Formel E: Seit 2016 keine Stammfahrerin, Gen4 soll helfen, doch die E-Lizenz bleibt eine Hürde
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Die Formel E will mehr Frauen in ihre Startaufstellung bringen. Jaguar-Teamchef Ian James sieht mit der Servolenkung des neuen Gen4-Boliden eine entscheidende technische Hürde beseitigt. Doch das FIA-Lizenzsystem bleibt ein Hindernis: Selbst erfolgreiche Rennfahrer:innen aus anderen Meisterschaften können an den Voraussetzungen für ein Formel-E-Cockpit scheitern.
Seit Simona de Silvestro in Saison 2 ist keine Frau mehr als Stammfahrerin in der Formel E angetreten. Mit speziellen Frauentests bei den Vorsaison-Testfahrten 2024 und 2025 wollte die Rennserie den Weg für neue Pilotinnen ebnen.
Inzwischen sind unter anderem Bianca Bustamante, Sophia Flörsch, Juju Noda und Abbi Pulling bei Formel-E-Teams als Test-, Entwicklungs- oder Nachwuchsfahrerinnen aktiv gewesen. Ein Stammcockpit hat jedoch noch keine von ihnen erhalten. Formel-E-Geschäftsführer Jeff Dodds kündigte deshalb im August eine deutliche Ausweitung des Förderprogramms für Fahrerinnen an. Ziel sei es laut Dodds, innerhalb von zwei bis drei Jahren nach der Ankündigung wieder eine Frau in einem Formel-E-Stammcockpit zu sehen.
Mit dem neuen Gen4-Boliden könnte sich zumindest eine der bisherigen Schwierigkeiten für Fahrerinnen erledigt haben. "Wir haben immer gesagt, dass wir etwas tun müssen, um sicherzustellen, dass Frauen auch die Möglichkeit haben, in der Formel E zu fahren", erklärt Jaguar-Teamchef Ian James in einer Medienrunde, an der auch e-Formel.de teilnahm. "Mit Gen4 gibt es jetzt eine Servolenkung. Bei Gen2 und Gen3 war das aus unserer Sicht ein Hindernis, und das haben wir nun beseitigt."
Warum selbst erfolgreiche Rennfahrer:innen an der E-Lizenz scheitern können
Die Servolenkung allein reicht jedoch nicht aus, um neuen Talenten den Weg in die Formel E zu ebnen. James sieht vor allem beim FIA-Lizenzsystem weiterhin Handlungsbedarf. Die Voraussetzungen für den erstmaligen Erwerb einer E-Lizenz können schließlich unabhängig vom Geschlecht zum Hindernis werden.
"Aber wir müssen uns auch das gesamte Punktesystem anschauen", erklärt James. "Wenn jemand beispielsweise ein sehr guter Fahrer ist, aber hauptsächlich in der WEC gefahren ist, kann er möglicherweise nicht die nötigen Punkte sammeln."
Für den erstmaligen Erwerb einer E-Lizenz müssen Fahrer:innen in der Regel mindestens zwanzig Lizenzpunkte sammeln. Alternativ genügen unter bestimmten Voraussetzungen fünfzehn Punkte, wenn zusätzlich mindestens einhundert Testkilometer in einem Formel-E-Auto der aktuellen Generation absolviert wurden. Die FIA kann außerdem in besonderen Fällen eine Ausnahmegenehmigung erteilen, wenn Fahrer:innen außergewöhnliche Leistungen in Formelserien oder bestimmten anderen Meisterschaften nachweisen können.
Entscheidend ist dabei, in welchen Meisterschaften die Lizenzpunkte gesammelt werden. Die FIA gewichtet die einzelnen Rennserien unterschiedlich. Deshalb können auch erfolgreiche Neueinsteiger:innen, beispielsweise aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft, Schwierigkeiten haben, die Voraussetzungen für die E-Lizenz zu erfüllen.
Schon 2025 forderte James Gespräche mit der FIA
Die Problematik ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich James im Gespräch mit e-Formel.de zuversichtlich gezeigt, dass in der Gen4-Ära wieder eine Frau in der Formel E antreten werde. Gleichzeitig hatte er die Schwierigkeiten beim Erwerb der E-Lizenz kritisiert und den Rennfahrer Charlie Eastwood als Beispiel genannt. Obwohl James dessen Talent ausdrücklich hervorhob, fehlten Eastwood die notwendigen Lizenzpunkte für einen Renneinsatz. Schon damals kündigte James weitere Gespräche mit der FIA an, um neuen Talenten unabhängig vom Geschlecht den Einstieg zu erleichtern.
Mit dem Start der Gen4-Ära im Dezember beginnt nun der Zeitraum, für den James im vergangenen Jahr die Rückkehr einer Frau ins Formel-E-Starterfeld in Aussicht gestellt hatte. Für Saison 13 sind jedoch bereits die meisten Stammcockpits vergeben, ohne dass eine Fahrerin verpflichtet wurde. Eine Rückkehr von Frauen ins reguläre Starterfeld gleich zum Auftakt der Gen4-Ära erscheint damit zunehmend unwahrscheinlich. Auch mögliche Anpassungen der FIA-Lizenzvoraussetzungen stehen weiterhin aus.
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