Formel E

Bird-Unfall beendet Überholshow von Nick Cassidy in Rom: "Wären sonst noch weiter vorn gelandet"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Nick-Cassidy-Envision-Free-Practice

Kaum ein Fahrer holte im Sonntagsrennen des Rom E-Prix so viele Positionen auf, wie Nick Cassidy (Envision). Der Neuseeländer, der nach einem enttäuschenden Qualifying nur von Platz 18 gestartet war, arbeitete sich im Rennverlauf bis in die Top 6 vor. Dass er nach einem Kontakt mit Sam Bird (Jaguar) kurz vor Schluss das Ziel nicht erreichte, sei zwar enttäuschend. Dennoch blickt er optimistisch auf den nächsten E-Prix.

"Mein Rennen war echt mega", fasst Cassidy seinen E-Prix gegenüber 'e-Formel.de' zusammen. "Ich bin von P18 bis auf den sechsten Platz gefahren, wurde dann aber in die Wand gedrückt. Das ist enorm schade, weil wir sogar mehr Energie als die Autos vor uns hatten. Vielleicht wären wir noch weiter nach vorn gekommen."

Die Grundlage für seine Aufholjagd versuchte der 27-Jährige bereits im 3. Freien Training zu legen. Am Tag zuvor hatte er wertvolle Trainingszeit verloren, nachdem in einer der ersten Runden die Audi-Antriebswelle in seinem Envision-Fahrzeug brach. Nach insgesamt 13 Runden im 3. Training war Cassidy der Fahrer mit der viertschnellsten Zeit im 220-kW-Modus, konnte jedoch keine 250-kW-Runde absolvieren.

Die mangelnde Erfahrung in der höchsten Leistungseinstellung machte sich im Qualifying bemerkbar: nur Startplatz 18 für Cassidy. Im Rennen sorgte eine Safety-Car-Phase für zusätzlichen Frust, denn unmittelbar vor dem Ausfall von Alexander Sims (Mahindra) hatte Cassidy seinen Attack-Mode aktiviert, der somit verpuffte.

Nick-Cassidy-Rear-Shadows

"Ich habe fast alles hinter dem Safety-Car verloren", erinnert sich Cassidy. "Aber nicht nur ich, sondern auch einige andere waren davon betroffen. Wir konnten (die zusätzliche Leistung) deswegen nicht nutzen, was die Wirkung des Attack-Modes etwas zerstört hat. Wir haben dadurch kein 'echtes' Rennen gesehen und konnten nicht herausfinden, wie es mit dem Attack-Mode gelaufen wäre."

Cassidy hätte dank Energievorteil "noch richtig Schaden anrichten können"

Große Teile des Rennens absolvierte der Envision-Fahrer in Reichweite der Top 10, jedoch konnte er erst in der Schlussphase des E-Prix Kurs auf die Topplätze nehmen. Bei einem Manöver gegen Sam Bird (Jaguar), bei dem er kurz vor Kurve 7 den sechsten Platz übernahm, kam es dann jedoch zu einem folgenschweren Unfall.

"Ich hatte ihn dank meines Energievorteils überholt. Dann wurde ich von hinten getroffen", beschreibt Cassidy die Szene, in der er von Bird in die Mauer geschoben wurde. Durch einen Folgeschaden musste Cassidy das Rennen kurz danach aufgeben. "Das war sehr unglücklich, denn wenn man vier oder fünf Runden vor dem Ende ein oder zwei Prozent mehr Energie hat, kann man noch richtig Schaden anrichten. Es sah bis dahin eigentlich alles sehr gut aus, aber im Nachhinein kann ich es auch nicht mehr ändern."

Formula-E-Rome-E-Prix-Jaguar-Racing-Sam-Bird

Bird enttäuscht: "Kann nichts aus diesem Wochenende mitnehmen"

Bird geht nach dem Unfall hart mit sich selbst ins Gericht: "Auf der Geraden gab es schon einen Kontakt, dann habe ich ihn leider in Kurve 7 berührt", gesteht der Brite gegenüber 'e-Formel.de'. "Ich musste vor der Kurve kurz die Bremse lösen. Durch den Schwung bin ich dann mit ihm kollidiert."

Unfreiwillig in den Zwischenfall involviert wurde auch Lucas di Grassi (Venturi), der den langsamen Jaguar von Bird am Heck traf. Der Auffahrunfall führte zu einem Reifenschaden beim Briten, der den E-Prix kurz danach ebenfalls an der Box aufgeben musste. "Für das Team ist das Resultat gut, ich freue mich für Mitch", sagt der Teamkollege des Doppel-Rennsiegers in Rom. "Aber für mich kann ich wirklich gar nichts aus diesem Wochenende mitnehmen. Ich bin super enttäuscht."

Die nächste Gelegenheit auf WM-Punkte bietet sich für Bird und Cassidy in drei Wochen. Der Monaco E-Prix startet am 30. April 2022.

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