Formel E

Formel E: Software-Entwicklung "kann das Auto viel schneller machen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Motor, Inverter, Getriebe und Hinterradaufhängung - das ist die Hardware, die Hersteller in der Formel E selbst entwickeln dürfen. Trotz teils verschiedener Ansätze sind die Unterschiede zwischen den Teams hier recht gering. Als größeres Entwicklungsfeld hat sich in den vergangenen Jahren die Software herauskristallisiert.

Immerhin sind viele technische Parameter im Reglement fest vorgegeben: Spannung, Batteriekapazität, maximale Leistung und Rekuperation sind für alle Teilnehmer identisch. Zudem sind nach der Homologation der Antriebe, die vor Saisonbeginn durchgeführt werden muss, keine Änderungen mehr an den selbstentwickelten Teilen erlaubt. Dennoch sind die Ingenieure auch während einer laufenden Saison nicht untätig. Sie entwickeln und optimieren ihre Fahrzeuge nur in einem anderen Bereich: Software.

Bereits im Januar 2017 wurde Vinit Pantel, Chefingenieur bei Mahindra Racing, in einem Beitrag des teameigenen Technik-Blogs mit den Worten "Software-Entwicklung wird der Heilige Gral der Formel E" zitiert. Sebastien Buemi, Fahrer bei Nissan e.dams und Formel-E-Champion aus Saison 2, verglich vor rund einem Jahr die Software-Entwicklung in der Elektrorennserie gar mit dem "Aerodynamik-Krieg" in der Formel 1.

"Das größte Performance-Werkzeug, das wir zur Verfügung haben"

"Es gibt so viel, was man mit der Software machen kann", erklärt der Schweizer bei 'Autosport'. "Die Software hilft beim Management der Energie im Rennen oder bei Performance-Runden. Sie kann das Auto viel schneller machen. Unsere elektronischen Systeme und die Software sind heutzutage das größte Performance-Werkzeug, das wir zur Verfügung haben."

"Das große Rennen in der Formel E ist das Software-Rennen", schlägt Venturi-Teamchefin Susie Wolff im Elektronik-Magazin 'EE Times' in dieselbe Kerbe. Angesprochen auf den Einfluss auf die Performance stellt sie die Programmierung der elektronischen Komponenten sogar über den Einfluss, den der Elektromotor in den Boliden hat: "Software ist ein viel größerer Leistungsfaktor als die Hardware."

Porsche-Technikchef Malte Huneke bestätigt dies am Mikrofon von 'e-Formel.de': "Software ist ein superwichtiges Thema", so Huneke. Die Denkarbeit, die in die Planung von Hard- und Software gesteckt wird, sei dabei ziemlich ausgeglichen.

Den größten Teil der Arbeit mache beim Formel-E-Neueinsteiger jedoch aktuell noch der physische Antriebsstrang aus. "Wenn man es jetzt in Mannstärke ausdrückt, dann ist es insgesamt weniger auf der Software- als auf der Hardwareseite", bilanziert er. Hintergrund ist hier aber der manuelle Aufwand bei der Fertigung und den Tests: "An der Hardware hängt mehr dran. Wir müssen die Prüfstände (mit Personal) betreiben, Leute müssen die produzierten Teile zusammenbauen."

Wie auch immer sich das Verhältnis bei den unterschiedlichen Teams darstellt - dass die Software-Entwicklung in einer engen Rennserie wie der Formel E den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage machen kann, ist unbestritten.

Foto: Lou Johnson / Spacesuit Media

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