Formel E plant massiven Ausbau des Frauenprogramms: Renncockpit in 2 bis 3 Jahren als Ziel
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Die Formel E will deutlich schneller wieder eine Frau ins reguläre Starterfeld bringen. CEO Jeff Dodds kündigte vor dem Saisonfinale in London einen umfangreichen Ausbau des bisherigen Frauenprogramms an. Das konkrete Ziel: Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre sollen Fahrerinnen wieder auf WM-Niveau gegen die regulären Formel-E-Piloten antreten. Dabei sollen künftig auch die Teams eine deutlich größere Rolle übernehmen.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sieht Dodds nicht die grundsätzliche Leistungsfähigkeit weiblicher Fahrerinnen als Problem. Männer und Frauen könnten im Motorsport auf demselben Niveau gegeneinander antreten, die Voraussetzungen auf dem Weg dorthin seien derzeit jedoch nicht gleich.
Genau diese Lücke will die Formel E nun schließen. In Kürze soll ein deutlich umfangreicheres Förderprogramm vorgestellt werden. Statt Fahrerinnen hauptsächlich Testkilometer in aktuellen Formel-E-Fahrzeugen zu ermöglichen, soll es ihnen weitere Schritte auf dem Weg zu einem regulären Renncockpit eröffnen. Dodds spricht von einer erheblichen Investition.
Formel-E-Teams sollen Fahrerinnen stärker fördern
Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Teams zu. Nach Angaben von Dodds verfügen die meisten Rennställe bereits über eine Fahrerin in ihrem Entwicklungsprogramm. Für die kommende Saison will die Formel E die Teams jedoch noch stärker in die Förderung einbinden. Die bisherigen Reaktionen der Mannschaften seien sehr positiv, erklärte der CEO in London.
Die Grundlage dafür hat die Rennserie in den vergangenen beiden Jahren geschaffen. 2024 veranstalteten Formel E und FIA erstmals einen eigenen Test ausschließlich für Rennfahrerinnen, 2025 folgte eine zweite Ausgabe mit verdoppelter Fahrzeit. Beim jüngsten Test in Valencia gingen insgesamt 14 Fahrerinnen auf die Strecke.
Insgesamt erhielten bei den beiden Tests bereits 21 Frauen die Gelegenheit, den Gen3-Evo-Boliden zu fahren. Mehrere Teams haben Fahrerinnen inzwischen fest in ihre Programme integriert. Dazu gehören unter anderem Abbi Pulling bei Nissan, Juju Noda bei Jaguar, Bianca Bustamante bei Cupra Kiro und Sophia Flörsch bei Opel.
Der nächste Schritt soll nun über reine Test- und Entwicklungsrollen hinausgehen. Innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre will Dodds wieder Fahrerinnen in Formel-E-Rennen gegen das reguläre Starterfeld antreten sehen. Ob und welche Fahrerinnen tatsächlich ein Renncockpit erhalten, hängt dabei entscheidend von den Teams ab. Ohne deren Unterstützung und entsprechende Möglichkeiten sei dieses Ziel nicht zu erreichen.
Seit 2016 keine Frau mehr bei einem Formel-E-Rennen
Seit dem Start der Formel E 2014 bestritten Katherine Legge, Michela Cerruti und Simona de Silvestro Rennen in der Elektroserie. De Silvestro war die erfolgreichste von ihnen: Sie absolvierte Saison 2 als Stammfahrerin bei Andretti und ist bis heute die einzige Frau, die in der Formel E Punkte erzielte.
Ihr letzter Start liegt inzwischen mehr als zehn Jahre zurück: Am 3. Juli 2016 trat de Silvestro beim London E-Prix als bislang letzte Frau zu einem Formel-E-Rennen an. Seitdem waren zwar zahlreiche Fahrerinnen bei Tests und in Entwicklungsrollen für verschiedene Teams aktiv, in einem E-Prix ging jedoch keine mehr an den Start.
Neue Chancen könnte dabei auch die Gen4-Ära eröffnen. Die Formel E hat angekündigt, dass die neuen Fahrzeuge mit einer Servolenkung ausgestattet werden. Sie reduziert die körperlichen Anforderungen beim Lenken und soll laut Dodds dazu beitragen, die Voraussetzungen für männliche und weibliche Fahrer weiter anzugleichen.
Ein konkretes Renncockpit ist damit noch nicht vergeben. Mit dem erstmals genannten Zeitfenster von zwei bis drei Jahren macht die Formel E aber deutlich, wohin die bisherigen Tests und Entwicklungsprogramme führen sollen: zurück zu Frauen im regulären Formel-E-Starterfeld.
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