Formel E

Formel-E-Schnelllade-Technologie funktioniert, ist aber "nicht flächendeckend" zum Saisonstart verfügbar

Timo Pape

Timo Pape

Porsche-Gen3-Auto-von-hinten-Schnelllade-Anschluss

Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass das geplante Fast-Charging nicht zum Formel-E-Saisonstart 2023 eingeführt wird. Grund sind nach Informationen von 'e-Formel.de' vor allem Lieferverzögerungen bei den Batteriezellen. Die Ladetechnologie an sich haben die Hersteller weitgehend erfolgreich getestet. Eine Entscheidung der Formel E steht kurz bevor.

Eigentlich sind neuartige Schnelllade-Boxenstopps mit 600 kW Leistung (!) als ein kommunikatives Kernthema der neuen Gen3-Ära geplant gewesen. Aller Voraussicht nach müssen sich die Beteiligten der Formel E nun jedoch noch in Geduld üben, denn die Schnelllade-Technologie wird wohl nicht beim Saisonstart am 14. Januar 2023 bereitstehen.

"Ich gehe momentan davon aus, dass die Technologie zum Saisonstart nicht flächendeckend, also bei allen Teams, zur Verfügung stehen wird", erklärt Porsche-Formel-E-Chef Florian Modlinger im exklusiven Gespräch mit 'e-Formel.de'. Warum? Weil bei den Testprogrammen der Formel-E-Hersteller zahlreiche Batterien kaputtgegangen sind.

Die Schäden hingen vor allem mit einem Problem am wiederaufladbaren Energiespeichersystem (RESS) der neuen Einheitsbatterie von Williams Advanced Engineering zusammen. Vor allem durch Erschütterungen im Fahrbetrieb fielen Akkus aus, Zellen wurden zerstört. Zwar bekam WAE das Problem in den Griff, muss nun jedoch mehr Batterien neu aufbauen als geplant.

Dies hat direkte Konsequenzen für das Schnellladen, denn auch im sogenannten Boost-Charger, mit dem das Gen3-Auto geladen wird, werden Zellen benötigt: "Er ist quasi eine Kopie der Fahrzeugbatterie. Das heißt, es sind die gleichen Zellen enthalten", erklärt ABT-Ingenieur Markus Michelberger gegenüber 'e-Formel.de'. "Deshalb lag die Priorität auf den Einsatzbatterien, was auch für alle ein enges Timing ist. Das ist ein Grund für die Verschiebung."

Porsche gegen Einführung während der Saison

Noch gibt es Diskussionen, ob Schnellladeboxenstopps womöglich auch während der Saison 2023 eingeführt werden könnten, sobald ausreichend Einsatz- und Boost-Charger-Batterien zur Verfügung stehen, und der sonstige Rennbetrieb sichergestellt ist. Nach unseren Informationen ist eine Überlegung der Formel E, den Monaco E-Prix am 6. Mai 2023 für die Einführung zu nutzen.

Die Meinungen dazu im Fahrerlager gehen jedoch auseinander und tendieren zur Skepsis. "Ich erwarte von einer FIA-Weltmeisterschaft, dass wir über den Saisonverlauf hinweg ein konstantes Sportliches Reglement haben. Davon gehe ich aus", sagt Porsches Florian Modlinger.

Im Gegensatz zu Porsche stünde ABT Sportsline einer Einführung des Schnellladens während der Saison neutral gegenüber. "Wir sind offen, solange ein funktionierendes Konzept sichergestellt ist. Der Charger muss auf jeden Fall funktionieren", stellt Michelberger klar.

Schnellladen funktioniert (meistens)

Dabei läuft das Schnellladen an sich eigentlich schon heute zumeist einwandfrei. "Wir haben die Technologie beim Testen erprobt, und sie hat funktioniert", bestätigt Modlinger von Porsche. Wie 'e-Formel.de' an anderer Stelle erfahren hat, soll es jedoch zumindest ein Problem beim "Auftanken" gegeben haben: Während eines Tests soll eine Batterie des britischen Herstellers Jaguar zerstört worden sein.

Ob auch dieser Vorfall zur wahrscheinlichen Verschiebung der Schnelllade-Boxenstopps beigetragen hat, ist uns nicht bekannt.

In den vergangenen Monaten hat es außerdem Diskussionen darüber gegeben, wann konkret im Rennen geladen werden darf. Ein Aspekt waren dabei Safety-Car- und Full-Course-Yellow-Phasen, weil befürchtet wurde, dass Hinterbänklerteams auf ebendiese Situationen spekulieren und so Rennen gewinnen könnten. Somit zöge der Zufall wieder stärker in die Formel E ein. "Das soll nicht sein", findet Michelberger. "Als Ingenieur magst du keine Zufälle. Da denken die TV-Produzenten, die FIA oder die Formel E aber vielleicht anders."

Eigentlich führte die Formel E erst zur achten Saison ein neues Qualifying-Format ein, um für mehr Fairness im Wettbewerb zu sorgen. Nichtsdestotrotz sorgen Überraschungen und "Underdog"-Geschichten im Motorsport für Gespräche und Begeisterung. Es bleibt abzuwarten, welchen Weg die Elektroserie einschlägt.

Schon Ende dieser Woche könnte die FIA nach unseren Informationen einen Haken an das Sportliche Reglement für die erste Gen3-Saison der Formel E machen. Dann sollten wir endlich Klarheit über die Einführung der ambitionierten Schnelllade-Technologie haben.

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