Formel E

Formel-E-Premiere in Spanien: Die XXL-Vorschau auf den Valencia E-Prix 2021

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Langsam, aber sicher nimmt die Formel-E-Saison 2021 Fahrt auf. Nur zwei Wochen nach dem Europa-Auftakt in Italien gastiert die Elektrorennserie auf der aus der Motorrad-WM bekannten Rennstrecke in Valencia. Warum das erste Formel-E-Rennen in Spanien eine besondere Relevanz für die verbleibende Saison hat, liest du in unserer XXL-Rennvorschau auf den Valencia E-Prix.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Spätestens seit der von der Coronavirus-Pandemie zerrütteten Saison 2019/20 weiß auch die Formel E um die Bedeutung von Flexibilität bei der Planung ihres Rennkalenders. Auch in diesem Jahr führt der "Reiseplan" die Formel E an einige ungewohnte, neue Austragungsorte - so auch am kommenden Wochenende.

Dabei ist der Circuit Ricardo Tormo unweit der spanischen Stadt Valencia streng genommen kein fremdes Terrain für die Elektrorennserie. Seit 2017 werden auf dem Rundkurs die kollektiven Vorsaison-Testfahrten ausgetragen, wenn auch auf unterschiedlichen Streckenführungen. Beim "DHL Valencia E-Prix" können die Teams also durchaus auf Erfahrungen aus den vergangenen Jahren aufbauen - auch wenn es das erste offizielle Rennen in Spanien ist.

Welche Herausforderungen die Strecke in Valencia birgt, worauf sich die Rennställe vorbereiten müssen, und welche Folgen die kurze Pause nach dem Rom E-Prix für die Piloten hat, erfährst du in unserer e-Formel.de Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss

Streng genommen liegt die Formel-E-Rennstrecke nicht in Valencia, sondern im rund 26 Kilometer westlich gelegenen Vorort Cheste. Beide Städte entstanden vor rund 2.000 Jahren unter römischen Einflüssen. Valencia entwickelte sich durch seine Nähe zum Mittelmeer und den Fluss Turia jedoch schnell zur Metropole im Osten Spaniens.

In den folgenden Jahrhunderten stand die Stadt unter wechselnden christlichen und islamischen Herrschaftseinflüssen, ehe das Königreich Valencia schließlich im Jahr 1238 zu einem Teil der Krone von Aragon wurde. Die ereignisreiche Geschichte ist noch heute im Stadtbild der drittgrößten Stadt Spaniens zu erkennen. Zu den Wahrzeichen Valencias gehören das frühere Stadttor Torres de Serranos, die Kathedrale von Valencia, die Stierkampfarena, zahlreiche Klöster und das moderne L'Oceanografic-Aquarium.

Rückspiegel | Was seit dem Rom E-Prix passierte

Die ungewöhnlich kurze Pause zwischen Rom und Valencia nutzten die Teams für einige umfangreiche Vorbereitungstage in ihren Simulatoren. Jake Dennis (BMW) reiste nach seinem durchwachsenen Saisonstart beispielsweise ohne Zwischenstopp in Großbritannien direkt nach München, um sich mit seinem Team auf den nächsten E-Prix vorzubereiten.

Dementsprechend war es eher ruhig seit dem Rom-Wochenende. Die Formel E selbst verkündete in der vergangenen Woche jedoch die seit längerem erwartete Layout-Anpassung für den Monaco E-Prix. Erstmals wird die Elektroserie nicht auf der Kurzanbindung im Fürstentum fahren, sondern auf eine leicht angepasste Version der Formel-1-Streckenführung ausweichen. Außerdem gab die Formel E endlich das Streckenlayout für Valencia bekannt (siehe unten).

Zeitplan | Das Formel-E-Rennen in Spanien

Auch beim dritten Rennwochenende der Saison 2021 trägt die Formel E einen "Double-Header" aus. Im Rahmen einer Veranstaltung finden somit zwei Rennen statt - eines am Samstag und eines am Sonntag. Für beide Rennen gibt es die volle Punktzahl. Der Valencia E-Prix besteht somit aus zwei einzelnen Meisterschaftsläufen. Wie bei Doppelrennen üblich, findet am Sonntag ein zusätzliches Freies Training statt.

Session Freitag (23.04.) Samstag (24.04.) Sonntag (25.04.)
Shakedown 17:30-17:45 Uhr - -
1. Freies Training - 07:20-08:05 Uhr -
2. Freies Training - 09:15-09:45 Uhr -
3. Freies Training - - 08:00-08:45 Uhr
Qualifikation - 11:00-12:00 Uhr 10:00-11:00 Uhr
Rennen - 15:04 Uhr 14:04 Uhr

 

Strecke | Herausforderung durch Layout-Premiere

Auf kaum einer Strecke haben die Teams der Formel E so viele Runden absolviert wie auf dem Circuit Ricardo Tormo - allein 5.652 bei den Vorsaison-Tests 2020. Der 3,376 Kilometer lange Rundkurs bietet einige mittelschnelle Kurven, ebenen Asphalt, für die Formel E ungewöhnlich lange Geraden sowie weitläufige Auslaufzonen.

Zwar sollen diese mit Betonmauern verkleinert werden, um den "Flow" der Strecke an typischere Formel-E-Kurse anzunähern. Dennoch wartet am kommenden Wochenende eine ganz besondere Herausforderung auf die Rennställe, vor allem in Sachen Energiemanagement.

Im Vergleich zu den Testfahrten hat die Formel E die Kursführung angepasst und neben einer Schikane auf der Start-/Zielgeraden eine zusätzliche Schleife im Innenbereich der Strecke hinzugefügt. Während die ersten zwei Sektoren unverändert bleiben, bietet das letzte Streckendrittel also eine neue Herausforderung für die Fahrer. Hinzu kommt das geringere Grip-Niveau zwischen den Kurven 9 und 10, denn der hier verlegte Asphalt wird nur von wenigen Rennserien genutzt.

TV & Livestream | Der Valencia E-Prix der Formel E

Formel-E-Fans können auch bei den Valencia-Rennen auf die deutschsprachige Übertragung von "ran racing" vertrauen. Jeweils eine halbe Stunde vor den Läufen starten die Live-Sendungen bei Sat.1 mit Vorberichten. Das Rennen kommentieren wie gewohnt Eddie Mielke und Daniel Abt.

Alle anderen Sessions des Valencia-Wochenendes kannst du im Livestream auf e-Formel.de verfolgen: Wir bieten zu sämtlichen Freien Trainings und Qualifyings einen kostenlosen Stream an. Außerdem begleiten wir alle Sessions wie immer in unserem eigenen Live-Ticker, der sich ideal als "Second Screen" für zusätzliche Informationen oder als Lösung für unterwegs anbietet.

>>> ausführliche TV- & Livestream-Übersicht zum Formel-E-Rennen in Valencia

In Deutschland, Österreich und der Schweiz können alle Qualifyings und Rennen der Formel E in Valencia außerdem im kostenpflichtigen Eurosport Player empfangen werden. In Österreich überträgt abermals ORF 1 den E-Prix live, in der Schweiz zeigt MySports One das Rennen.

Qualifying-Gruppen | Übersicht für den Valencia E-Prix

Alle Fahrer werden in der Formel E für die Qualifikation in vier Gruppen eingeteilt. Somit soll gewährleistet werden, dass jeder der 24 Fahrer (zumindest in der Theorie) eine "freie Runde" auf den üblicherweise engen Kursen drehen kann - auch wenn dies in Valencia wohl kaum der Fall sein wird.

Die Zuteilung der Gruppen ergibt sich aus dem aktuellen Meisterschaftsstand. Den Piloten jeder Gruppe stehen insgesamt vier Minuten zur Verfügung, um ihre Qualifying-Zeit zu setzen. Für den Valencia E-Prix ergeben sich folgende Gruppen.

Wettervorhersage | Erneute Regenwahrscheinlichkeit

Beim Rom E-Prix wurde das verregnete Qualifying zu einem der größten Gesprächsthemen des Wochenendes - und auch in Valencia könnte es wieder tröpfeln. Für den Samstag prognostizieren Meteorolog:innen derzeit eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von 15 Prozent. Sonntags dürfte es hingegen trocken bleiben.

Die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen ist einige Tage vor dem Event dennoch stark eingeschränkt. Es wäre keine Überraschung, wenn sich die Prognose bis zum Renntag noch verändern würde. Die Temperaturen dürften sich in einem Bereich zwischen 11 und 19 Grad Celsius bewegen.

Fast Facts | Valencia

  • In den vergangenen vier Jahren fanden in Valencia die offiziellen Vorsaison-Tests der Formel E statt. Dabei legten die Fahrer insgesamt 16.348 Runden und eine Distanz von etwas mehr als 50.800 Kilometern zurück - weitaus mehr als eine Umrundung des Äquators!
  • Die zwölfte Kurve des Formel-E-Layouts in Valencia ist nach dem im Januar verstorbenen Adrian Campos benannt. In den vergangenen Jahren leitete das Team von Campos, der 1987 und 1988 für Minardi in der Formel 1 fuhr, unter anderem die Einsätze für Mahindra und Nio in der Formel E.
  • Virgin-Fahrer Robin Frijns nimmt in Valencia an seinem 50. Formel-E-Rennen teil. Antonio Felix da Costa (DS Techeetah) startet samstags voraussichtlich zum 70. Mal in einem E-Prix, Stoffel Vandoorne (Mercedes) und Alexander Sims (Mahindra) gehen sonntags in ihr 30. Rennen.
  • In der Geschichte der Formel E gab es bislang drei spanische Fahrer - doch alle starteten nur in der ersten Saison (2014/15). Jamie Alguersuari ging damals für Virgin an den Start, Oriol Servia für Dragon, und Antonio Garcia für China Racing/NextEV (heute: Nio 333).
  • Die größte Paella der Welt wurde in einer 21,5 Meter breiten Pfanne gekocht. Um den Valencia-Kurs einmal zu umrunden, bräuchte man 155 dieser Pfannen.

Video: Die Highlights der Vorsaison-Testfahrten 2020

Prognose | Keine Entschuldigungen für schlechte Pace

Auf kaum einer Strecke haben die Teams derart viele Vorerfahrungen wie auf dem Circuit Ricardo Tormo. Nach zahllosen Runden im Rahmen der kollektiven Testfahrten sowie den ersten vier Rennen der Saison gibt es somit keine Entschuldigungen mehr für schlechte Pace.

Gerade das BMW-Werksteam steht in Valencia unter Zugzwang. Formel-E-Rookie Jake Dennis konnte in den ersten Rennen noch nicht die Top 10 erreichen, Maximilian Günther vergab in Rom durch eine verpasste Attack-Mode-Aktivierung die Chance auf ein noch besseres Ergebnis. Grund zum Optimismus gibt es trotzdem: Der Deutsche fuhr bei den Testfahrten 2020 die schnellste Zeit der Woche, wenn auch auf einem anderen Layout.

Fahrern wie Lucas di Grassi (Audi), Nick Cassidy (Virgin) oder Andre Lotterer (Porsche), die beim letzten Rennen in Rom aus verschiedenen Gründen Federn ließen, kommt die kurze Unterbrechung zwischen Rom und Valencia gelegen. Nur selten gibt es in der Formel E die Gelegenheit, bereits zwei Wochen nach dem letzten Rennen etwaige verpasste Gelegenheiten auszubessern.

Jaguar und Mercedes werden das Momentum des erfolgreichen Saisonstarts hingegen nutzen wollen, um auch in Spanien um die Spitzenpositionen zu kämpfen. Sam Bird und Mitch Evans führen die Fahrermeisterschaft dank ihres Doppelpodiums in Rom derzeit an, dicht gefolgt von Robin Frijns (Virgin) und den zwei Mercedes-Piloten. Mit einem weiteren guten Rennwochenende könnte sich der erste Pilot womöglich vorzeitig im Meisterschaftskampf absetzen.

Welche Auswirkungen die neue Streckenführung haben wird, bleibt zunächst abzuwarten. Es ist durchaus möglich, dass sich durch den "Infield Loop" das Kräfteverhältnis etwas verschiebt. Durch die Vorerfahrungen in den vollkommen unveränderten Sektoren 1 und 2 dürften die Teams dennoch mit einem kleinen Erfahrungsvorsprung ins Wochenende starten - es hängt also viel an der Fahrzeugbalance im entscheidenden dritten Sektor sowie an der Effizienz des Antriebs.

Wir freuen uns auf ein spannendes Rennwochenende in Spanien. e-Formel.de begleitet den Valencia E-Prix 2021 wie gewohnt in aller Ausführlichkeit für dich. Neben Berichten, Analysen und aktuellen Meldungen von der Rennstrecke bieten wir auch dieses Jahr für alle Trainings, Qualifyings und Rennen unseren beliebten LGT Formel E Live-Ticker an, in dem wir dich mit Echtzeit-Updates aus Valencia versorgen.

Übrigens: Auch in diesem Jahr haben unsere Leser eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis Freitag Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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