufolge soll der Brasilianer schon länger einen Vertrag für 2023 haben. Wo er andocken soll, ist offen. Di Grassi selbst dementiert, dass bereits eine Entscheidung gefallen sei. Wie die Kollegen von 'Motorsport-Magazin.com' berichten, könnte der aktuelle Venturi-Pilot mit Beginn der Gen3-Ära zu Mahindra wechseln.

"Ich spreche mit Venturi (künftig Maserati) und mit anderen Teams", erklärt di Grassi. "Ich kann sagen, dass die Entscheidung sehr bald fallen wird. Es hängt vom ganzen Paket ab, von dem ich denke, dass es gut für die Gen3-Zeit sein wird. Alle starten von null, und es ist nicht leicht, das richtige Team auszuwählen."

Ob der Meister von 2017 auch mit seinem alten ABT-Team verhandelt, ist nicht bekannt. Wie ABT-Geschäftsführer Thomas Biermaier kürzlich durchblicken ließ, wäre eine Verpflichtung von Robin Frijns und Nico Müller durchaus vorstellbar. Auch Rene Rast ist weiterhin ein möglicher Kandidat für die Kemptener. "Nach dem Finale 2021 in Berlin haben wir gesagt, dass das nicht unser letztes Formel-E-Rennen gewesen ist", so sein langjähriger Berater Dennis Rostek in Berlin gegenüber 'Motorsport-Magazin.com'.

Laut 'The Race' soll jedoch vor allem McLaren Interesse am deutschen DTM-Ass haben und in Berlin wiederholt Gespräche mit Rasts Manager Rostek geführt haben. Darüber hinaus habe der britische Sportwagenhersteller unter anderem Sergio Sette Camara, Jake Dennis, Maximilian Günther und Oliver Turvey auf dem Radar, heißt es. Letzterer ist seit vielen Jahren eng mit McLaren verbandelt und wäre mit Blick auf seine Erfahrung und Pace eine logische Verpflichtung.

Felix da Costa zu Porsche, Giovinazzi zu Maserati?

Über die weiteren aktuellen Wechselgerüchte berichteten wir bereits. Antonio Felix da Costa wird seit Längerem als möglicher Fahrer für Porsche gehandelt. Eine Entscheidung will der Portugiese nach unseren Informationen gemeinsam mit seinem Berater Tiago Monteiro nach den 24 Stunden von Le Mans treffen, die am 11. und 12. Juni ausgetragen werden.

Bei Porsche könnte Felix da Costa unter Umständen Andre Lotterer ersetzen, der dieses Jahr allerdings in bestechender Form ist. Durch den jüngst verkündeten Motorendeal zwischen Porsche und Andretti könnte sich nichtsdestotrotz ein Türchen für den deutschen Routinier geöffnet haben, da Porsche möglicherweise bei der Fahrerauswahl seines Kundenteams ein Wörtchen mitreden darf. So war es zumindest bei BMW und Andretti.

Antonio Giovinazzi wird seinerseits mit einem Cockpit bei Maserati in Verbindung gebracht. Die Italiener steigen in der kommenden Saison beim Team von ROKiT Venturi Racing ein. Der ehemalige F1-Pilot fährt aktuell noch für Dragon, stand in den vergangenen Jahren aber bei Alfa Romeo unter Vertrag. Wie Maserati ist auch Alfa Teil der Stellantis-Gruppe. Eine Verpflichtung Giovinazzis läge somit auf der Hand. Bisher konnte er in der Formel E jedoch kaum überzeugen - auch nicht im direkten Vergleich mit seinem Teamkollegen Sergio Sette Camara.

Doppelmeister Jean-Eric Vergne, Envision-Pilot Robin Frijns und Sebastien Buemi (Nissan) bestätigten indes am Berlin-Wochenende, auch in Saison 9 Teil der Elektroserie zu sein. "Ja, ich werde nächstes Jahr in der Formel E fahren, aber ich kann noch nicht sagen, wo", erklärte Buemi am 'e-Formel.de'-Mikrofon. Ähnliches hörten wir von Frijns und Vergne. Die munteren Gedankenspiele zu potenziellen Personalrochaden in der Formel E dürften gerade erst begonnen haben…

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