Formel E

Formel-E-Qualifying: Sebastien Buemi holt sich am Freitag in Saudi-Arabien Pole-Position-Rekord zurück

Timo Pape

Timo Pape

Buemi-Diriyah-Envision-Racing

Sebastien Buemi hat sich die Pole-Position zum Freitagsrennen der Formel E in Saudi-Arabien geholt. In einer packenden und hochklassigen Qualifikation zum Diriyya E-Prix setzte er sich im Finale gegen McLaren-Rookie Jake Hughes durch und zog in der ewigen Statistik wieder mit Jean-Eric Vergne gleich - beide stehen nun bei 15 Pole-Positions. Nach mehreren Unfällen musste das Qualifying zwischenzeitlich unterbrochen werden.

Gruppe A: Hughes fliegt, Unfälle für beide Maserati-Fahrer

Die erste Gruppe begann mit vorsichtigen Runden, um erst einmal wieder den Sand von der Strecke zu fahren, der sich seit dem 2. Freien Training abgelagert hatte. Die ersten seriösen Zeiten kamen nach knapp fünf Minuten rein. Sacha Fenestraz im Nissan war bis dahin der Schnellste.

Dann krachte es heftig: Maximilian Günther kam in Kurve 11 von der Ideallinie ab und schlug mit recht hoher Geschwindigkeit im 45-Grad-Winkel in die TecPro-Barriere ein. Der Deutsche blieb unverletzt, doch sein Maserati nahm schweren Schaden an der Frontpartie. Die Rennleitung ließ rote Flaggen schwenken und hielt die Zeit bei 7:03 verbleibenden Minuten an. Ein Kranwagen zog den E-Rennwagen zunächst aus der Bande und schleppte ihn dann am Haken durch einen Notausgang von der Strecke. Anschließend standen jedoch noch Reparaturarbeiten an der TecPro-Barriere an, sodass sich die Unterbrechung zog.

Nach gut 13 Minuten Pause ging es weiter. Erwartungsgemäß wurden die Rundenzeiten nun besser. Oliver Rowland war zunächst der Schnellste vor Dan Ticktum, Antonio Felix da Costa und Lucas di Grassi. Dann erneut ein Unfall - erneut für Maserati: Edo Mortara verlor das Heck seines Autos in Kurve 16 und krachte rückwärts in die Mauer. Auch der zweite Maserati nahm schweren Schaden, schaffte es jedoch aus eigener Kraft zurück an die Box. Viel Arbeit für das Team vor dem Freitagsrennen!

Nun zählte es für die verbliebenen neun Fahrer: Jake Hughes drehte mit Bestzeiten in den Sektoren 1 und 2 die schnellste Runde seiner Gruppe und zog auch bei seinem zweiten Formel-E-Qualifying in die Duellphase ein! Oliver Rowland qualifizierte sich als Zweiter, und auch FP2-Gewinner Dan Ticktum (Nio 333) kam als Dritter eine Runde weiter. Auf Platz 4 schaffte es Lucas di Grassi - beide Mahindra damit überraschend im Viertelfinale! Nick Cassidy scheiterte knapp als Fünfter vor Mexiko-Sieger Jake Dennis und Antonio Felix da Costa (Porsche). Dahinter reihten sich ein: Norman Nato, Sacha Fenestraz, Mortara und Günther.

Gruppe B: Jaguar lässt die Muskeln spielen, nächstes DS-Desaster

In Gruppe B vermeldete ABT Cupra zunächst, dass Nico Müller nach seinem Unfall im 2. Freien Training nicht an der Qualifikation würde teilnehmen können. In den ersten Minuten gab Sebastien Buemi im Kunden-Jaguar von Envision das Tempo vor. Hinter ihm stellten sich nach den ersten Versuchen Sam Bird, Mitch Evans und Rene Rast an - Jaguar durchweg mit starker Pace. Debütant Kelvin van der Linde (ABT) verlor kurzzeitig die Kontrolle über sein Auto, konnte sich aber retten. Pascal Wehrlein verbesserte sich auf Platz 2, Jean-Eric Vergne auf den dritten Rang vor Andre Lotterer. Beinahe kam es zu einer Kollision zwischen Pascal Wehrlein und Sergio Sette Camara, der den heranrasenden Deutschen nicht sah.

Dann wurde es ernst. Bird drehte eine starke Runde mit zwei Sektorenbestzeiten und übernahm die Spitze. Buemi schaffte es auf den zweiten Platz, Evans wurde Dritter. Außerdem zog McLaren-Pilot Rast ins Viertelfinale ein. Wehrlein scheiterte als Fünfter, und auch einige andere Duellkandidaten schieden in folgender Reihenfolge vorzeitig aus: Sergio Sette Camara, Jean-Eric Vergne und Andre Lotterer. Formel-E-Meister Stoffel Vandoorne wurde gar nur Neunter - das nächste Quali-Desaster für DS Penske. Van der Linde wurde mit rund einer halben Sekunde Rückstand auf den Belgier Zehnter, ABT-Teamkollege Müller wird ohne Quali-Zeit von ganz hinten starten.

Viertelfinale

VF1: Dan Ticktum vs. Oliver Rowland

Im ersten Viertelfinale traten zwei Briten gegeneinander an. Ticktum legte mit einem starken Sektor 1 vor und fuhr auch im zweiten Abschnitt eine Zehntelsekunde schneller als Rowland. Am Ende war der Nio-333-Fahrer mehr als eine halbe Sekunde besser als Rowland und zog mit einer Rundenzeit von 1:09.953 ins Halbfinale ein.

VF2: Lucas di Grassi vs. Jake Hughes

Sektor 1 im zweiten Duell ging klar an Hughes, der auf einem ähnlichen Niveau wie Ticktum unterwegs war. Im zweiten Streckenabschnitt waren beide Piloten auf Augenhöhe, doch auch im letzten Abschnitt verlor di Grassi Zeit. Unter dem Strich fehlten dem Pole-Sitter von Mexiko mehr als drei Zehntelsekunden auf den McLaren-Fahrer. Rookie Hughes weiter!

VF3: Mitch Evans vs. Sebastien Buemi

Im Duell der beiden Jaguar-Fahrzeuge erwischte Evans den geringfügig besseren Start. Buemi konterte jedoch in Sektor 2 und nahm seinem Kontrahenten dort zwei Zehntelsekunden ab. Durch einen starken letzten Sektor setzte sich Buemi im Kunden-Jaguar von Envision am Ende mit zweieinhalb Zehntelsekunden Vorsprung gegen den Werksfahrer durch - starker Auftritt des Formel-E-Champions von 2016!

VF4: Rene Rast vs. Sam Bird

Rast erwischte zwar einen guten ersten Sektor, Rivale Bird war jedoch noch eine Zehntelsekunde schneller. Der Deutsche im McLaren konnte im zweiten Streckenabschnitt kontern und den Rückstand wieder aufholen. In Sektor 3 zauberte Diriyya-Experte Bird jedoch und nahm Rast wieder knapp zwei Zehntelsekunden ab. Dies war auch der Abstand am Ende der Runde. Rast raus, Bird mit bisherigem Gen3-Rekord (1:09.558 Minuten) im Halbfinale.

Halbfinale

HF1: Jake Hughes vs. Dan Ticktum

Im ersten Halbfinale ging Hughes zuerst auf die Strecke. Sein erster Sektor war jedoch überschaubar. Ticktum hingegen war auf dem gleichen Niveau wie in seinem Viertelfinale unterwegs. Auch im zweiten Streckenabschnitt war der Nio-333-Fahrer etwas schneller als Hughes. Dann leistete sich Ticktum jedoch einen entscheidenden Fehler: In der letzten Kurve stand sein Auto quer, wodurch er rund acht Zehntelsekunden verlor. Hughes mit viel Glück erstmals im Finale, Frust bei Nio 333!

HF2: Sebastien Buemi vs. Sam Bird

Im zweiten Halbfinale war Bird zunächst schneller und nahm seinem Markenkollegen gut eine Zehntelsekunde ab. Der zweite Abschnitt des anspruchsvollen Kurses von Diriyya ging jedoch - wieder gerade so - an Buemi. In Sektor 3 setzte der Envision-Fahrer noch einen drauf, sodass er letztlich mit knapp einer Zehntelsekunde Vorsprung ins Finale vorrückte. Buemi damit zum ersten Mal seit 33 Rennen (Berlin E-Prix 2020) wieder in der ersten Startreihe!

Finale: Jake Hughes vs. Sebastien Buemi

Im Qualifying-Finale des Diriyya-Freitags legte Hughes vor. Hughes war im ersten Sektor minimal schneller als Buemi. Auch im zweiten Teil der Strecke waren beide fast identisch schnell, jedoch erneut mit einem leichten Vorteil für Hughes. Am Ende konnte Buemi jedoch abermals das Extrafünkchen aus seinem Envision herauskitzeln! Mit sechs Hundertstelsekunden setzte sich der Schweizer durch und holte seine 15. Pole-Position in der Formel E - die erste seit dem New York E-Prix 2019! Damit zog er in dieser Statistik wieder mit Jean-Eric Vergne gleich, die nun gemeinsam den Rekord halten.

Nach der Zieldurchfahrt brach Buemi schon am Teamfunk in Jubel aus. Nach dem Qualifying erklärte er im Formel-E-Weltsignal: "Es fühlt sich toll an. Ich bin ein bisschen emotional, obwohl es nur das Qualifying ist. Alles wegen den letzten zwei Saisons. Die Zeit war hart, und natürlich fängt man dann auch an, an sich selbst zu zweifeln. Ich freue mich riesig: Ich habe es wohl immer noch drauf! Das ist wahrscheinlich die emotionalste Pole-Position meiner Karriere", so Buemi.

Das zweite Rennen der Formel-E-Saison 2023 beginnt am Freitagabend um 18 Uhr (MEZ). ProSieben überträgt den Diriyya E-Prix live im Free-TV, ran.de im Livestream. Wir begleiten das Rennen wie gewohnt in unserem beliebten Hankook Formel E Liveticker.

Ergebnisse, Zeiten & Startaufstellung

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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