Formel E

Formel-E-Qualifying: Der Chaos-Kerb von Hongkong

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Was für ein Comeback! Nelson Piquet jr. steht auf der Pole-Position zum Hong Kong ePrix. Der Champion der ersten Formel-E-Saison teilt sich beim Premierenrennen des dritten Jahres der Elektroserie nach einer chaotischen Qualifikationssession die erste Startreihe mit seinem NextEV-Teamkollegen Oliver Turvey. Dahinter stehen ebenfalls unerwartet die Virgin-Partner Jose Maria Lopez und Sam Bird. Das Quartett profitierte gewissermaßen von einer Reihe roter Flaggen und Unfällen, die Folge einer scharf kritisierten Änderung der Strecke unmittelbar vor dem Qualifying waren…

Wenige Minuten vor Start des ersten Qualifyings entschied die Rennleitung, den hohen "Sausage Kerb" aus der Schikane (Kurven 3/4) zu entfernen. Zuvor war Piquet jr. im 2. Freien Training in die TECPRO-Barriere eingeschlagen, nachdem ihn jener Randstein in die Luft katapultiert hatte. Kurios: Die Rennleitung gab keinerlei Information an die Teams weiter, dass der blaue Betonrandstein abmontiert werden soll. Auch wurde die Entscheidung ohne Einbezug der Fahrer getroffen. Die fünf Piloten der ersten Qualifikationsgruppe waren dementsprechend überrascht: Die Strecke war nicht mehr die, die sie aus dem 2. Freien Training kannten.

Nico Prost (e.dams) war nach seinem Run außer sich: "Man sieht ohne den Sausage Kerb fast nichts mehr", beschwerte sich der Franzose im Interview. Tatsächlich galt der Randstein als einzige optische Referenz für den Einlenkpunkt der Kurve, da die Sicht der Fahrer aufgrund ihrer Sitzposition im Auto zu stark eingeschränkt ist. Auch Nick Heidfeld (Mahindra) beschwerte sich: "Als Fahrer will man so etwas nicht sehen, dass kurz vor dem Qualifying noch Änderungen an der Strecke vorgenommen werden."

Favoritensterben an der Wand

Noch mehr Gesprächsstoff lieferte der fehlende Randstein in der zweiten Qualifikationsgruppe. Auf seiner schnellen Runde verlor Lucas di Grassi (ABT), einer der Favoriten auf die Pole-Position, die Kontrolle über sein Auto auf einer Bodenwelle vor der Schikane, die durch die Arbeiten am Randstein noch verschlimmert wurde. Der Brasilianer schlug mit der linken Fahrzeugseite in die Barriere ein und lädierte sich seinen Boliden - das Qualifying war für di Grassi gelaufen. Der Vizemeister der vergangenen Saison startet dadurch nur von Platz 19.

Auf seiner Outlap in Qualifying-Gruppe 3 räuberte auch Felix Rosenqvist (Mahindra) über den verbliebenen Kerb der Schikane, konnte einen Einschlag jedoch gerade noch vermeiden, obwohl auch er abhob. Robin Frijns (Andretti) ereilte ein anderes Schicksal: Der Niederländer schlug frontal in die Barriere ein, nachdem er - ähnlich wie di Grassi zuvor - die Kontrolle auf dem Randstein verlor. Frijns schied aus und verwandelte die Strecke in ein regelrechtes Trümmerfeld. Die Reparaturarbeiten verzögerten die Session so lange, dass der Shoot-out um die Super-Pole aufgrund von Zeitmangel abgesagt wurde. Sein Teamkollege Antonio Felix da Costa kündigte in der Pause bereits an: "Da werden wir später mit der Rennleitung drüber reden müssen."

Die Fahrer äußern ihren Unmut über die nahezu willkürlichen Veränderungen der Strecke. "Wir haben zwei Sessions lang geübt, und dann gehst du in die Qualifikation, ohne die Schikane einschätzen zu können. Das beeinträchtigt meine Meisterschaft von Beginn an", klagt Lucas di Grassi, der sich in Saison drei endlich seinen ersten Formel-E-Titel sichern will.

Ob die Rennleitung den Randstein zum Rennstart wieder aufstellt oder die Kurve unverändert lässt, ist zur Stunde noch nicht bekannt. Mit einem Kontakt in der ersten Runde ist in der ohnehin sehr engen Kurve ist aber allemal zu rechnen. Das Rennen in Hongkong startet um 10 Uhr deutscher Zeit. Eurosport überträgt den ePrix live im Free-TV. Wir kommentieren wie gewohnt im Live-Ticker für euch.

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