Formel-E-Pionier Lucas di Grassi verrät: So brachte ich Audi, ABT & Virgin in die Rennserie
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Lucas di Grassi war nicht nur einer der erfolgreichsten Fahrer der Formel E, sondern spielte auch beim Aufbau der Rennserie eine wichtige Rolle. In einer Medienrunde verrät der Brasilianer, dass er unter anderem Audi, ABT und Virgin Racing in die Meisterschaft holte und sogar namhafte Sponsoren gewann. Dabei war seine ursprüngliche Aufgabe überraschenderweise nicht die Entwicklung des ersten Formel-E-Autos.
Als Lucas di Grassi im Juli 2012 zum Formel-E-Projekt von Alejandro Agag stieß, war die erste Saison noch mehr als zwei Jahre entfernt. Es gab weder ein einsatzbereites Rennauto noch ein vollständiges Starterfeld. Der Brasilianer war später maßgeblich an der Entwicklung der ersten Formel-E-Fahrzeuge beteiligt. Doch wie der Champion von 2016/17 nach seinem Karriereende berichtet, war dies ursprünglich gar nicht seine wichtigste Aufgabe.
"Ich bin sehr stolz darauf, dass ich von Anfang an dabei geholfen habe, das gesamte Ökosystem der Formel E aufzubauen", beschreibt Lucas di Grassi in einer Medienrunde, in der auch e-Formel.de teilnahm. "Ich wurde nicht eingestellt, um irgendetwas zu entwickeln. Meine Aufgabe bestand vielmehr darin, das Geschäft aufzubauen, denn wir hatten damals noch nicht einmal ein Auto."
Persönliche Kontakte als Schlüssel zum Erfolg
"Als Alejandro Agag mich im Juli 2012 einstellte, war klar, dass wir erst im Dezember 2013 ein Auto haben würden. Also verbrachten wir anderthalb Jahre damit, Teams für die Meisterschaft zu gewinnen", beschreibt er. "Aufgrund meiner Vergangenheit beim Formel-1-Team habe ich auch Virgin Racing in die Formel E gebracht. Ebenso habe ich Audi und ABT für die Meisterschaft gewonnen."
Für Audi war er in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC angetreten, ABT war zum damaligen Zeitpunkt, unter anderem durch die DTM, eng mit dem Hersteller aus Ingolstadt verbunden. Das Team ABT Sportsline trat bereits in der ersten Formel-E-Saison an, Audi war zunächst als Partner beteiligt und übernahm zur Saison 2017/18 den vollständigen Werkseinsatz.
Formel-E-Fahrerprogramm sollte bekannte Namen in die Rennserie bringen
"Ich habe Teams und Fahrer in die Meisterschaft gebracht. Außerdem habe ich das Fahrerprogramm ins Leben gerufen. Damit wollten wir von Anfang an hochkarätige Fahrer gewinnen und den Teams gleichzeitig einen finanziellen Nachlass ermöglichen. Ich sagte zu Alejandro, dass wir Fahrer mit hoher Glaubwürdigkeit brauchen, damit die Formel E erfolgreich sein kann."
Ein wichtiger Bestandteil der frühen Fahrergewinnung war der Formula E Drivers' Club, der im Januar 2014 mit zunächst acht Fahrern vorgestellt wurde, darunter di Grassi selbst, Sebastien Buemi, Marco Andretti, Karun Chandhok und Takuma Sato. Die Fahrer bekundeten damit öffentlich ihr Interesse an der neuen Meisterschaft und erhielten die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit dem Formel-E-Auto zu sammeln. Gleichzeitig konnten die neu gegründeten Teams auf einen Kreis etablierter und interessierter Piloten zurückgreifen.
Julius Bär & CBMM: Di Grassi holte auch Sponsoren in die Formel E
Auch im Bereich des Sponsorings war di Grassi bei der Akquise eingebunden, wie er beschreibt. "Ich habe auch Sponsoren wie Julius Bär und CBMM in die Formel E gebracht." Die Gewinnung solcher Partner war gerade in der Anfangsphase von besonderer Bedeutung, als die Formel E noch keine Rennen ausgetragen hatte und potenzielle Geldgeber von einem völlig neuen Motorsportkonzept überzeugen musste. Mit Julius Bär nennt di Grassi dabei einen Sponsor, der die Formel E seit ihrer Debütsaison begleitete und bis zum Ende von Saison 12 zu ihren langjährigen Partnern zählte.
"Ich habe also von Anfang an dabei geholfen, das Geschäft in allen möglichen Bereichen aufzubauen", erklärt er. "Und das kommt noch zu dem hinzu, was ich auf der Rennstrecke erreicht habe."
Auch sportlich prägte di Grassi die Geschichte der Formel E entscheidend mit. In zwölf Saisons gewann er 14 E-Prix, stand 42-mal auf dem Podium und sammelte insgesamt 1.109 Punkte. Sein größter Erfolg war der Gewinn des Fahrertitels in der Saison 2016/17. Seine Schilderungen machen jedoch deutlich, dass die Verdienste des Brasilianers weit über seine sportlichen Erfolge hinausgehen: Nach eigener Darstellung war er auch maßgeblich am wirtschaftlichen Aufbau der Meisterschaft beteiligt.
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